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Bayern-Glosse : Ulis Deutschstunde

  • -Aktualisiert am

Bier lockert die Zunge: Deutschlehrer Uli Hoeneß Bild: AFP

Uli Hoeneß redet derzeit viel. Stets auf Deutsch. Das sollen die ausländischen Spieler beim FC Bayern auch beherzigen. Wir helfen gerne beim Deutschunterricht.

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          Erinnern Sie sich noch an den 6. April 2001? Da spielte der damalige Bundesligaklub Energie Cottbus gegen den VfL Wolfsburg - ohne einzigen Deutschen. In der Startelf standen: drei Bosnier, zwei Ungarn, ein Albaner, ein Schwede, ein Rumäne, ein Pole, ein Kroate und ein Profi aus Benin. Eingewechselt wurden: ein Schwede, ein Rumäne und ein Pole. Auf die Frage, in welcher Sprache er eigentlich mit seiner Multikulti-Truppe kommuniziere, sagte Trainer Eduard Geyer: „In Rumänisch.“

          Wie wir ausgerechnet jetzt darauf kommen? Uli Hoeneß brachte uns drauf. Er ist wieder da und plaudert auf allen Kanälen. Und zwar über alles mögliche. Über Fußball. Über seinen Aufenthalt im Knast. Über Politik. Und eben über die deutsche Sprache. Dem Präsidenten des FC Bayern München ist das babylonische Sprachengewirr in Fußballklubs offenbar ein Dorn im Auge. Und fordert deshalb, dass in der Kabine künftig wieder verstärkt Deutsch gesprochen werden müsse.

          „Wenn einer an der Kommunikation nicht teilnehmen kann, ist das nicht gut. Wenn ich vorhabe, mich mittel- und langfristig in einem Verein zu integrieren, muss ich die Sprache lernen“, sagte der Integrationsbeauftragte der „Sport Bild“: „Ein Spieler muss Deutsch lernen, das muss eine Vorschrift werden. Ansonsten muss er eben zahlen.“ Das Motto des FC Bayern („Mia san mia“) ist freilich in keinem Wörterbuch nördlich des Weißwurst-Äquators zu finden, weswegen zu vermuten ist, dass es sich nicht um einen deutschen, sondern um einen bajuwarischen Spruch handelt. Trägt auch nicht gerade zur reibungslosen Völkerverständigung bei.

          Erste Lektion: Schießen

          Doch kommen wir zur ersten Lektion, liebe Fußballprofis aus aller Herren Ländern:

          Ich schieße - Du schießt - Er/Sie/Es schießt - Wir schießen - Ihr schießt - Sie schießen.

          Ist doch gar nicht so schwer, oder? Und Zeit, euch ein paar Grammatik-Grundlagen zuzulegen, habt ihr ja mehr als genug.

          Jetzt wird’s ein bisschen schwieriger: Wie drückt man sich in der dritten Person Singular aus? Ein Experte, Vorbild und Lehrmeister ist hier zweifelsohne Lothar Matthäus, der legendäre Sätze formulierte wie „Ein Lothar Matthäus lässt sich nicht von seinem Körper besiegen, ein Lothar Matthäus entscheidet selbst über sein Schicksal.“ Oder: „Ein Lothar Matthäus kann es sich nicht leisten, sich zu blamieren.“ Besonders hübsch und charmant war es allerdings, wenn der Brasilianer Ailton über sich sprach. „Ailton auswechseln - immer Fehler.“ - „Ailton ist Mensch, nicht Robo.“ - „Ailton immer gewinne, auch wenn verlier.“ - „Ailton Tor - alles gut!“

          Ob Trio oder Quartett? Hauptsache Italien

          Nein, es ist wirklich nicht unsere Absicht, uns über Ailtons radebrechendes Deutsch lustig zu machen. Er hat sich schließlich stets bemüht. Was sich nicht von jedem Muttersprachler behaupten lässt. Es gibt eine ganze Menge deutsche Profis, denen es zwar gelingt, grammatikalisch völlig korrekt zu formulieren, dafür hakt es aber anderswo - und zwar ganz gewaltig:

          Andreas Möller: „Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber.“

          Fritz Walter (der Jüngere): „Der Jürgen Klinsmann und ich, wir sind ein gutes Trio. Ich meine: ein Quartett.“

          Roland Wohlfarth: „Zwei Chancen, ein Tor - das nenne ich hundertprozentige Chancenauswertung.“

          Und zum Schluss, liebe Schüler, noch ein kleines Quiz. Was ist richtig?

          a) Ich habe fertig!

          b) Ich bin fertig!

          c) Ich war fertig!

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