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Sieg im Bundesliga-Topspiel : Der FC Bayern beendet den BVB-Traum

  • -Aktualisiert am

Der Torschütze: Joshua Kimmich (Mitte) wird von seinen Mitspielern umringt. Bild: Reuters

Dortmund wollte gegen den deutschen Rekordmeister mithalten, verliert aber nach einem packenden Duell samt Traumtor. Damit zieht der FC Bayern im Kampf um die Meisterschaft weiter davon. Und dem BVB droht nun eine weitere herbe Enttäuschung.

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          Es bleibt alles beim Alten, wenn der BVB gegen Ende einer Saison versucht, dem FC Bayern endlich mal wieder eine deutsche Meisterschaft streitig zu machen. Experten, Spieler und Funktionäre diskutieren und träumen, bevor der Hegemon aus München dann einfach wieder stabiler, reifer und besser ist. Mit 0:1 verloren die Dortmunder durch das sehenswerte Tor von Joshua Kimmich zwar nur knapp, aber vollkommen verdient.

          Bundesliga

          Sieben Punkte müssten die Dortmunder nun während der verbleibenden sechs Spieltage aufholen, um noch deutscher Meister zu werden; nach den Eindrücken dieses Abends ist das so gut wie ausgeschlossen. „Das war heute brutal wichtig, für die Dortmunder wird es jetzt mental schwierig, da dran zu bleiben“, sagte Torschütze Kimmich. Und für den Dortmunder Mats Hummels ist die Sache mit dem Titel damit erledigt: „Ich denke, damit sind alle anderen Mannschaften außer den Bayern raus.“

          BVB in Anfangsphase dominant

          Lucien Favre hatte von seiner Mannschaft verlangt, „intelligent“ zu spielen, auch vor dem Hintergrund einer gewissen Kopflosigkeit während der beiden vorigen Duelle mit dem Rekordmeister, die jeweils krachend verloren gegangen waren. Und in den ersten Minuten war deutlich zu sehen, was dem Trainer bei diesem Appell an sein Team vorschwebte: Geduld im Spielaufbau, ein kluges Positionsspiel und das Aufspüren passender Momente für Tempoverschärfungen. Schon früh geriet das Münchner Tor sogar in leichte Gefahr, als Erling Haaland nach einer Rettungsaktion von Manuel Neuer die Möglichkeit verpasste, aus der Ferne abzuschließen (1.).

          Der BVB wirkte in der Anfangsphase dominant, bis die Bayern nach gut zehn Minuten dann zu einer immer größeren Präsenz in der Dortmunder Hälfte kamen. Prompt hatten sie die erste richtig gute Gelegenheit der Partie: Nach einem schönen Spielzug über die rechte Seite kam Serge Gnabry aus fünf Metern zum Schuss, Torhüter Bürki war schon geschlagen, doch Lukasz Piszczek schlug den Ball in höchster Not kurz vor der Torlinie (18.) aus der Gefahrenzone.

          Je länger die erste Hälfte dauerte, desto sichtbarer aber wurde die etwas größere Reife der Münchner, während die Dortmunder immer häufiger kleine Ungenauigkeiten im Spielaufbau produzierten. Sicher wird im Nachgang noch kontrovers diskutiert werden, ob Lucien Favre lieber doch nicht auf einige seiner prominentesten Spieler hätte verzichten sollen. Dass Jadon Sancho und Emre Can in der Startelf fehlten, überraschte viele Beobachter. Die beiden waren zwar zuletzt verletzt, durften am Wochenende in Wolfsburg aber Spielpraxis sammeln und schienen gerade rechtzeitig bereit zu sein für das große Topspiel. „Sehr eng“ sei die Entscheidung gewesen, sagte Favre, der damit im dritten Spiel nach der Corona-Unterbrechung zum dritten Mal dieselbe Aufstellung gewählt hatte.

          Normalerweise stehen 25.000 Dortmunder Fans auf der Südtribüne. Bilderstrecke

          Aber in dieser Partie fehlten Routine und Gelassenheit in den umkämpften Räumen, die Bayern waren einfach ein bisschen konsequenter. Bürki hatte Mühe, einen Schuss von Kingsley Coman abzuwehren (24.), und die wenigen Offensivmomente, die der BVB hatte, wurden selten zu echten Chancen. Aber es war ein intensives und niveauvolles Fußballspiel, mit zwei hoch konzentrierten Defensivformationen. Jedenfalls bis zum 0:1, das Bürki mit einer missglückten Torwartaktion begünstigte.

          Kimmich virtuos zur Bayern-Führung

          In der 43. Minute hatte Joshua Kimmich 17 Meter vor dem Dortmunder Tor einen Hauch zu viel Raum und lupfte den Ball virtuos in die lange hintere Torecke. Wahrscheinlich hätte Bürki den Schuss halten können, irgendwie kam er sogar mit den Fingerspitzen an den Ball, konnte aber keine entscheidende Richtungsänderung mehr bewirken. Es war eine Führung, die ganz gut zu dieser ersten Hälfte gepasst hatte, in der die Bayern eben doch etwas souveräner und fehlerfreier aufgetreten waren, obwohl Robert Lewandowski nach einem Zusammenstoß mit Piszczek etwas gehemmt und nicht mehr ganz fit gewirkt hatte.

          Auch Erling Haaland war eher blass geblieben. Der Norweger entwickelte nie die Wucht, das Tempo und die Kaltblütigkeit, die die Abwehrreihen vor der langen Unterbrechung in Angst und Schrecken versetzt hatte. „Wir wissen, dass wir eine starke Mannschaft haben, wir müssen es nur auf den Platz bringen“, hatte er gesagt, aber der junge Stürmer und seine Kollegen Thorgan Hazard, Acharf Hakimi, Julian Brandt und der zuletzt so starke Raphael Guerreiro erreichten nie ihr höchstes Niveau. „Unsere Chancen waren nicht groß genug, daran hat es gehapert“, sagte Mats Hummels.

          In der zweiten Hälfte kamen Sancho und Can für Brandt und Thomas Delaney, aber das Dortmunder Spiel wurde zunächst nicht besser. Kimmich, Leon Goretzka, David Alaba und Jerome Boateng oder Thomas Müller strahlten eine Souveränität und Gelassenheit aus, die den meisten Borussen fehlte. Aber der BVB wehrte sich. Haaland hatte einen Schusschance, blieb jedoch an Boateng hängen (59.) Dann musste er angeschlagen ausgewechselt werden. Der BVB mühte sich um Druck, Dahoud gelang noch ein gefährlicher Schuss (80.), aber auch die Einwechslung von Mario Götze verlieh dem Spiel keine Wendung mehr. Für eine wirkliche Schlussoffensive hätten sie vielleicht ihr Publikum gebraucht.

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