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Bayern-Chef Rummenigge im Gespräch : „Unsere Zukunft sieht rosarot aus“

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Die „benchmark“ FC Barcelona im Blick: Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge Bild: picture alliance / dpa

Im Wettbewerb mit den weltbesten Klubs streben die Münchner in neue Höhen. Im Interview spricht Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge über den Abschied von Trainer Heynckes, über die Wahrheit auf dem Platz und marschierende „Ochsen“.

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          Gibt es etwas, das in dieser Saison beim FC Bayern nicht perfekt funktioniert hat?

          Es gibt immer Verbesserungsbedarf. Wir sind ja auch noch nicht am Ende. Ich warne davor, das Fell des Bären zu verteilen, bevor der Bär erlegt ist.

          Der Meister-Bär wird vielleicht schon an diesem Samstag in Frankfurt erlegt. Unabhängig davon, welche Titel außerdem noch gelingen: Die Anziehungskraft auf Fans, Sponsoren, Spitzenprofis und Top-Trainer scheint noch gewachsen zu sein. Erreicht der FC Bayern in dieser Saison eine neue Stufe?

          Ich glaube, dass wir international große Bedeutung erlangt haben. Gerade in dieser Saison haben wir nachhaltig an positivem Image gewonnen, nicht nur in Deutschland. Ich habe dabei immer ein Vorbild, das wir noch bestätigen müssen, den FC Barcelona. Es hat mich immer erstaunt, mit welcher Stabilität und Souveränität Barca gespielt hat in den letzten vier, fünf, sechs Jahren. Barcelona ist die „benchmark“, die dem FC Bayern als Vorbild dienen kann.

          Fehlt Bayern diese Konstanz?

          Wir haben ein Jahr, das super läuft. Aber das werden wir in der nächsten Saison bestätigen müssen, in einer gewissen Unaufgeregtheit. Das ist nicht einfach.

          Eine Konstante dieser Saison ist der Wandel. Die Rotation im Team. Immer eine andere Elf, immer gleich gut. Haben Sie das so perfekt schon einmal erlebt?

          Nein, noch nie. Der Kader, den wir im Augenblick haben, ist der ausgeglichenste, den wir je hatten. Man kann gar nicht mehr von einer besten Elf sprechen, sondern eher von den besten 18 oder 20. Das ist ein Schlüssel des Erfolges.

          Früher lag das Bayern-Kapital auf dem Festgeldkonto, heute sitzt es auf der Bank?

          Es ist ganz wichtig im heutigen Fußball, eine Top-Bank zu haben. Sie macht Druck auf die, die spielen. Sie gibt dem Trainer Möglichkeiten zu rotieren. Und sie gibt ihm die Möglichkeit, im Spiel zu reagieren. Diese drei Faktoren können wir in diesem Jahr gut leisten. Das muss so bleiben.

          Wird es für Pep Guardiola eine Bürde, im Juli ein solch starkes Team zu übernehmen?

          Ich habe ihn vor einigen Wochen in Barcelona getroffen. Und wie immer sagte er: Herzlichen Glückwunsch, ihr spielt super. Ich hatte nie den Eindruck, dass er das mit Sorge beobachtet. Hier in Deutschland stellen wir immer die Frage: Was soll denn da noch draufgesetzt werden? Aber der entscheidende Faktor ist, dass wir einen Generationswechsel zu vollziehen haben von einem erfolgreichen Trainer zu einem, von dem wir überzeugt sind, dass er mit uns erfolgreich sein wird.

          Jupp Heynckes wird große Fußstapfen hinterlassen.

          Ich glaube, kein anderer Trainer in Europa könnte die Nachfolge von Jupp Heynckes vom Image und der Qualität so leisten wie Guardiola. Bei jedem anderen Trainer bestünde die große Gefahr für uns, in der nächsten Saison in ein Loch zu fallen. Das wäre normal nach solchen Erfolgen wie in diesem Jahr. Aber mit Guardiola wird es kein Problem sein.

          Guardiolas alter Klub Barcelona ist jedermanns Liebling nicht nur wegen des Fußballs, auch wegen des Mangels an Aggression und Nickeligkeit. Eine Parallele zum FC Bayern 2013? Ihr Team kommt bisher ohne unsaubere Mittel aus. Es wirkt im Vergleich zu dem FC Bayern, der die Champions League 2001 gewann, fast sanftmütig.

          Mag sein, dass die Generation um Lahm und Schweinsteiger ein bisschen unaufgeregter ist als die von Effenberg oder Kahn. Aber sie haben ihre Persönlichkeit. Natürlich müssen sie noch beweisen, dass sie die Champions League gewinnen können. Doch all diese Sprüche, die man immer wieder hört: dass man öfter mal hinhauen müsste, dass ein Effenberg da mal einen über die Klinge hätte springen lassen oder dort mal den Ellbogen reingehalten hätte - das ist alles von gestern.

          Worauf kommt es heute an?

          Eins ist sicher: Die Qualität ist wesentlich höher als zu meiner Zeit als Spieler, nicht nur beim Laufvermögen, auch beim technischen Können. Der Fußball ist viel kompletter geworden. Wir neigen ja manchmal zur Nostalgie, aber die Wahrheit ist anders.

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