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Bayern München : Bierruhe am Transfermarkt

Gute Bayern-Mischung: Ein Franzose, zwei Münchner (Ribery, Müller, Contento, v.l.) Bild: REUTERS

Bayern München wird seinem Namen gerecht. Sie verzichteten mal wieder auf teure Einkäufe und schenken so vielen Münchnern wie lange nicht das Vertrauen. Vor allem in der Abwehr setzen sie auf Eigengewächse - auch im Spiel gegen Werder Bremen am Samstag.

          So viel Ruhe war lange nicht am Anfang einer Saison an der Säbener Straße. Es gibt auch nicht viel zu sehen. Nur einen neuen dritten Torwart, Rouven Sattelmaier. Er füllt die Leerstelle von Michael Rensing, der noch vor einem Jahr der Nachfolger von Oliver Kahn war und nun ohne Verein dasteht.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Seit einiger Zeit pflegt der Rekordmeister einen Zweijahresrhythmus. In ungeraden Jahren wird geklotzt, in geraden gespart. 2007 kamen Ribéry, Toni, Klose, 2009 Robben, Gomez, Timoschtschuk. In solchen Jahren wurden im Saldo der Saisontransfers netto jeweils mehr als 50 Millionen Euro investiert. Dazwischen wurde gespart. Nun also wieder ein Ruhejahr am Transfermarkt. Dahinter steckt eine demonstrative Bierruhe fern jeder Handlungshektik. Es war aber auch kaum Bedarf da, viel Geld auszugeben. Auf allen Offensivpositionen ist der FC Bayern glänzend besetzt. Das gilt auch für die Kraftzentrale des Bayern-Spiels, das in der letzten Saison überragende Duo Schweinsteiger und van Bommel. Den Deutschen, der ab und zu mit einem Wechsel ins Ausland flirtet, will der Meister mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung um drei Jahre bis 2015 binden. Der Holländer bleibt noch ein Jahr, erst dann braucht man Ersatz – zu spät, um einem Khedira eine Perspektive bieten zu können, wie sie Real Madrid jetzt bot.

          Und die Abwehr? Im Zentrum hat sich Daniel van Buyten als verlässliche Stütze bewährt, mit bekannten Risiken und Nebenwirkungen im Bodenkampf gegen schnelle Stürmer. Daneben wurde der ewige Risikofaktor Martin Demichelis vorerst zum Ersatzmann degradiert, um das Eigengewächs Holger Badstuber als neuen Stamm-Innenverteidiger zu etablieren. Mit solchen Entscheidungen, wie sie für Trainer Louis van Gaals Jugend-Stil typisch sind, ist der FC Bayern zuletzt stets gut gefahren – sportlich und finanziell.

          Mit Selbstvertrauen zurück von der Nationalmannschaft: Holger Badstuber (l., mit Klose)

          Badstuber kam mit Selbstbewusstsein von den EM-Qualifikationsspielen gegen Belgien und Aserbaidschan, er schoss sein erstes Tor für Deutschland. Miroslav Klose traf gleich dreimal und will nun, um die schwächste Klubsaison seiner Karriere hinter sich zu lassen, für das Spiel gegen Bremen am Samstag (18.30 Uhr/ FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) „den Rhythmus aus der Nationalmannschaft mitnehmen“. Allerdings hat er im Bayern-Trikot noch nie gegen seinen früheren Klub getroffen.

          Saison für Feinjustierungen

          Zuletzt bezog Werder manch deutliche Schlappe gegen den Rekordmeister, etwa das 0:4 im Pokalfinale (siehe: Nach dem Pokalfinale: Bayern zu gut für Deutschland) – und hat doch an anderen Tagen das Zeug zum Angstgegner. So haben die Bayern seit fast fünf Jahren kein Heimspiel gegen Bremen gewonnen, und Thomas Schaaf ist mit acht Siegen bei sieben Niederlagen der einzige aktive Bundesliga-Trainer mit positiver Bilanz gegen den FC Bayern. Doch die Ausfälle der Innenverteidiger Naldo und Mertesacker schmälern die Aussichten der defensiv ohnehin anfälligen Bremer.

          Bei den Bayern sind bis auf Arjen Robben alle fit. Es ist eine Saison für Feinjustierungen. Wie bei Badstuber: Er stieß als Aushilfe auf der linken Außenposition in der letzten Saison mehrfach an die Grenzen seiner Handlungsschnelligkeit, etwa gegen Nani von Manchester United oder bei der WM gegen den Serben Krasic. Innen verspricht er mehr. Während rechts Philipp Lahm verlässliche Klasse bietet, blieb die linke Abwehrseite der Bayern eine Versuchsstelle.

          Doch um sich dort zu verstärken, etwa mit dem Niederländer Gregory van der Wiel oder dem Portugiesen Fabio Coentrao, zwei WM-Entdeckungen, hätte der Meister mehr als 15 Millionen Euro ausgeben müssen. So setzt man lieber auch hier auf einen Azubi aus dem eigenen Betrieb, Diego Contento. Ein Coentrao sei „nicht entscheidend besser“, sagt Sportdirektor Christian Nerlinger.

          Ein Traum für Contento

          Für Contento ist, als ihm van Gaal eröffnete, dass kein neuer Außenverteidiger gekauft werde, „ein Traum wahr geworden“. Auch wenn er seit Januar schon elf Einsätze bestritt, ist er nun so etwas wie der einzige Neue im Team – als neue Stammbesetzung auf der linken Verteidigerposition. Es ist eine Lösung mit dem Münchner Stallgeruch, der die besten Bayern-Zeiten stets begleitet hat. Contentos Eltern stammen aus Neapel und gaben ihm die Vornamen von Maradona, Diego Armando, dessen Namen er auch als Tattoo trägt; als Vorbild nennt er Paolo Maldini und als großes Ziel, einmal für Italien zu spielen. Und doch ist er der echteste Münchner und erfahrenste Bayern-Spieler im Kader. 15 von 20 Lebensjahren verbrachte er in diesem Verein. Er durchlief alle Teams von der F-Jugend bis zur A-Mannschaft.

          Und zumindest das hat auch der Vorzeige-Bayer nicht geschafft, der an diesem Samstag 65 wird. Franz Beckenbauer (siehe: Franz Beckenbauer: Der größte Glücksfall des deutschen Fußballs) kam erst mit zwölf Jahren zum FC Bayern. Dabei half die legendäre Ohrfeige, die er als Dreizehnjähriger von einem 1860-Gegenspieler erhielt, so dass er beschloss, doch nicht zu den Sechzigern zu wechseln, sondern zu dem damals kleineren Konkurrenten. Erst diese Watschen machte den FC Bayern zu dem, was er heute ist: einem Klub mit jener Bierruhe, die der dauerhafte Erfolg schenkt.

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