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1:5 in Frankfurt : Bayern München erlebt Jahrzehnt-Debakel

1:5 in Frankfurt: So ein Debakel hatten die Bayern und Thomas Müller lange nicht erlebt Bild: dpa

So hoch haben die Bayern zuletzt vor zehn Jahren verloren. Nach Rot für Boateng gehen zehn Münchner in Frankfurt unter. Für Trainer Kovac ein Tiefpunkt. Kapitän Neuer erwartet „unruhige“ Tage.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Uli Hoeneß hat sich geirrt. Ganz so schnell, wie der scheidende Bayern-Präsident in dieser Woche in einem Interview gemeint hat, wird sich die Langeweile in der Fußball-Bundesliga doch nicht wieder einstellen. Der deutsche Rekordmeister ist nicht auf dem Weg zu alter Dominanz, wie es Hoeneß herbeireden wollte, sondern endgültig in der Krise.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Am zehnten Spieltag setzte es den bittersten Rückschlag in dieser Saison. 1:5 verloren die Münchner gegen die Frankfurter Eintracht, einen ihrer Bundesliga-Lieblingsgegner. 16 Mal waren sie zuletzt unbesiegt geblieben. Der Rückstand auf Tabellenführer Mönchengladbach beträgt nun vier Punkte.

          Bundesliga

          Ausgangspunkt für die krachende Niederlage war der Platzverweis von Jerome Boateng in der zehnten Minute wegen einer Notbremse. In Unterzahl vermochten die Münchner die energischen und zielstrebigen Attacken der aggressiven Hessen nicht zu unterbinden. Kostic (25.), Sow (33.), Abraham (49.), Hinteregger (61.) und Paciencia (85.) erzielten die Tore. Lewandowski setzte seine Serie fort, in dem er in der 37. Minute zwischenzeitlich auf 1:2 verkürzte. Der Pole hat in jedem Bundesligaspiel dieser Spielzeit getroffen zu haben.

          „Das ist nicht einfach heute. Das Spiel ist genauso gelaufen, wie wir es nicht wollten. In Unterzahl ist es schwierig. Auch mit einem Mann weniger darf man nicht so verlieren. Das ist enttäuschend und ärgerlich“, sagte Bayern-Trainer Niko Kovac.

          Rot für Boateng

          Boateng sah alles andere als gut aus in der Szene, die die Bayern in die Niederlage führte. Zuerst an der Mittellinie, als der Innenverteidiger mit einer etwas dynamischeren Drehung hätte verhindern können, dass der Ball Eintracht-Stürmer Paciencia erreicht. Der Pass war zwar gegen seine Laufrichtung gespielt worden, aber so plump musste Boateng sich nicht bewegen. Ähnlich agierte er 35 Meter weiter, als er Paciencia daran hindern wollte, in den Münchner Strafraum einzudringen. Boateng fuhr sein Bein aus, der Portugiese fiel darüber, Schiedsrichter Markus Schmidt pfiff – Elfmeter.

          Die stürmischen Proteste der Bayern-Profis und ein Hinweis vom Video-Assistenten über den Ohrstöpsel bewogen Schmidt, sich zu korrigieren. Er entschied auf Freistoß und auf Gelbe Karte gegen Boateng. Doch damit war die Szene noch nicht abgewickelt. Der Videoassistent meldete sich noch einmal und nach Ansicht der Aufzeichnung erhöhte der Referee das Strafmaß gegen Boateng auf Rot – Notbremse.

          Die entscheidende Szene: Schiedsrichter Markus Schmidt zeigt Bayerns Jerome Boateng nach zehn Minuten die Rote Karte. Bilderstrecke

          Der Freistoß, den Paciencia trat, entschärfte Neuer, aber es sollte nicht lange dauern, bis sich die Unterzahl nicht nur negativ auf das Bayern-Spiel auswirkte, sondern auch auf das Ergebnis. Die Münchner, bei denen Alaba neben Pavard in die Innenverteidigung rückte, vermochten die Attacken der Eintracht einfach nicht zu bremsen. Die Frankfurter wurden zwar ein wenig vom Glück begünstigt, weil sowohl beim 1:0 durch Kostic (25.) als auch beim 2:0 durch Sow (33.), der Ball durch den Blockversuch eines Münchner Abwehrspielers beim Torschützen gelandet war. Aber wie zuvor die Eintracht die Bayern-Abwehr mit direkten Ballstafetten unter Druck gesetzt hatte, war sehenswert gewesen.

          Lewandowski alleine reicht nicht

          33 Minuten vorüber, ein Mann weniger auf dem Platz und zwei Tore weniger auf der Anzeigetafel – es sprach nicht mehr viel für einen Auswärtssieg der Bayern in Frankfurt. Doch ganz so einfach mochte sich der Rekordmeister dann nicht in sein Schicksal ergeben. Er nutzte den Raum, den ihm nun die Eintracht gewährte, nachdem ihr Torhunger erst einmal gestillt war.

          In der 35.Minute stand Kimmich bei seinem Treffer noch im Abseits, zwei Minuten später gab es keinen Hauch eines Zweifels. Im Stile eines Weltklassestürmers erzielte Lewandowski das 1:2. Ballannahme, Drehung und Antritt waren eins – und bei seinem Sprint Richtung Eintracht-Tor ließ er sich weder von Hinteregger noch von Abraham abdrängen. Nur ein Hauch von Lewandowskis Dynamik und Geschmeidigkeit hätte Boateng gereicht, um seinen Platzverweis zu verhindern.

          Die Voraussetzung für eine spannende zweite Halbzeit war durch das Erweckungserlebnis geschaffen. Es sollte nicht nur eine spannende, es sollte eine denkwürdige Halbzeit werden. Nach dreieinhalb Minuten erhöhte Eintracht-Kapitän Abraham auf 3:1, nachdem die Münchner Abwehr wieder einmal unachtsam gewesen war. Die Bayern reagierten auf den Rückschlag mit wütenden Attacken. Sie ließen ihre ohnehin löchrige Deckung ganz sinken und suchten ihr Heil in bedingungsloser Offensive.

          Dabei kamen sie Treffern sehr schnell sehr nahe, aber Abraham blockte zweimal, als Lewandowski den Ball zu seinem zweiten Tor auf dem Fuß hatte, und Davis traf den Außenpfosten. Doch die Eintracht hatte bei Kontern mindestens genauso gute Möglichkeiten zu treffen, in diesem nun vogelwilden Spiel mit atemraubenden Torszenen im Minutentakt. Und der Außenseiter besaß die größere Durchschlagskraft. Hinteregger setzte in der 61. Minute nach einer Ecke einen Kopfball zum 4:1 ins Netz, Paciencia demütigte die Bayern in der 85. Minute mit dem 5:1 endgültig. Bayern-Kapitän Manuel Neuer sagte danach, die nächsten Tage würden „sehr unruhig“.

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