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Bayern München : Dunkle Wolke über Ribéry

Immer Ärger mit Franck: Ribéry beim Training vor dem Halbfinale Bild: AP

Franck Ribéry ist vom Strahlemann zum Sorgenkind geworden. Nun ist er auch noch in einen Sex-Skandal verwickelt. Für die Bayern kommt das vor dem Champions-League-Halbfinale gegen Lyon am Mittwochabend gar nicht so ungelegen.

          Die Kollegen waren im Zoo oder in der Tanzschule. Die freie Bayern-Woche setzte Kräfte frei, am Ende stand ein 7:0 gegen Hannover. Nur Franck Ribéry wirkte leicht angespannt. Deshalb nahm ihn Louis van Gaal am Samstag nach 69 Minuten heraus. „Ich habe ihn ein bisschen gerettet“, sagte der Trainer. Man stellte später eine Muskelverhärtung bei dem Franzosen fest. Ohne die Vorsichtsmaßnahme der Auswechslung hätte sie womöglich zu einer Verletzung geführt. Und damit zu einem Ausfall für das Champions-League-Halbfinale gegen Olympique Lyon an diesem Mittwoch.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Der Muskel dürfte locker sein. Der Kopf auch? Ribéry hatte keine freie Woche wie die Kollegen. Er musste nach Paris, zur Staatsanwaltschaft - nur als Zeuge, wie seine Anwältin beteuerte. Doch es geht um ein Milieu, in dem man kein Beschuldigter sein muss, um von einer Ermittlung beschädigt zu werden. Im Nachtklub „Café Zaman“ auf den Champs-Elysées, dessen Besitzer inzwischen inhaftiert ist, sollen sich französische Nationalspieler nach Länderspielen in Paris gern im Kreise schöner Frauen - darunter möglicherweise minderjährige Prostituierte - vergnügt haben. Die Justiz ermittelt gegen einen Zuhälter. Als Zeugen wurden bisher zwei Nationalspieler vorgeladen, neben Ribéry auch Sidney Govou. Beide treffen sich nun in München. Govou spielt für Lyon. Das schafft einen gewissen Lastenausgleich für das Halbfinale.

          In seiner ersten Saison in Deutschland war Ribéry auf Anhieb der Superstar und Stimmungskönig, ja, der vielleicht beste Ausländer, den die Bundesliga je hatte. In der zweiten wirkte er unter dem Problem-Trainer Klinsmann leicht gehemmt. In der dritten nun ist Franck Ribéry vom Strahlemann zum Sorgenkind geworden: die lange Serie von Verletzungen; das ewige Fragezeichen, ob er bleibt oder nicht; die Klage van Gaals, geäußert noch vor zwei Wochen, er müsse „Ribéry immer noch in das Team integrieren“. Und nun, da das allmählich zu gelingen scheint, da „Franck sich mit jedem Spiel steigert“, so der Trainer, und „immer die wichtigsten Tore schießt oder vorbereitet“ - ausgerechnet jetzt, da er wieder an den Gegenspielern vorbeikommt, wird diese französische Affäre publik.

          Van Gaal bewahrt auch bei Ribéry die Ruhe

          Er glaube nicht, dass Ribéry zu sehr darunter leide, sagte van Gaal am Montag mit seltsam heiterem Unterton. „Er beschäftigt sich eher mit Lyon.“ Doch den vorgesehenen Auftritt Ribérys am Dienstag, auf der internationalen Pressekonferenz zum Lyon-Spiel, sagte der FC Bayern vorsichtshalber ab. Auch van Gaal fehlte, er musste zur Beerdigung seiner Schwiegermutter in die Niederlande.

          In Frankreich hat der Fall das Zeug zur Staatsaffäre

          Die Pressekonferenz wäre wohl zur Fortsetzung der behördlichen Befragung geworden. Ribérys Anwältin hat behauptet, dass ihr Mandant nur wegen seines „Kontakts zu einer Person, die Beziehungen zu einem Escort-Service unterhält“, als Zeuge befragt worden sei: „Was uns betrifft, ist die Angelegenheit damit erledigt.“ Ob sie das wirklich ist, wird davon abhängen, ob es dem Untersuchungsrichter tatsächlich nur, wie berichtet wird, um die Zuhälter geht oder auch um die Kunden - und ob er ein formelles Ermittlungsverfahren gegen Ribéry einleitet.

          In Frankreich hat der Fall das Zeug zur Staatsaffäre. Ribéry ist seit dem Rücktritt von Zinédine Zidane zum Anführer und wichtigsten Spieler der Nationalelf geworden. Fünfzig Tage vor Beginn der WM in Südafrika fürchten Frankreichs Fußballfans eine Beschädigung ihres Idols, das gerade rechtzeitig wieder in Form zu kommen schien.

          Für den FC Bayern, der von Ribérys Aussage erst sechs Tage später erfuhr, nachdem die Affäre durch den französischen Sender „M 6“ publik gemacht worden war, ist die Angelegenheit zweischneidig. Sie bringt eine sportliche Belastung, aber auch eine Verbesserung der Verhandlungsposition gegenüber dem Spieler, der immer noch nicht entschieden hat, ob er bleibt oder zu einem anderen Top-Klub geht.

          Ribéry braucht Bayern mehr als umgekehrt

          Bis in den November hinein schien der FC Bayern spielerisch abhängig von Ribéry. Die Elf glänzte nur in den wenigen Spielen, in denen der Franzose nicht verletzt war. Dann aber griff das System van Gaal, und Arjen Robben begann die Ribéry-Rolle mit seinen Dribblings und Toren zu übernehmen. Der FC Bayern gewann eine Stärke, mit der die in Ribérys Karriereplanung vorgesehenen internationalen Titel plötzlich nicht mehr ausgeschlossen scheinen. Warum also unbedingt wechseln?

          Zudem steht der FC Bayern, anders als etwa Ribérys Wunschverein Real Madrid, im Ruf, seine Stars nicht fallenzulassen, sondern sich, wenn sie Probleme haben wie nun Ribéry, fürsorglich um sie zu kümmern. Laut der spanischen Zeitung „Marca“ soll Real-Präsident Florentino Perez, erzürnt auch über die angebliche Verwicklung seines französischen Stürmers Karim Benzema in die Affäre, einen Transfer des Bayern-Stars bereits ad acta gelegt haben. Auch wenn das vorerst nur Gerüchte sind, sieht es aus, als hätten sich die Vorzeichen in dieser Spielzeit umgedreht: Ribéry braucht Bayern mehr, als Bayern Ribéry braucht.

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