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Kantersieg über Dortmund : Eine Machtdemonstration des Meisters

Robert Lewandowski erzielte beim 5:0-Sieg der Bayern über Dortmund sein 200. Bundesliga-Tor. Bild: dpa

Verschüchterte Strichmännchen in schwarz-gelb sind für die Münchner beim 5:0 kein Gegner. Die Bayern demütigen die schwachen Dortmunder im Bundesliga-Topspiel. Der Titelkampf bleibt dennoch spannend.

          Spannung, hatte Paul Breitner in dieser Woche gesagt, sei etwas, was ein Fan des FC Bayern nicht brauche. Am besten sei es, wenn die Münchner schon zu Weihnachten 15 Punkte Vorsprung hätten. Dafür war es in dieser Saison zu spät. Zur Entschädigung aber boten die Münchner ihren Fans zwei Wochen vor Ostern etwas anderes, man konnte sagen, ein besonderes Schmankerl: Ein Spitzenspiel ohne jede Spannung – mit Ausnahme der Frage, wie hoch es ausgehen würde gegen Borussia Dortmund.

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          4:0 hieß es am Samstag schon zur Pause, und damit war der BVB noch gut bedient. Weil die Münchner die zweite Hälfte gemächlich angingen, folgte nur noch ein weiterer Treffer, durch Robert Lewandowski in der 89. Minute. Der aber den passenden Schlusspunkt unter einen Abend setzte, an dem der FC Bayern noch einmal zu einer Größe wuchs, die man ihm in dieser personellen Konstellation so nicht mehr unbedingt zugetraut hatte, mit Männern wie Mats Hummels und Thomas Müller in tragenden Rollen. „Fußball ist merkwürdig, Fußball kann man nicht immer erklären“, sagte Bayern-Trainer Niko Kovac im TV-Sender Sky: „Der Sieg in der Art und Weise war richtig gut.“

          Vieles war ja für möglich gehalten worden vor diesem Spiel der Spiele, einem Duell, auf das die Bundesliga lange Jahre hatte warten müssen. Aber nicht, dass es in solch einer Demütigung für Dortmund enden würde – und einer Münchner Machtdemonstration, auf die zumindest in der vergangenen Woche wenig hingedeutet hatte. Nach dem 5:4 gegen Heidenheim im Pokal hatte unter anderem Uli Hoeneß Alarm geschlagen und gefordert, dass die Mannschaft am Samstag, 18.30 Uhr, liefern müsse – eine Bestellung, die die Mannschaft prompt und pünktlich erledigte, auch zur Freude ihres Trainers Kovac, an den Hoeneß’ Worte nicht nur indirekt gerichtet gewesen sein dürften.

          Schon nach zwanzig Minuten hatten seine Bayern für klare Verhältnisse gesorgt gegen eine Dortmunder Mannschaft, die wie mit Lampenfieber und zittrigen Knien auf einer übergroßen Bühne stand. Ehe die Borussen sich versahen, stand es 2:0, durch einen Kopfball von Hummels (10. Minute) und durch Robert Lewandowski (17.). Für den Angreifer war es das 200. Bundesligator, den frühen Zutritt zu diesem exklusiven Klub mit nur vier anderen Mitgliedern hatte er Dan-Axel Zagadou zu verdanken, der mit einem haarsträubenden Querpass Türöffner statt Türsteher spielte. Mit der sicheren Führung im Rücken ließen es die Münchner ruhiger angehen. Doch weil sie kurz vor der Pause noch einmal – und nach Belieben – das Tempo anzogen, ging es nach den Treffern von Javi Martinez (40.) und Serge Gnabry (43.) mit großem Theaterdonner in die Kabine. „Deutscher Meister wird nur der FCB“, schallte es durch die Arena.

          Mit der Spannung, die es nun bis zum Ende der Saison gibt, werden die Münchner erst einmal ganz gut leben können. Momentum – das ist ein oft gebrauchter Begriff im Fußball. In diesem Fall dürfte es sich um einen Riesenschub handeln, der die Mannschaft ein gutes Stück weit tragen könnte – sechs Spieltage sind es noch. Und man darf sich bei dieser Gelegenheit ruhig noch einmal zurückerinnern: Der Dortmunder 3:2-Sieg im Hinspiel am 11. Spieltag hatte den FC Bayern seinerzeit in ein Terrain befördert, das er normalerweise nur aus der Vogelperspektive kennt: Platz fünf, mit sieben Punkten Rückstand auf den BVB. Der wuchs in der Woche danach sogar noch auf neun an. Erst im März schafften die Münchner den Sprung an die Spitze, die zuletzt, beim 1:1 in Freiburg, wieder verlorenging.

          Jetzt also ist es ein Punkt Vorsprung, dazu dreizehn Tore – bei einem Restprogramm, das keine allzu großen Unterschiede erkennen lässt. Für die Bayern geht es nach Düsseldorf und zu Hause gegen Bremen, dann warten mit Nürnberg und Hannover leichtere Aufgaben und zum Schluss noch einmal zwei Schwergewichte: in Leipzig und zu Hause gegen Frankfurt. Der BVB spielt nun gegen Mainz, ein ganz besonders wichtiges Spiel, und in Freiburg, dann folgt das Derby zu Hause gegen Schalke und das Spiel in Bremen, im Schlussspurt stehen die Aufgaben gegen Düsseldorf und in Mönchengladbach auf dem Programm.

          So hatten sich die Dortmunder den Ausflug nach München nicht vorgestellt. Bilderstrecke

          Was war nur mit den Dortmundern los? Sicher, Paco Alcacer wurde vermisst, an seiner Stelle spielte Marco Reus im Sturm, die Rolle im Zentrum hatte Trainer Lucien Favre Mahmoud Dahoud anvertraut. Anwesend waren die Borussen, aber nicht mit breiter Brust, sondern eher als verschüchterte Strichmännchen in schwarz-gelb. Den Ball bekamen sie nur aus einigem Abstand zu sehen. Schon nach zwei Minuten lag Lewandowski im Dortmunder Strafraum, als sei er mit einem Lastwagen kollidiert. Verursacher war Diallo, der ihn im letzten Moment und mit höchstem Risiko beiseitegeräumt hatte. Es sprach für die Münchner, dass sie sich nicht unnötig mit der Frage Elfmeter oder nicht aufhielten, sondern da weitermachten, wo sie angefangen hatten – und worin sie nur kurz unterbrochen wurden: durch den einzigen temporeichen Angriff des BVB in der ersten Hälfte über Jakob Bruun Larsen und Reus, an dessen Ende Dahoud völlig freistehend aus zentraler Position nur den Außenpfosten traf.

          Ansonsten beherrschten die Münchner das Geschehen. Alles in allem stand ein Team auf dem Platz, das entschlossen schien, die Zweifel – und vielleicht auch internen Spannungen – für einen Abend zu vergessen. Martinez im Zentrum erwies sich wieder einmal als der goldrichtige Mann für solche Spiele, Müller, der überraschend in der Startelf stand, wirbelte, wo er nur konnte, und auf den Außen gaben Gnabry und vor allen Coman den Ton an. Beim BVB ließ sich das nur von den Fans sagen, die das Fiasko tapfer ertrugen und bis zum bitteren Ende Trost spendeten. Ob es hilft – das wird spannend. „Wir haben katastrophal gespielt“, sagte Kapitän Reus bei Sky. „Ich habe ehrlich gesagt keine Erklärung dafür. Bayern war ganz klar besser.“ Auch Trainer Favre war niedergeschlagen: „Das war eine Lehrstunde. Bayern war viel viel besser.“

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