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Bundesliga-Kommentar : Nett reicht nicht für die Bayern

Applaus, Applaus? Die Bayern und Thomas Müller sind zwar Erster, spielen aber schwächer als zuvor. Bild: Reuters

Die Bayern haben an Qualität verloren. Das wird in der Bundesliga keine gravierenden Folgen haben. Es ist aber eine Illusion, wenn die Münchner glauben, in Europa triumphieren zu können.

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          Bei allen wortreichen Erklärungen, die der Rekordmeister nach dem 2:2 in Frankfurt im öffentlichen Selbstgespräch noch anführen wird, um begreiflich zu erklären, warum der FC Bayern nicht mehr der FC Bayern ist, dürften Spieler und Verantwortliche ein paar Gedanken vermutlich für sich behalten. Zum einen, dass Guardiola genau wusste, warum er eine Mannschaft, die er drei Jahre lang mit eiserner Hand über der Liga schweben ließ, im Sommer verließ: weil ein solch anregender wie aufreibender Weg bei den Spielern tiefe Spuren hinterlassen muss und ein Trainer, der täglich alles aus seinen Spielern herauspresst, gut beraten ist, sich rechtzeitig ein neues Team zu suchen, weil das mit denselben Profis nicht ewig geht.

          Zum anderen, dass die Erzählung, an die der FC Bayern mit Ancelotti glauben will, vielleicht doch nicht funktioniert: dass eine ebenso guardiolamüde wie guardiolageschulte Mannschaft nur einen anerkannten und grundsympathischen Fußball-Lehrer braucht, um die Bundesliga weiter zu beherrschen (wenn auch mit Abstrichen) – aber dafür innerlich befreit genug ist, um in den großen Spielen der Champions League wieder zu triumphieren.

          Tatsächlich steht für die Bayern zu befürchten, dass der zweite Teil dieses Plans nicht klappt. Trotz des von den Ergebnissen bis Oktober makellosen Starts war schon länger erkennbar, dass die ungeheure Dominanz, bei der es eben auch auf Details ankommt, im Spiel der Bayern schwindet. Und nun hat es wirklich jeder gesehen: Ein Team mit der besten Viererkette der Welt (Lahm, Boateng, Hummels, Alaba) lässt gegen einen nominell mittelmäßigen Gegner sogar in Überzahl einen zweiten Treffer zu. Wenn irgendwann im Rückblick nach dem Moment gesucht werden sollte, wann aus den Über-Bayern wieder eine normale (gleichwohl herausragende) Fußballmannschaft wurde, dann wird es dieses Tor zum 2:2 in Frankfurt sein. Unter Guardiola war das noch undenkbar.

          Ein kleiner Cut: Die Bayern und Thomas Müller schwächeln in Frankfurt Bilderstrecke

          Die Bayern haben an Qualität verloren. Das wird in der Liga keine gravierenden Folgen haben. Die Konkurrenz ist nicht gut genug, um aus solchen Schwächen meisterhaft Kapital schlagen zu können. Es ist jedoch eine Illusion, wenn die Bayern glauben, mit nachlassender Qualität nach drei Jahren ohne Finalteilnahme nun wieder in Europa triumphieren zu können. Allein die drei Großen aus Spanien (Real und Atlético Madrid, Barcelona) gewinnen immer weiter an Stärke. Von Manchester City unter Guardiola und den anderen englischen Klubs gar nicht zu sprechen.

          Vor allem aber büßt die Bundesliga, die sich mit dem deutsch-deutschen Finale 2013 schon auf dem Sprung an die europäische Spitze wähnte, an Klasse ein. Das liegt nicht nur daran, dass Spieler wie Özil, Kroos, Gündogan oder auch Khedira, das Herzstück des Weltmeisters, im Ausland spielen. Auch die Trainer sind nicht mehr so gut, wie sie mal waren. Die Verluste von Guardiola, Klopp und Favre, die für neue Ideen und Leistungsschübe in München, Dortmund und Gladbach sorgten, und dies nun in Manchester, Liverpool und Nizza tun, sind noch schwerer zu kompensieren als der Weggang deutscher Top-Spieler. Ein Tuchel, der zudem noch zeigen muss, dass er Titel gewinnt, reicht nicht. Die Bayern dürften ihre kleine Liga-Schwäche bald in den Griff bekommen. Aber die Bundesliga, und das zeigt sich auch im Europapokal, hat ihre besten Zeiten erst mal hinter sich.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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