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Bayern München : „Zu Löw werde ich mich nach Liverpool äußern“

War was? Thomas Müller (links) und Mats Hummels sind am Ende einer turbulenten Woche bestens gelaunt. Bild: EPA

Nach dem Ärger um das DFB-Aus von Hummels, Boateng und Müller genießen die Bayern die Rückkehr an die Bundesliga-Spitze. Und vor dem Rückspiel gegen Liverpool äußern sich gar zwei aktuelle Nationalspieler kritisch zu Löws Aktion.

          Mats Hummels lächelte und schwieg. Jerome Boateng schaute nicht mal. Nur Thomas Müller rief einen einzigen munteren Satz in die Interviewzone der Münchner Arena, während er flotten Schrittes in den Feierabend eilte: „Ich habe einen schönen Spieltag erlebt!“ Das galt für alle Bayern, die nun „endlich wieder mal oben stehen“, so Präsident Uli Hoeneß, „am Platz an der Sonne“. Doch speziell galt es für diese drei, die gar nichts sagen mussten, um sich am Ende einer persönlich enttäuschenden Woche als Gewinner fühlen zu dürfen: im Nationaltrikot nicht mehr gefragt, im Bayern-Trikot wieder ganz oben.

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          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Die Leistung spricht für sie“, sagte Trainer Niko Kovac. Dem Sportdirektor Hasan Salihamidzic zufolge hatte ihre Aufstellung durch den Bayern-Trainer am Samstag nichts mit ihrer Ausbootung durch den Bundestrainer am Dienstag zu tun, vielmehr habe Kovac „sie sowieso bringen“ wollen. So oder so konnte Kovac sich bestätigt fühlen durch seine Wahl. Müller, Hummels und Boateng sprühten nur so vor Frische und Einsatzfreude. „Die Art und Weise, wie sie es heute umgesetzt haben in positive Energie“, so Kovac, „spricht für sie als Spieler, als Mensch und Charaktere.“

          Über die Art und Weise, wie man Müller, Hummels und Boateng vier Tage zuvor mitgespielt hatte, sprach der Mann mit der mächtigsten Stimme im deutschen Fußball am Samstag noch nicht. „Wir wollen die Ruhe, die wir uns jetzt hier erarbeitet haben, behalten“, erklärte Uli Hoeneß. „Zu Jogi Löw werde ich mich erst nach dem Liverpool-Spiel äußern.“ Und das klang nicht wie die Ankündigung einer Grußbotschaft an jenen Trainer, der in besseren Jahren sogar mal als Kandidat für die Bayern galt.

          Prädestiniert für eine Einordnung der jüngsten Verwerfungen zwischen den beiden Großinstitutionen des deutschen Fußballs erschien darüber hinaus Manuel Neuer, als Kapitän sowohl der Bayern als auch des Nationalteams. Doch der Torwart zog sich auf Gemeinplätze wie sein Verständnis für die Enttäuschung der Kollegen und die Verantwortung des Bundestrainers für die Wahl der Spieler zurück. Auf Nachfrage erklärte er immerhin, von Löw nicht vor, sondern erst nach dessen Überraschungsbesuch an der Säbener Straße über die Ausbootung der drei Kollegen informiert worden zu sein – ohne bei dieser Darstellung im geringsten aufgebracht darüber zu wirken. Ist es vorstellbar, dass einer der anderen deutschen Weltmeistertrainer, ein Herberger, Schön, Beckenbauer, so mit seinem Spielführer umgegangen wäre? Oder dass ein Walter, Beckenbauer, Matthäus das so unbewegt mit sich hätte machen lassen?

          So blieb es zwei Jungnationalspielern vorbehalten, sich aussagekräftiger zum Umgang mit den älteren Kollegen zu äußern – zwei von denen, die wissen, dass sie nun im DFB-Team „mehr Verantwortung übernehmen müssen“, so Joshua Kimmich. Es war zugleich eine Andeutung, dass es Löw in der Endphase seiner Amtszeit mit einer neuen, aufmüpfigeren Generation von Führungsspielern zu tun bekommen könnte. „Aus Spielersicht muss ich sagen: Die Art und Weise war nicht okay“, sagte Kimmich über Löws Umgang mit den drei verdienten Kollegen. Wer wie Müller auf hundert Länderspiele komme, habe „einen anderen Abgang verdient“, sagte der Verteidiger, der nicht nur in der stilistischen, auch in der sportlichen Frage mit Löw uneins ist: „Ich denke, dass keiner der Jungs zu alt ist, um in der Nationalmannschaft zu spielen.“

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