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Bayern contra Holland : Ausgezeichnete medizinische Betreuung

Dreimal Oranje, dreimal verletzt: Dirk Kuyt und dei Bayern Mark van Bommel und Arjen Robben (v.l.) Bild: picture alliance / dpa

Beim 3:0-Sieg gegen Hannover fehlten dem FC Bayern elf verletzte Spieler. Besonders um Robben und van Bommel wird gestritten. Im Konflikt sorgt nun der Weltverband Fifa für Ärger. Er zeichnet die medizinische Abteilung der Holländer aus.

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          Christoph Knasmüllner und Nicolas Jüllich – es war eine ungewohnte Gesellschaft, die Martin Demichelis am Samstag in der Münchner Arena genoss. In der Rolle, die Trainer van Gaal dem Argentinier zugedacht hatte, nämlich als einziger gesunder Feldspieler im Profikader des FC Bayern auf der Bank zu sitzen, wurde der argentinische Nationalspieler flankiert von zwei Nachwuchsleuten, die wegen des akuten Spielermangels aus dem B-Team beordert worden waren.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Das war immer noch besser, als wenn sich die launigen Spekulationen der letzten Tage bewahrheitet hätten, wonach der Meister sogar Altnationalspieler in Klubdiensten mit Spielerpässen ausstatten und gegen Hannover auf die Bank setzen müsse: den 40-jährigen Jugend-Scout Michael Tarnat oder den 50-jährigen Fanartikel-Vermarkter Hans Pflügler.

          Von den elf verletzten Profis dominierten zwei die Schlagzeilen, zunächst Arjen Robben mit seinem Muskelriss nach der WM, nun Mark van Bommel, dessen Knieblessur vom EM-Qualifikationsspiel gegen Schweden die diplomatischen Beziehungen zwischen Bayern und Holland endgültig ruiniert zu haben scheint. „Asozial“ soll Verbands-Chef Bert van Oostveen das Gebaren der Bayern genannt und gemutmaßt haben, diese wollten „wohl Krieg“.

          „Das ist eine Haltung, die ich nicht akzeptieren kann“

          Bayern-Präsident Uli Hoeneß polterte zurück: „Wenn er so ein Wort benutzt, dann kann er das gern haben.“ Allerdings erklärte van Bommel, dass ihn die Kniebeschwerden schon seit dem Spiel gegen Bremen geplagt hätten. In den sechs Wochen seither hatte er dennoch alle Spiele der Bayern von An- bis Schlusspfiff bestritten. Erst durch einen Sturz aufs schon lädierte Knie im Länderspiel wurde aus dem fitgemachten ein funktionsgestörter van Bommel.

          Deshalb kritisierte Hoeneß auch den Spieler: „Er muss sich die Frage gefallen lassen, wer sein Arbeitgeber ist. Die Spieler sehen zuerst die Nationalelf und dann erst den Verein. Das ist eine Haltung, die ich nicht akzeptieren kann.“ Hintergrund ist der Machtkampf zwischen Verbänden und Vereinen, besonders in Bezug auf die Haftung für Schäden, die Profis im Einsatz für Nationalteams erleiden. In der Causa Robben scheint nur noch ein Schlichter - wie möglicherweise KNVB-Präsident Michael van Praag - eine gerichtliche Auseinandersetzung verhindern zu können. Van Praag ist auch Mitglied der Uefa-Exekutive.

          Schon 2006 bemühte man sich um einen Präzedenzfall. Der belgische Klub SC Charleroi, unterstützt von Europas Top-Vereinen, verklagte den Internationalen Fußballverband (Fifa) auf Schadenersatz, nachdem sein Spieler Abdelmajid Oulmers sich in einem Länderspiel mit Marokko schwer verletzt hatte. 2008 kam es zum Kompromiss: Fifa und Europäische Fußball-Union erklärten sich bereit, den Klubs für die Abstellung von Spielern für Welt- und Europameisterschaften eine Entschädigung zu zahlen. Dafür wurde die Klage fallengelassen – ebenso die Forderung an die Verbände, die Spieler gegen Ausfälle zu versichern. Bei der WM 2010 bekamen die Klubs für einen Spieler pro Tag rund 1300 Euro.

          „Wir haben keinen guten Jahrgang“

          Nun will Rummenigge wie 2006 eine globale Regelung für Schadenersatz erreichen – bisher liegt das im Ermessen der nationalen Verbände. Hoeneß droht gar, in Zukunft einen Spieler einfach zu Hause zu behalten, wenn er die „kleinste Kleinigkeit“ habe. Und kündigt an: „Vielleicht muss man Spieler nur noch unter der Prämisse kaufen, dass sie nicht mehr für das Nationalteam spielen.“ Bei allem Groll werden sich die Bayern wohl besonders darüber ärgern, dass die Fifa, wie gerade bekanntwurde, nun den holländischen Verband für seine vorzügliche medizinische Abteilung auszeichnen wird.

          Beim Verzicht auf Nationalspieler müsste derweil der aktuelle FC Bayern einen Knasmüllner und Jüllich nicht nur als Bankauffüller verwenden, sondern als Stammspieler. Die aktuellen Probleme des A-Teams sind dabei auch die des B-Teams, das am Tabellenende der dritten Liga gegen den Abstieg kämpft. Im letzten Jahr rückten die heutigen Jungstars Müller und Badstuber ins Meisterteam auf, auch die nun verletzten Contento und Alaba bekamen Profiverträge. Nun kommt kaum noch jemand für einen solchen Aufstieg in Frage. „Wir haben keinen guten Jahrgang“, sagt der Jugendleiter Werner Kern über das B-Team. Ob das auch für das A-Team gilt, ist noch nicht klar. Sicher ist nur, was ein schlechter Bayern-Jahrgang ist: einer, der nicht Meister wird.

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