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Kommentar : Das Bayern-Imperium bröckelt

  • -Aktualisiert am

Uli Hoeneß ist bei den Bayern ein Präsident mitten im operativen Geschäft. Bild: dpa

Offenbar hat sich Uli Hoeneß beim FC Bayern durchgesetzt im Kampf um die Deutungshoheit. Vielleicht wartet Karl-Heinz Rummenigge aber auch nur ab, bis der Präsident den Karren an die Wand fährt.

          Mit dem operativen Geschäft hat er als Präsident offiziell ja nichts mehr zu tun, aber wie sieht die Arbeitsplatzbeschreibung von Uli Hoeneß beim FC Bayern eigentlich aus? Geht es überhaupt noch operativer? Wohl kaum – der Bayern-Manager forever macht einfach weiter wie früher, auch wenn er längst Präsident war und wieder ist. Er hat mit Salihamidzic einen Sportdirektor installiert, der ihm nicht in die Quere zu kommen wagt, und offenbar hat er sich auch im Kampf um die Deutungshoheit beim FC Bayern gegen Karl-Heinz Rummenigge durchgesetzt.

          War ja recht amüsant, dieser verbale Schlagabtausch in den vergangenen Wochen, der immer nach demselben Muster stattfand. Wenn der eine etwas kritisierte, wiegelte der andere ab, etwa beim am Verein vorbei lancierten Interview von Robert Lewandowski bestens zu sehen. Rummenigge schäumte, Hoeneß fand alles nicht so schlimm – und das Faszinierende ist stets, dass man nie wusste, wer welche Position übernehmen wird. Nur, dass sie nicht einer Meinung sein werden, das stand irgendwie immer fest. Das soll sich nun ändern, beteuerten beide bei Heynckes' Vorstellung am Montag.

          Vielleicht hat Rummenigge auch nicht aufgegeben, sondern wartet nur in aller Ruhe ab, bis der Kollege den Karren an die Wand fährt, bis es einigen dämmert, dass in diesen Zeiten modernere Strukturen nötig sind, als es das Patriarchat bietet. Vergangene Woche gab es erste Anzeichen, dass es bröckelt im Bayern-Imperium. Leichtfertig zu erzählen, schaut her, Pep Guardiola habe ich schon verraten, wer neuer Bayern-Trainer wird – das ist angesichts der Bedeutung dieser Personalie alles andere als seriös für einen Wirtschaftsbetrieb der Größe des FC Bayern. Man müsste erwarten, dass solche Entscheidungen kühl-kalkuliert fallen und mit weniger emotionalem Triumphgebaren begleitet sind. Und vor allem, dass dies unterlassen wird, wenn sie noch keineswegs wasserdicht sind.

          Man müsse immer das Heft des Handelns in der Hand behalten – dieses Mantra hat Hoeneß immer wieder sehr laut und sehr genüsslich wiederholt, wenn andere Vereine – am liebsten Konkurrent Borussia Dortmund – etwa wegen der mit Ausstiegsklauseln versehenen Verträge von Spielern in Schwierigkeiten steckten. Dass vorzeitig öffentlich wurde, dass Jupp Heynckes zum vierten Male als Trainer zurückkehren wird, hat den FC Bayern zuletzt ziemlich heftig in die Bredouille gebracht.

          Das Heft des Handelns lag nämlich bei weitem nicht mehr in den Händen des Vereins – es lag bei einem 72 Jahre alten hochangesehenen und dem Verein loyal verbundenen Rentner. Und es lag zum nicht geringen Teil bei Fortuna Düsseldorf, einem Zweitligaverein, der sich anschickt, in dieser Saison eine Rolle im Aufstiegskampf spielen zu können. Ohne die Freigabe ihres Assistenztrainers Peter Hermann wäre der Bayern-Deal mit Heynckes nicht zustande gekommen. Offenbar war sich Hoeneß sehr sicher, dass sich das mit genügend Geld regeln lassen würde. Wie wäre es wohl weitergegangen in München, wenn die kleine Fortuna den großen Bayern die kalte Schulter gezeigt hätte, weil sie eigene Träume hat? Welcher Trainer hätte sich diese Aufgabe noch angetan?

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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