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Ärger um Bundestrainer : FC Bayern greift Löw scharf an

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„Irritiert“: Karl-Heinz Rummenigge (links) und Hasan Salihamidzic (rechts daneben Uli Hoeneß) Bild: Picture-Alliance

Nach dem Aus im DFB-Team für die Weltmeister Müller, Boateng und Hummels reagiert ihr Verein. Die Münchner attackieren den Bundestrainer. Vor allem eines stört sie an der Aktion von Löw.

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          Bayern München kritisiert Fußball-Bundestrainer Joachim Löw offen und fühlt sich von dessen jüngsten Personalentscheidungen überrumpelt. Sportliche Entscheidungen kommentiere man nicht, „die Nominierung des Kaders der Nationalmannschaft liegt ausschließlich in der Verantwortung von Joachim Löw“, hieß es in einer Mitteilung, aber „wir halten den Zeitpunkt und die Umstände der Bekanntgabe an die Spieler und an die Öffentlichkeit für fragwürdig“, schrieben der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic am Mittwoch in einer gemeinsamen Stellungnahme. Der Zeitpunkt unmittelbar vor „richtungweisenden Spielen“ in Bundesliga und Champions League „irritiert uns“, schrieb das Führungsduo.

          Löw hatte am Dienstag in München die 2014er-Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng informiert, dass sie in seinen Plänen keine Rolle mehr spielen. „Uns hat überrascht, dass dies im Rahmen eines unangekündigten Besuches (...) an der Säbener Straße erfolgte“, sagten Rummenigge und Salihamidzic, die darauf verwiesen, dass „das letzte Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft am 19. November 2018“ stattgefunden hat – vor dreieinhalb Monaten. Der FC Bayern spielt am Samstag im Titelkampf der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg. Am Mittwoch geht es gegen den FC Liverpool um den Einzug ins Viertelfinale der Champions League. Das Hinspiel endete 0:0.

          Rummenigge fügte im ZDF hinzu: „Der Zeitpunkt ist nicht gut für uns. Das bringt ein Stück Unruhe in den ganzen Klub.“ Die „Stilfrage“ müsse jeder für sich selbst beantworten, der Umbruch an sich jedoch sei zu akzeptieren. In der „Abendzeitung“ (Donnerstag) ergänzte der Bayern-Boss „Er hat damit natürlich auch eine große persönliche Verantwortung übernommen. Denn von Fußball-Deutschland wird jetzt erwartet, dass die Qualifikation zur Europameisterschaft 2020, die ja auch in München stattfindet, gelingt. Und dass die deutsche Mannschaft wieder den attraktiven Fußball zeigt, den man in den vergangenen zehn Jahren genießen durfte.“ Außerdem meinte Rummenigge: „Unsere drei Spieler sind ja nicht gerade das, was ich als altes Eisen bezeichnen würde.“ Er erhoffe sich nun eine Trotzreaktion. „Ich bin sicher, Thomas, Mats und Jérôme werden sich von dieser Entscheidung nicht irritieren lassen. Ich denke vielmehr, dass es eine Woche wird, in der unsere drei Spieler zeigen werden, welche Qualität in ihnen steckt.“

          Nicht nur der FC Bayern, auch Fußball-Deutschland staunt und diskutiert über den neuen, konsequenten Löw. Oft in seinen über zwölf Jahren als Bundestrainer hatte der Schwarzwälder harte Entscheidungen vor sich hergeschoben und an verdienten Spielern lange festgehalten. Jetzt musterte Löw mit Boateng, Hummels und Müller gleich drei Wortführer aus, die mit ihm viele Erfolge gefeiert hatten. Und das, ohne den Weltmeistern von 2014 noch ein Hintertürchen offen zu lassen. Auf dem Weg zur EM 2020 und zurück in die Weltspitze soll es eine neue Generation um Julian Brandt, Joshua Kimmich, Leroy Sané, Kai Havertz und Timo Werner richten.

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