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Bayern München : Quartett Infernale

  • -Aktualisiert am

Abteilung Attacke: Ribéry, Robben, Gomez und Müller (von links) verzücken wieder die Fans Bild: dapd

Bereit für Inter: Dank ihrer außergewöhnlichen Offensive gelingt den Bayern die Revanche gegen Mainz. In Mailand aber sollten am Mittwoch (20.45 Uhr) auch die Münchner Abwehrspieler das Niveau der erfolgreichen Offensiv-Abteilung erreichen.

          Vorsicht, die Bayern kommen. Rechtzeitig zu den wichtigsten Fußballwochen des Jahres hat der deutsche Rekordmeister seine außergewöhnliche Form der vorigen Saison gefunden. Der Grund? Endlich ist das Quartett komplett, das so lange auseinandergerissen war, als die Karten nach der Weltmeisterschaft neu gemischt worden waren. Robben fit, Ribéry fit und motiviert, Müller wieder frisch und kraftvoll, Gomez selbstbewusst und kaltschnäuzig: Die Offensivabteilung des FC Bayern berauscht sich an sich selbst, verzückt die Fans und nötigt der Konkurrenz Respekt ab. Schnöde Bundesligaspiele wie gegen Hoffenheim (4:0) oder am Samstagabend in Mainz (3:1) werden zum Fußballgenuss und lösen Vorfreude auf die ganz großen Spiele aus, von denen als erstes der erste Teil des Achtelfinal-Duells in der Champions League gegen Inter Mailand an diesem Mittwoch ansteht.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          „Gegen Inter haben wir eine gute Chance“, sagte Robben der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Und Thomas Müller meinte kurz nach dem Abpfiff im Bruchwegstadion: „Das war der perfekte Aufgalopp, natürlich bin ich optimistisch, wer sollte es sonst sein, wenn ich es nicht wäre?“ Die gute Laune ist begründet. Das 3:1 gegen die Rheinhessen war voller glanzvoller Momente. Dabei hatte Mainz alles versucht, die Münchner zu verwirren. Sie tauschten die Außenverteidiger aus, wechselten die Ordnung im Mittelfeld. Aber wie gute Schachspieler wussten die Münchner auf jeden Zug des Gegners einen Gegenzug, wobei ihnen vor allem die individuelle Klasse ihrer Offensivkräfte über jedes taktische Problem hinweghalf.

          Unbändige Lust auf Fußball

          Die Bayern-Attacke hatte einfach unbändige Lust auf Fußball, sogar darauf, defensiv mitzuarbeiten, was in den vergangenen Wochen immer wieder angemahnt worden war. „Ich bin sehr zufrieden“, sagte Trainer Louis van Gaal, der sich von der Schönheit des Spielzugs zum 3:0 mitreißen ließ und lauthals an der Seitenlinie jubelte, obwohl das Spiel schon zuvor so gut wie entschieden war. Thomas Müller war über links freigespielt worden und hatte dann Gomez vorgelegt, der den Ball nur noch ins Tor schieben musste (78. Minute).

          Bayer-Trainer Van Gaal: „Wir hatten zu viele Abspielfehler in der Abwehr”

          Noch schöner herausgespielt war der Pfostenschuss von Gomez, der einen Diagonalpass von Robben durch die Mainzer Abwehr kunstfertig unter Kontrolle gebracht hatte. Und noch spektakulärer war Robbens Vorarbeit zu Müllers 2:0 (50.), als er den Ball mit Hilfe eines Kung-Fu-Sprungs seinem Kollegen vorlegte. Lediglich Schweinsteigers 1:0 resultierte aus einer vergleichsweise normalen Flanke Ribérys und einer Kopfballvorlage. Das Außergewöhnliche: Sie stammte von Robben, der sonst kaum ein Luftduell gewinnt. Schweinsteigers folgendes Kopfballtor war gar sein erstes im 239. Bundesligaspiel.

          „Wir haben schon viele Serien eingeläutet, aus denen dann nichts geworden ist“

          Für den Mainzer Trainer Tuchel war das erste Gegentor „nicht zu akzeptieren“. Der Robben zugeordnete Abwehrspieler habe geschlafen. Ansonsten konnte er stolz auf seine Mannschaft sein, die gut mitspielte, in der letzten Viertelstunde der ersten Halbzeit die Bayern sogar einschnürte und durch Allagui in der 84. Minute zum hochverdienten Ehrentor kam. „Wir waren in der Lage, die Bayern zu packen, aber wir waren nicht effektiv genug“, sagte Tuchel. Jung-Nationalspieler André Schürrle hätte seine großartige Leistung mit mehreren Toren krönen können, scheiterte aber an den Münchner Torhütern Kraft und Butt. Butt kam in der zweiten Halbzeit ins Spiel, weil sein Nachfolger bei einem Zusammenprall mit dem Mainzer Sliskovic eine Schädelprellung erlitten hatte. Gegen Mailand soll aber die in der Rückrunde übliche Münchner Torwart-Ordnung wieder herrschen.

          In San Siro sollten dann aber auch die Abwehrspieler das Niveau der Torleute erreichen. Van Gaal ist immer noch auf der Suche nach der optimalen Besetzung der Viererkette. In Mainz probierte er gleich mehrere Formationen aus. Der Hoffenheimer Neuzugang Luiz Gustavo spielte in den 90 Minuten linker Außenverteidiger, auf der Sechser-Position im Mittelfeld und Manndecker. „Wir hatten zu viele Abspielfehler in der Abwehr“, stellte van Gaal fest, mochte aber nicht allzu hart mit der Defensive ins Gericht gehen.

          Die überragende Abteilung Attacke der Bayern überlagerte an diesem Abend jedes andere Thema. Der Einzige, der ein wenig bremste, war Nationalspieler Müller: „Wir müssen erst noch Konstanz reinbringen. Wir haben schon viele Serien eingeläutet, aus denen dann nichts geworden ist.“

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