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Leipziger Hochgefühl : Muss sich der FC Bayern fürchten?

Leipziger der Stunde: Timo Werner trifft und trifft und trifft. Bild: AP

Die Kräfteverhältnisse verschieben sich: RB empfängt die Bayern als Tabellenführer. Und die Sachsen wollen sich mit einem Unentschieden nicht zufriedengeben. Dabei hoffen sie auf das gewisse Etwas ihres neuen Trainers.

          3 Min.

          Die neuen Verhältnisse in der Fußball-Bundesliga lassen sich vor dem Spitzenspiel zwischen Spitzenreiter RB Leipzig und Rekordmeister FC Bayern (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und live bei Sky) nicht nur in der Tabelle ablesen. Sie spiegeln sich in diesen Tagen auch in den Aufstellungen der Nationalelf. Bei den Länderspielen gegen die Niederlande und in Nordirland hatte sich die langjährige Dominanz der Bayern aufgelöst.

          Bundesliga
          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Von den zehn Feldspielern vor Torwart Neuer kamen jeweils nur noch drei aus München (Süle, Kimmich, Gnabry). Aus Leipzig wiederum waren in Belfast erstmals auch drei Profis von Anfang an dabei (Halstenberg, Klostermann, Werner) – während Borussia Dortmund in beiden Spielen nur jeweils zwei Spieler in verschiedenen Konstellationen in der Startformation unterbringen konnte (Schulz und Reus, Brandt und Reus).

          Zumindest, was die nationale Repräsentation angeht, hat es RB Leipzig schon zum ersten Herausforderer der Bayern gebracht. An diesem Samstag soll beim Gipfeltreffen in Sachsen der nächste Schritt folgen. „Es widerstrebt mir, nur einen Punkt zu wollen. Ich möchte gewinnen – und so gehe ich auch ins Spiel“, sagt der Leipziger Trainer Julian Nagelsmann. „Zu viel Respekt oder Angst sind falsch. Man muss schon mutig auftreten und sich zutrauen, gewinnen zu können.“

          Dreikampf statt Zweikampf an der Spitze

          Aus dem vor der Saison erwarteten und erhofften Zweikampf der langjährigen Rivalen Bayern und Dortmund könnte sich womöglich ein Dreikampf entwickeln. Falls Tabellenführer RB gegen den Tabellenzweiten FCB gewinnt, betrüge der Vorsprung nach vier Spieltagen schon fünf Punkte. Das Selbstbewusstsein und das Selbstverständnis der Leipziger sind unter ihrem neuen Trainer nach drei Siegen in drei Spielen entsprechend ausgeprägt. „Ich glaube, dass wir Schritt für Schritt leistungstechnisch näher rankommen an die Bayern. Es ist an der Zeit, sie mal wieder zu schlagen“, sagte Kapitän Willi Orban in dieser Woche im „Kicker“. Der erste und einzige Sieg von RB datiert aus dem März 2018 (2:1). In den vergangenen drei Spielen gelang den Leipzigern aber nicht einmal ein einziges Tor gegen die Münchner – 0:3 im DFB-Pokalfinale, 0:0 und 0:1 in der Bundesliga.

          Die in der Nationalmannschaft neue und ziemlich ausgeglichene Mischung aus Bayern, Leipzigern und Dortmundern hat dort in der vergangenen Woche nicht besonders gut funktioniert. Vor den beiden Bundesliga-Topspielen zwischen Leipzig und Bayern sowie Dortmund und Leverkusen darf man allerdings vermuten, dass die Nationalspieler in ihren Klubs wieder zeigen, was wirklich in ihnen steckt. Dass Nationalstürmer Timo Werner, der mit fünf Toren in den ersten drei Spielen die Bundesliga aufgemischt hat, aber in 180 Minuten im DFB-Trikot ohne jedes Erfolgserlebnis blieb, nur in Leipzig eine Klasse für sich ist, hat mit einem Leipziger System zu tun, in dem seine Stärken und seine Schnelligkeit weit besser zur Geltung kommen.

