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Bayern München : Die große Lust an der Pflicht

Tor Nummer 33: Robert Lewandowski jagt Gerd Müller vergeblich. Bild: EPA

Die Bayern siegen und siegen – und wollen weiter gierig bleiben. Nun jagen sie nicht nur die Rekorde der Vorväter um Beckenbauer & Co. Sie haben auch ein ganz großes Ziel vor Augen.

          3 Min.

          Von allen Wörtern des Sports ist „Pflichtspiel“ das deutscheste. In welchem anderen Land käme man auf die Idee, den Inbegriff dessen, was man aus Freude und freiem Willen tut, mit dem Inbegriff dessen zu verbinden, was getan werden muss?

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Das Wort, das dabei herauskommt, bezeichnet ein Spiel, in dem mehr auf dem Spiel steht als Spielen, nämlich auch Punkte, Prämien, Pokale. Anders als beim sogenannten Freundschaftsspiel, das allerdings auch nicht immer nur in Freundschaft bestritten wird.

          Bundesliga

          Die Bundesligapartie zwischen Bayern München und dem SC Freiburg war, wörtlich genommen, ein Freundschaftsspiel, denn die beiden Trainer hatten sich einander zuvor ihrer gegenseitigen Sympathie versichert. Christian Streich verriet sogar, er schäme sich nicht, in seiner Jugend Bayern-Fan gewesen zu sein. Vor allem aber war es eben auch ein Pflichtspiel, selbst für die Bayern, obwohl deren alljährliche Pflicht mit dem vorzeitigen Gewinn der achten Meisterschaft in Serie schon vier Tage zuvor in Bremen erfüllt worden war. Als Kür bieten sich allerdings, wie fast in jedem Jahr, noch einige Rekorde an.

          Das 3:1 gegen Freiburg reicht zwar möglicherweise nicht aus, um den Tor-Rekord der Vorväter um Beckenbauer & Co. aus der Saison 1971/72 erreichen zu können. Um die 101 Treffer von damals zu egalisieren, müssten die Bayern am Samstag in Wolfsburg vor Erhalt der Meisterschale fünf Tore erzielen.

          Auch Robert Lewandowski wird Gerd Müllers vierzig Treffer aus jener Saison trotz seiner beiden Tore gegen Freiburg wohl verfehlen. Dafür müsste er in Wolfsburg siebenmal treffen. Und obwohl dem Polen gegen diesen Gegner ja schon mal fünf Tore gelungen sind, und das in nur neun Minuten, was hochgerechnet fünfzig in einem einzigen Spiel entspräche, dürfte es dafür wohl nicht ganz reichen. Immerhin hat er nun mehr Saisontore erzielt, als das einem Nichtdeutschen in der deutschen Spitzenliga je gelungen ist – 33 Stück, so viel schafften zuvor nur zwei Männer namens Müller.

          Dennoch war es ein Rekordtag für die Bayern – denn zum Glück gibt es ja die Pflichtspiele. Von denen haben die Bayern nun, in Liga, Pokal und Champions League, 15 nacheinander gewonnen, was keinem Bundesligaklub zuvor gelang. Noch ein Sieg mehr, und Trainer Hansi Flick, der sich aus Rekorden erklärtermaßen nicht viel macht, hätte eine weitere Bestmarke zumindest eingestellt, auf die er stolz sein dürfte: 49 von 51 möglichen Punkten in der Rückrunde. So etwas war zuvor nur den Heynckes-Bayern 2013 auf dem Weg zum Triple gelungen.

          Das Triple ist auch in diesem Jahr, unter anderen Bedingungen, aber genauso wertvoll, immer noch in Reichweite. Und so klang vor dem abendlichen Meister-Menü im Logenbereich der Münchner Arena, mit dem der Klub seine mit dem vorgeschriebenen Abstand plazierten Stars feierte, keine Spur von Sättigung durch. „Wir sind gierig, wollen weiter gierig bleiben“, sagte Thomas Müller. „Es ist nicht die Schale, für die wir spielen, sondern wir spielen, um am Ende oben zu stehen, um die Besten zu sein.“ Oliver Kahn, einst Willensspieler, heute Vorstand der Bayern, attestierte dem Team „eine unglaubliche Mentalität, einen unglaublichen Willen“ – und ließ im „ZDF-Sportstudio“ zugleich leichte Sorge um den Wettbewerb in der Liga anklingen. Er betonte, „dass wir immer auch schauen müssen, dass wir uns nicht zu Tode siegen“. Man sei „immer interessiert an einem ausgeglichenen, fairen und spannenden Wettbewerb.“

          Auch Streich, der als Jugendlicher für eine Meisterfeier auf dem Marienplatz nach München reiste, fände es gut, wenn mal „ein anderer Meister würde“ und „die Bayern sich dann mal richtig ärgern und total genervt sind. Dann hauen sie sich im nächsten Jahr noch mal mehr rein, und überleben würden sie das auch“.

          Während die Freiburger, die den Klassenverbleib schon vor zwei Wochen mit Schnitzel und Bier gefeiert hatten, durch die Niederlage in München die mögliche Krönung ihrer starken Saison mit einer Europa-League-Qualifikation verpassten und Streich lächelnd bilanzierte, man habe „nicht alles erreicht, nur das meiste“, sprach Kollege Flick schon von den nächsten Zielen. „Wir haben noch einiges vor in dieser Saison. Wir sind jetzt erst mal Meister geworden. Wir wollen natürlich beim Zwischenziel DFB-Pokal erfolgreich sein“, sagte er. „Und dann kommt noch mal ein Ziel, für das wir sehr fokussiert arbeiten müssen.“ Der Dienstplan ist simpel: noch ein Pflichtspiel im Juli und drei im August gewinnen, dann wäre das Maximum erreicht. Auf diese Pflicht haben sie richtig Lust.

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