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Bayern München 2013 : Nahe an der Perfektion

Mia san mia: Einen besseren deutschen Meister als diesen FC Bayern München gab es noch nicht Bild: dpa

Der FC Bayern ist im Endergebnis der Perfektion näher gekommen als je zuvor. Unabhängig davon, ob der große Coup in der Champions League gelingt, steht fest: Es gab nie einen besseren deutschen Meister.

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          Die Bayern haben ihre vielen Euros wirklich gern. Trotzdem wollten sie endlich die alte DM zurück. Mit Erfolg: Sie haben sich in Frankfurt neben der Meistertrophäe auch neue Autokennzeichen gesichert. Natürlich mussten die teuersten Angestellten Deutschlands dafür ihre Zeit nicht wie Normalsterbliche in der Kfz-Zulassungsstelle totschlagen. Sie mussten nur gewinnen. Nach dem 1:0 bei der Eintracht ist amtlich, dass die Nummernschilder des Bayern-Fuhrparks in der nächsten Spielzeit hinter der Ortsangabe IN (für den Audi-Sitz Ingolstadt) nicht mehr die Notlösung RM (Rekordmeister) tragen werden.

          Sondern ein dem Selbstverständnis besser entsprechendes Kürzel: DM, für deutscher Meister. Die Sache mit dem Nummernschild ist nur eine winzige Facette im Gesamtbild des vielleicht bestgeführten Fußballklubs der Welt. Doch sie verrät viel darüber, wie sehr man dort jedes Detail des Erfolges ernst nimmt. Kaum je ist der FC Bayern dabei im Endergebnis der Perfektion so nahe gekommen wie in diesem Jahr. Unabhängig davon, ob noch der große Coup in der Champions League gelingt, steht fest, dass es nie einen besseren deutschen Meister gab als den FC Bayern 2013. Ein Meister aller Klassen, wie ihn sich die Bundesliga zum fünfzigjährigen Jubiläum nicht besser hätte basteln können.

          Ein Hauch von Bequemlichkeit

          Natürlich birgt die ökonomische Überlegenheit der Bayern immer auch ein sportliches Problem für die Liga. Ein Jahr, in dem die Bayern alles richtig machen, in dem jeder Transfer, jede Teamrotation, jede Taktik perfekt sitzt, so wie in dieser Saison, ist für die Spannung noch zu verkraften. Wenn weitere folgen, wird es kritisch. Auch für die Spannung der Bayern selbst. Dass sie sich über viele Jahre ein Monopol darauf erarbeitet hatten, die besten Spieler der Liga und damit die Meistertitel wie von allein einzusammeln, führte auch zu einem Hauch von Bequemlichkeit.

          So wie manch frühere Bayern-Zugänge den Eindruck von Männern machten, die mit dem Job in München die Rente durch hatten, so schien lange Zeit auch die Klubführung mit dem durchschnittlich alle zwei Jahre fälligen Meistertitel (22 seit 1969) zufrieden zu sein. Und damit, in der Champions League mal auf ein Glücksjahr zu hoffen, das dann aber nach 2001 nicht mehr eintrat. Das ist heute völlig anders, eine Entwicklung, zu der das Dortmunder Double der vergangenen Saison den letzten Anstoß gab. Der im Sommer entscheidend verbreiterte Kader strotzt nur so vor Lust an der Leistung.

          Siegestaumel: Szene aus München

          Trainer Jupp Heynckes hat es dank kluger Menschenführung und taktischer Virtuosität verstanden, seine Leute vom ersten Tag der Saison bis zum Titelgewinn frei von jedem Nachlassen zu halten. Ein Team, das es sich nie selbst bequem macht - den Gegnern schon gar nicht. Der FC Bayern, der noch vor vier Jahren unter Jürgen Klinsmann beim 0:4 in Barcelona deklassiert wurde, ist unter Heynckes der Ballsicherheit, der Passpräzision, dem Pressing und der Mentalität von Barca immer näher gekommen. Und dabei auch der positiven Ausstrahlung von Messi & Co., der Mischung aus spektakulärem Fußball und sportlich fairem Auftritt. Bayern 2013 kommt ohne jene Arroganz aus, die früher die Kehrseite des „Mia san mia“ war.

          Das Vorbild Barcelona hat den Bayern und damit Fußball-Deutschland gut getan. Fußball-Europa hofft nun, im Halbfinale oder Finale der Champions League, auf das große Duell Barca gegen Bayern. Je nachdem, wie es ausgeht, werden bald die Autos an der Säbener Straße womöglich doch nicht mit dem Kürzel DM vorfahren. Sondern mit einem CL.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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