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Bayern München : Keine Zukunft für Rensing

  • -Aktualisiert am

Aus der Traum? Michael Rensing ist auf die Bank abgeschoben worden Bild: ddp

Ohrfeige für Rensing: Klinsmann hält an Butt als neuer Nummer eins im Bayern-Tor bis zum Saisonende fest. Für den vermeintlichen Kahn-Nachfolger stellt sich nun die Sinnfrage: Soll er in München bleiben oder gehen?

          Es wird Michael Rensing nicht trösten, dass er nun ganz genau weiß, woran er bei Jürgen Klinsmann ist. Die Nummer eins beim FC Bayern München ist nur noch die Nummer zwei und wird nun auch an diesem Dienstag im Viertelfinalrückspiel der Champions League gegen den FC Barcelona von Hans-Jörg Butt vertreten. Der Trainer verzichtet darauf, Rensing weiter hinzuhalten. „Das muss ich jetzt durchziehen“, bis zum Saisonende, gab Klinsmann nach dem 4:0 gegen Eintracht Frankfurt zu (siehe auch: 4:0 gegen Frankfurt - Die Bayern melden sich zurück). Die Begründung muss Rensing aber wie eine kräftige Ohrfeige vorgekommen sein. Butt sei seinem Kollegen noch einen Schritt voraus, „in Sachen Erfahrung, Ausstrahlung und Gelassenheit“, sagte der Bayern-Trainer. „Im Moment muss ich Michael leider weh tun, dessen weitere Entwicklung muss hinten anstehen, damit wir hier die Resultate einfahren, an denen wir alle gemessen werden.“

          Als der bisherigen Nummer eins die Qualität abgesprochen wurde, dem FC Bayern den Meistertitel zu sichern, hatte Rensing schon kommentarlos das Stadion verlassen. Er bekam auch nicht mehr mit, dass Klinsmann den Torwartwechsel nicht als Herabstufung verstehen will, sondern „riesengroßes Potential“ sieht bei Rensing. „Er ist hoffentlich irgendwann hier die große Nummer eins.“

          Gerüchte um Enke

          Das klang wie Hohn und ist so weit von der Realität entfernt wie die Mannschaft vom Einzug ins Champions-League-Halbfinale. Denn spätestens seit Samstag steht fest, dass Rensing keine Zukunft mehr hat in München. Seine Karriere beim Rekordmeister, die nach dem Rücktritt von Oliver Kahn im Sommer erst so richtig begonnen hatte, ist wohl schon wieder zu Ende. Schon verdichten sich die Gerüchte, dass die Bayern eine neue Nummer eins suchen. Dabei fällt immer wieder der Name Robert Enke. Aus Hannover drang schon vor dem Spiel der Niedersachsen gegen Hertha BSC Berlin die Kunde, dass die Verhandlungen weit fortgeschritten seien. Wohl etwas voreilig, denn laut Enke und den Klubverantwortlichen gibt es noch keinen Kontakt. Allerdings scheint 96-Klubchef Martin Kind schon dringend auf einen Anruf aus München zu warten. „Wir sind offen für Gespräche und wissen, dass Robert bei den Bayern auf der Liste landen könnte“, sagte er am Samstag.

          Der Torwart und sein Problem: Gegentreffer

          Es gibt selbstverständlich sportliche Argumente gegen Rensing. Allerdings war der Zeitpunkt des Wechsels überraschend, weil die 1:5-Niederlage in Wolfsburg am wenigsten der Torhüter zu verantworten hatte (siehe auch: Bayern München: Klinsmann lächelt nicht mehr). Die Art und Weise der Degradierung scheint zudem höchst fragwürdig. Denn noch in Barcelona hatte Rensing erzählt, dass er gegen Frankfurt wieder im Tor stehen werde. Es sei „eine einmalige Sache“, habe der Trainer gesagt. Klinsmann selbst bestätigte das. Dass dann drei Tage später alles anders kam, war für Kahns Nachfolger der Beweis eines länger gehegten Verdachts: Es muss von Anfang an Zweifel an Rensings Klasse gegeben haben. Denn es wird kolportiert, dass Klinsmann zu Saisonbeginn eine andere Nummer eins installieren wollte. Allerdings nicht Hans-Jörg Butt, sondern Thomas Kraft, den erst 20 Jahre alten Schlussmann der Drittliga-Mannschaft. Auf Geheiß des Vorstands, der bei Rensing im Wort stand, musste Klinsmann seinen Plan angeblich ad acta legen.

          Schon van Buyten fühlte sich von Klinsmann verschaukelt

          Die Torhüter-Aktion dürfte Klinsmann kaum geholfen haben, das gestörte Verhältnis zu Teilen der Mannschaft zu verbessern. Immerhin war Rensing nicht der erste Spieler, der sich verschaukelt fühlte. Am Saisonanfang hatte der Trainer zunächst Mark van Bommel zum Kapitän ernannt und ihn danach auf die Bank gesetzt. Ende Februar verwehrte Klinsmann dann Daniel van Buyten den versprochenen Einsatz im Champions-League-Achtelfinale in Lissabon.

          Die Kollegen haben den merkwürdigen Umgang des Trainers mit der Wahrheit registriert. Franck Ribéry lässt seit ein paar Wochen keine Gelegenheit aus, sich für seinen belgischen Kumpel einzusetzen. Am Samstag hatte er sich die Rückennummer von van Buyten, der sich derzeit um seinen schwerkranken Vater kümmert und deshalb nicht im Aufgebot stand, auf seine Handinnenfläche gemalt. Bei seinem Tor deutete der Franzose auf die Fünf in seiner Hand – als Zeichen ehrlicher Anteilnahme.

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