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Bayern gegen Dortmund : Wie wird Lewandowski empfangen?

  • -Aktualisiert am

Weltmeister Bastian Schweinsteiger und Robert Lewandowski (rechts) tragen nun das gleiche Trikot Bild: REUTERS

In seinem ersten Pflichtspiel für die Bayern kehrt Robert Lewandowski für das Supercup-Duell am Mittwoch (18.00 Uhr) nach Dortmund zurück. Bei der Borussia hat er trotz seines Wechsels nicht alle Sympathien verspielt.

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          Es ist ruhig geworden um Robert Lewandowski. Aber nicht etwa, weil der polnische Stürmer bei seinem neuen Verein nicht zurechtkommen würde. Ganz im Gegenteil: Er hat beim FC Bayern München in der Vorbereitung so zuverlässig getroffen wie zuvor in den vier Jahren bei Borussia Dortmund. Aber Lewandowski hat sich in den Tagen vor dem Supercup-Duell mit seinem früheren Arbeitgeber an diesem Mittwoch (Anstoß: 18 Uhr / Live im ZDF und bei Sky) bewusst zurückgenommen. Vielleicht hat man ihm das auch geraten, damit er nicht in Bedrängnis kommt. Denn mit den jüngsten verbalen Sticheleien, die zwischen München und Dortmund wieder einmal ausgetauscht wurden, will der eher ruhige Fußballprofi Lewandowski nichts zu tun haben.

          Der FC Bayern muss sich aber vermutlich keine Sorgen machen, dass Lewandowski beim ersten halbwegs ernstzunehmenden Kräftemessen der neuen Saison „abtaucht“. Das heißt, dass er auch die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte verkraften wird. Mit den zu erwartenden Pfiffen im Dortmunder Stadion werde Lewandowski umzugehen wissen, glaubt Nationaltorwart Manuel Neuer: „Er ist ein erfahrener Profi, der viel erlebt hat.“Zuletzt hatte Lewandowski im Mai vor der Südkurve in Dortmund gestanden - er ging ein letztes Mal gerührt auf das Dortmunder Publikum zu.

          Aber Anfang Juli, sagt er, habe „eine neue Seite in meinem Buch“ begonnen, das Kapitel Borussia Dortmund sei beendet. Immerhin, die Dortmunder Verantwortlichen kündigten an, den Abtrünnigen trotz allem herzlich empfangen zu wollen. So sagte Trainer Jürgen Klopp: „Trotz des anderen Trikots ist er ein guter Typ. Es wird die ein oder andere Umarmung geben.“ Und Sebastian Kehl behauptete: „Die Leute werden ihn aufnehmen, wie sie ihn verabschiedet haben.“

          „Hier gewinnt man am besten jedes Jahr alle drei Titel“

          Beim FC Bayern Fuß zu fassen ist selbstverständlich nicht leicht, auch wenn Lewandowski als gestandener Profi nach München kommt. Der 25 Jahre alte Pole hatte sich unter Klopp zu einem Weltklassespieler entwickelt, er erzielte in den vergangenen drei Spielzeiten allein in der Bundesliga 66 Tore. Nun muss er beweisen, dass er auch die nächste Stufe schafft. Die Ansprüche sind hoch beim Branchenführer. Im Gegensatz zu Borussia Dortmund führt beim FC Bayern schon Platz zwei in der Regel zu einer mittelgroßen Vereinskrise. „Hier gewinnt man am besten jedes Jahr alle drei Titel“, sagt Lewandowski. Er kennt die Münchner Gepflogenheiten.

          Als wäre er nie woanders gewesen: Robert Lewandowski macht in München weiter das, was er so gut kann und schießt Tore.

          Lewandowski zeigte bislang keine Anpassungsschwierigkeiten. Er deutete vielmehr bereits an, wie wertvoll er werden kann für den Double-Gewinner. „Man sieht, welch große Qualitäten er hat. Er braucht nicht viele Chancen, um seine Tore zu machen. Er schießt praktisch in jedem Spiel ein Tor. Das ist ein Stürmer, an dem wir noch viel Spaß haben werden“, sagt der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge.

          Die Umstellung vom Dortmunder Hochgeschwindigkeitsfußball zum bayerischen Ballbesitz-Stil scheint ihm schnell und gut zu gelingen. Lewandowski passt perfekt ins System, obwohl er eigentlich kein „richtiger“ Wunschspieler von Pep Guardiola ist. Sein Wechsel war schließlich bereits in die Wege geleitet worden, als der Münchner Fußball-Lehrer noch Jupp Heynckes hieß. Aber Lewandowski kann fast alles, was im Fußball von seiner Spezies verlangt wird. Er hat nicht nur das, was man als Torinstinkt bezeichnet, sondern weiß sich auch außerhalb des Strafraums geschickt zu verhalten, als Anspielstation und Vorbereiter.

          Als er ging, feierten ihn die Fans noch: 74 Tore gelangen Lewandowski in der Bundesliga für den BVB.

          Er kommt den Vorstellungen Guardiolas, der am liebsten einen offensiven Mittelfeldspieler ganz vorne plazieren würde, von einer Spitze sehr nah. „Ich bin kein Stürmer, der im Sechzehner steht und das ganze Spiel wartet, dass er angespielt wird. Ich will mitspielen“, sagte Lewandowski im „Kicker“. Und er betonte: „Ich versuche jeden Tag zu lernen.“ Auch Sport-Vorstand Matthias Sammer findet deshalb anerkennende Worte für den Neuen. Er findet ihn „unglaublich flexibel und mit allen Facetten ausgestattet“.

          Lewandowski wusste offenbar schon immer genau, was er wollte - vor allem, was für ihn, für seine sportliche Entwicklung richtig war. „Wenn ich etwas wirklich im Gefühl hatte, wollte ich diesen Schritt unbedingt tun.“ Mit 17 Jahren hatte er Legia Warschau verlassen, wählte den Weg über die dritte Liga und konnte sich danach einen Erstligaverein in Polen aussuchen. Er entschied sich für Lech Posen, von dort ging es nach Dortmund: „Ich wusste, dass es schwer werden würde, aber ich wollte es.“

          Schon im vergangenen Jahr wäre für den Angreifer die Zeit reif gewesen, zum FC Bayern zu gehen, aber Borussia Dortmund hatte nicht mit sich reden lassen. Lewandowski akzeptierte die Entscheidung, ging so engagiert wie die Jahre zuvor in seine vierte Saison in Dortmund und wurde Torschützenkönig. Lewandowski habe „Außergewöhnliches geleistet“, obwohl sein Transfer längst perfekt gewesen sei, sagt Sammer. „Das ist das Holz, aus dem Champions geschnitzt sind.“ Und nun tritt Lewandowski beim FC Bayern auf, als hätte er nie woanders gespielt.

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