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Gerd Müller : Bayern München macht Alzheimer-Erkrankung des „Bombers“ öffentlich

  • Aktualisiert am

Alte Weggefährten: Gerd Müller (rechts) und Sepp Maier (Bild von 2013). Bild: Picture-Alliance

Für Fußball-Deutschland ist Gerd Müller nur der „Bomber der Nation“. Kurz vor seinem 70. Geburtstag äußert sich sein früherer Klub Bayern München zum Gesundheitszustand des Rekord-Torjägers.

          Der deutsche Rekord-Stürmer Gerd Müller leidet an einer Alzheimer-Erkrankung. Wie der FC Bayern am Dienstagabend bekanntgab, steht der einstige „Bomber der Nation“ seit Anfang Februar unter professioneller Betreuung. Grund für die öffentliche Äußerung zum intern seit langem bekannten Gesundheitszustand ist der bevorstehende 70. Geburtstag am 3. November. Verein und Familie baten in der Stellungnahme um Verständnis, dass es keine öffentlichen Auftritte anlässlich des Jubiläums geben werde.

          „Gerd, für den Werte wie Freundschaft und Fairplay von Bedeutung waren und sind, hat es verdient, dass wir alle rücksichtsvoll mit seiner Erkrankung umgehen und seine Privatsphäre und die seiner Familie respektieren“, sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge laut Mitteilung. Dies sei der ausdrückliche Wunsch der Familie von Müller und auch seines langjährigen Clubs in München.

          Müller war über viele Jahre ins Vereinsleben an der Säbener Straße integriert, zuletzt als Kotrainer der Amateurmannschaft. „Trotz unübersehbarer Zeichen seiner Erkrankung wurde er von der Bayern-Familie, den Fans und Medien mit Sympathie und großem Respekt behandelt“, sagte sein behandelnder Arzt Hans Förstl. „Das war sehr wichtig, weil es jedem Menschen mit einer beginnenden Alzheimer Demenz nur zu wünschen ist, dass er sich so lange wie möglich in seinem vertrauten Umfeld, in dem er sich wohl fühlt, aufhalten kann.“

          Sein wichtigstes Tor: Müller trifft im WM-Finale 1974 zum 2:1 gegen die Niederlande.

          Für den Aufstieg des deutschen Branchenprimus war Müller nach Einschätzung vieler Weggefährten ähnlich wichtig wie „Kaiser“ Franz Beckenbauer oder der langjährige Erfolgsmanager Uli Hoeneß. „Was der FC Bayern heute darstellt, mit diesem Palast an der Säbener Straße... ohne Gerd Müller wären die Leute da immer noch in dieser Holzhütte von damals“, sagte Beckenbauer am Dienstag in Kitzbühel.

          Müller wurde mit der deutschen Auswahl Welt- und Europameister, mit dem FC Bayern viermal deutscher Meister, viermal DFB-Pokalsieger und dreimal Champion im Europapokal der Landesmeister. Mit 365 Treffern in 427 Partien ist er nach wie vor Rekordtorschütze der Bundesliga. Außerdem gelang es dem gebürtigen Nördlinger aus Schwaben in der Saison 1971/72 als bislang einzigem Profi, 40 Tore in einer Liga-Spielzeit zu erzielen. Seine 68 Länderspieltore wurden erst 2014 von Miroslav Klose übertroffen.

          Namensvetter, die sich verstehen: Gerd (links) und Thomas Müller.

          „Gerd Müller ist einer der ganz Großen des Weltfußballs“, sagte Rummenigge. „Gerd war ein Torjäger, wie es ihn vermutlich nicht mehr geben wird, und bei allen Erfolgen ist er stets bescheiden und zurückhaltend geblieben, was mich besonders beeindruckt hat.“ Nach der aktiven Karriere habe er seine Erfahrung für den Nachwuchs eingebracht und dadurch etwa die späteren Weltmeister Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller geprägt. „In der Bayern-Familie wird Gerd immer seinen festen Platz haben.“

          Die Alzheimer-Krankheit

          Bei der bis heute unheilbaren Krankheit sterben Hirnzellen ab, das Gedächtnis geht verloren, das Wesen wird verändert. In fortgeschrittenem Stadium weiß ein Patient nicht mehr, wo er sich befindet und wer er ist. Viele Erkrankte erkennen ihre Angehörigen nicht mehr, manche werden aggressiv. Oft ist eine Beaufsichtigung rund um die Uhr nötig. Nur zwei Prozent der Patienten erkranken vor dem 65. Lebensjahr.

          Bei den 85- bis 89-Jährigen leidet jeder Vierte an Demenz, deren häufigste Ursache die Alzheimer-Krankheit ist. Es ist unklar, was genau im Gehirn bei Alzheimer und Demenz passiert. Eiweißfragmente - Amyloid-Peptide - lagern sich im Gehirn ab. Die Zellen schaffen es nicht, diese Plaques loszuwerden. Sie stören die Reizübertragung zwischen den Hirnzellen, diese werden dann funktionsuntüchtig und sterben ab.

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