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Bayern München : Lucio kommt, Lucio geht

  • -Aktualisiert am

Servus, München: Lucio zieht's nach Mailand Bild: ddp

Lucios erster Arbeitstag war auch sein letzter bei den Bayern: Die Münchner sind auf die Forderungen des Brasilianers nicht eingegangen und lassen ihn nach Mailand ziehen. Franck Ribérys Wechselfrist ist dagegen abgelaufen.

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          Lucio musste doch noch einmal im roten Trikot auf den Platz. Aber der erste Arbeitstag des brasilianischen Fußballprofis nach dem verlängerten Urlaub war auch sein letzter beim FC Bayern München. Während der Innenverteidiger zusammen mit dem Italiener Luca Toni, der ebenfalls erst am Donnerstag ins Training eingestiegen war, ein paar Sprintübungen abseits der Mannschaft absolvierte, hatte Bayern-Manager Uli Hoeneß oben in der Geschäftsstelle noch ein paar Telefonate zu erledigen.

          Als Lucio eine knappe Stunde später in die Kabine verschwand, waren die letzten Wechseldetails geklärt. Statt mittags mit der Mannschaft ins Trainingslager nach Donaueschingen zu reisen, flog Lucio nach Italien, denn er wird in den nächsten Tagen einen Dreijahresvertrag bei Inter Mailand unterschreiben.

          Der Brasilianer in München: zuletzt mehr Frust als Lust

          Schon während des Confederations Cups in Südafrika Ende Juni hatte der Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft angekündigt, sich einen anderen Verein zu suchen, wenn er unter dem neuen Trainer Louis van Gaal nicht mehr unangefochtene Stammkraft sein sollte.

          Lucio nimmt van Gaals Empfehlung ernst

          Auch störte ihn offenbar, dass die Bayern den im kommenden Jahr auslaufenden Vertrag nicht vorzeitig längerfristig verlängerten. „Lucio wollte einen Dreijahresvertrag, den wollten wir ihm aber nicht geben“, sagte Hoeneß. Nun erhalten die Bayern noch eine Ablösesumme für den Einunddreißigjährigen. „Im Markt ist wenig Geld“, sagte Hoeneß. Deshalb seien den Bayern „etwa 15 Spieler im Tausch“ angeboten worden. „Aber wir wollten Cash, und jetzt haben wir Cash.“ Allerdings verriet er nicht, wie viel dem italienischen Meister der Brasilianer wert ist.

          Lucio ist der erste Spieler, der die Empfehlung des neuen Trainers ernst nahm. Van Gaal klagt seit seinem Dienstantritt vor zwei Wochen über den zu großen Kader. Sein Wunsch sei es, mit 22 Profis zu arbeiten statt mit 27, hatte der Holländer auch vor dem letzten Training in München am Donnerstagmorgen noch einmal erklärt. Nun sollen sich also noch vier Spieler verabschieden, aber da habe sich, so Hoeneß, „bisher sonst keiner klar geäußert“. Mit Ausnahme von Franck Ribéry.

          Ribéry und seine Wehwehchen

          Der Franzose konnte bisher kaum trainieren. Einmal plagte ihn eine Blase am Fuß, dann die Achillessehne, in der vergangenen Woche war es eine Schleimbeutelentzündung im Knie und jetzt ist es die Patellasehne. In Donaueschingen wird er deshalb zunächst vor allem im Kraftraum arbeiten. Dass schon spekuliert wurde, Ribéry würde mit seinen ständigen Wehwehchen versuchen, seinen Wechsel zu Real Madrid zu provozieren, gefiel den Verantwortlichen nicht. Es sei von Ribéry in keiner Weise etwas gemacht worden, was nicht korrekt sei, erklärte deshalb Hoeneß Anfang der Woche.

          Nun hofft der FC Bayern, dass das spanische Werben um den Spieler endgültig ein Ende hat. „Die Frist der Causa Ribéry ist am Mittwoch abgelaufen“, verkündete Hoeneß. „Darüber sind alle interessierten Vereine informiert.“ Die Berater des Franzosen ebenfalls, denn die macht der Bayern-Manager in erster Linie für das seit Monaten dauernde Theater verantwortlich. Sie müssten endlich begreifen, „dass man mit dem FC Bayern nicht so umgehen kann wie mit anderen Vereinen“.

          „Jetzt haben wir diese Zerrissenheit“

          Vor allem van Gaal drängte auf eine Klärung der Personalie bis zum Beginn des Trainingslagers. Der Trainer hat es in seinen ersten Wochen in München schon mit genügend Baustellen zu tun, abgesehen vom aufgeblähten Kader. Denn die Vorbereitung entspricht so gar nicht seinen Vorstellungen. Der Trainingsstart vier Wochen vor dem ersten Pflichtspiel war ihm zu spät, und zu viele Tests stehen bis zum Pokalspiel am 2. August gegen Neckarelz auf dem Programm.

          Das einwöchige Trainingslager im Schwarzwald ist zudem unterbrochen von einem Turnier am Wochenende in Gelsenkirchen. Aber die Planung der Vorbereitung hatte noch Klinsmann zu verantworten. „Das ist unglücklich gelaufen“, sagt Hoeneß. „Jürgen wollte ins Trainingslager, wenn alle Spieler da sind. Van Gaal wäre aber gleich gefahren. Jetzt haben wir diese Zerrissenheit.“

          Die wichtigsten Positionen scheinen besetzt

          Dennoch sieht van Gaal den FC Bayern auf dem richtigen Weg. „Die Mannschaft zeigt eine gute Reaktion auf meine Philosophie, auf mein Regelwerk.“ Es wird wenig experimentiert in diesen Wochen. Schnell hat der Trainer sich auf eine 4-4-2-Grundordnung festgelegt, und die gedenkt er erst einmal nicht zu ändern. Zwar würde er als Niederländer lieber mit dem offensiveren und kreativeren 4-3-3-System spielen lassen, „aber dafür habe ich die Spieler nicht“.

          Die wichtigsten Positionen scheinen schon besetzt. Im Tor hat Hans-Jörg Butt gegenüber Michael Rensing die Nase vorn, in der Innenverteidigung spricht einiges für den jungen Holger Badstuber und für Daniel van Buyten, im defensiven Mittelfeld behauptet sich derzeit Mark van Bommel, während Neuzugang Anatolij Timoschtschuk wohl auf der rechten Seite gesetzt ist. Nur auf der Position hinter den beiden Spitzen Miroslav Klose und Mario Gomez musste van Gaal bisher improvisieren. Denn die hat er für Ribéry vorgesehen – den Spieler, der nun wohl doch beim FC Bayern bleibt.

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