          Von ihm versprechen sie sich in Leipzig das gewisse Etwas, um die Bayern zu schlagen: Neu-RB-Trainer Julian Nagelsmann hat für seine Mannschaft einen Defensiv- und Offensivplan gegen die Münchener entwickelt.

          Es liegt aber auch daran, dass RB mittlerweile über ein gefestigtes und über Jahre eingespieltes Gefüge verfügt. Beim letzten Bundesligaspiel in Mönchengladbach (3:1), bei dem Werner alle drei Tore erzielte, hatte der Stürmer insgesamt sieben Spieler neben sich, die schon seit der zweiten Liga (Saison 2015/16) in Leipzig zusammenspielen (Gulacsi, Klostermann, Halstenberg, Sabitzer, Forsberg, Poulsen), ein achter wurde eingewechselt (Demme).

          „Effizienz ist elementar und entscheidend“

          Als Werner die Nationalelf nach dem 2:0 am Montagabend in Nordirland verließ, hatte er das Duell gegen die Bayern sofort wieder im Blick – aber auch die großen Unterschiede in seinen Leistungen, die beim DFB und bei RB in diesen Tagen ins Auge stechen: „Ich habe jetzt meine Torpause in den zwei Länderspielen gehabt. Jetzt kann man gegen Bayern wieder treffen.“ Und genau diese Stärken könnten, so hofft sein Trainer Nagelsmann, diesmal den Unterschied zugunsten von Leipzig ausmachen. „Fairerweise muss man sagen, dass er auch nicht die besten Chancen hatte in der Nationalmannschaft“, sagte Nagelsmann zu den Unterschieden, die sich aus der Spielanlage ergeben haben. Und dann wurde er mit Blick auf die Bayern und seine Stürmer grundsätzlich: „Man darf nicht immer zehn Chancen brauchen, sondern es müssen auch mal ein oder zwei reichen, um ein Tor zu machen. Das ist es, was Spitzenteams von denen unterscheidet, die es werden wollen. Effizienz ist elementar und entscheidend.“

          Die Bayern verfügen allerdings ebenso wie Leipzig – aber anders als der BVB – über eine seit Jahren im Kern eingespielte Mannschaft mit zahlreichen verinnerlichten Abläufen. Trotz der vier neuen Spieler Pavard, Hernández, Perisic, Coutinho, die bei der letzten Partie (6:1 gegen Mainz) in der Startformation standen, ist die Achse mit Neuer, Alaba, Kimmich, Thiago und Lewandowski schon seit vier bis fünf Jahren in München zusammen. „Sie waren letzte Saison sehr gut. Und sie sind dieses Jahr auch wieder sehr gut“, sagt Nagelsmann. Die Bayern hätten sich „intelligent“ verstärkt. „Die Spieler, die gekommen sind, werden sie besser machen.“ Die Geschlossenheit und Beständigkeit, die Leipzig und Bayern auszeichnet, ist eine Qualität, die beide Teams vom gemeinsamen Konkurrenten Borussia Dortmund deutlich abhebt. Der BVB trat bei seiner 1:3-Niederlage am dritten Spieltag bei Union Berlin mit sieben Feldspielern an, die erst seit dieser oder der vergangenen Saison in Dortmund unter Vertrag stehen (Hakimi, Hummels, Akanji, Delaney, Brandt, Sancho, Alcácer).

          Die Aufgabe gegen die Bayern sieht Nagelsmann auch wegen der lange gewachsenen Struktur des Gegners als besondere Herausforderung. „Ich versuche, einen Plan zu entwickeln, der beides erlaubt: offensives und defensives Spiel. Es wird die ein oder andere Verteidigungsaufgabe auf uns zukommen. Aber wir werden genug Spieler auf dem Feld haben, die in der Lage sind, dem Gegner weh zu tun.“

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