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Rudi Völler : „Wir beugen uns nicht dem Druck“

  • -Aktualisiert am

Kein Neid - aber: „Wir haben damals das Doppelte der Generation vor uns verdient, heute ist es wohl das Zehnfache von dem, was wir früher hatten“, sagt Rudi Völler. Bild: dpa

Bayer Leverkusen spielt eine Saison unterhalb der eigenen Ansprüche: Im Interview spricht Bayer-Sportdirektor Rudi Völler über Bayers Ziele, die Gehälter im Fußball und seinen Sohn Marco.

          6 Min.

          Glückwunsch zur Vertragsverlängerung!

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Welche Vertragsverlängerung meinen Sie?

          Ihr Sohn Marco spielt auch in der nächsten Saison für die Gießen 46ers in der Basketball-Bundesliga. Das ist doch ein Grund zum Gratulieren, oder?

          Ja, sicher. Aber so etwas entscheidet mein Sohn natürlich ganz allein. Er ist nicht nur ein guter Basketballspieler, er ist auch pfiffig und clever.

          Sie sind sicher stolz auf ihn, wären Sie nicht noch ein bisschen stolzer, wenn Sie Marco Ihr Talent zum Fußball vererbt hätten?

          Nein, überhaupt nicht. Wie sagt man bei uns in Hessen? Hauptsache, es werden anständige Kerle.

          Im Fußball werden anständige Kerle heutzutage Multimillionäre. Bedauern Sie es, zu früh geboren worden zu sein?

          Ich spüre keinen Neid, obwohl ich als Sportdirektor ziemlich genau weiß, was die Jungs heutzutage verdienen, nicht nur bei uns, auch bei anderen Klubs und im Ausland. Viele Zahlen, die in den Medien gehandelt werden, sind mittlerweile auch nah dran. Nur etwas wird oft vergessen - der Unterschied zwischen brutto und netto. Die gehandelten Zahlen in der Bundesliga beziehen sich auf das Bruttogehalt, in Brasilien, Italien und vielen südeuropäischen Ländern ist immer netto gemeint, da müssen sie noch die Gehälter verdoppeln.

          Dennoch bin ich nicht neidisch auf die heutige Generation. Wir haben damals das Doppelte der Generation vor uns verdient, heute ist es wohl das Zehnfache von dem, was wir früher hatten. Aber ich habe den Eindruck, das die hohen Gehälter mittlerweile nur noch zur Kenntnis genommen werden, man hat sich daran gewöhnt. Und irgendwann werden sich die Leute auch daran gewöhnen, dass es einen amerikanischen Präsidenten namens Trump gibt - auch wenn es momentan natürlich schwerfällt.

          Die Saison ist noch nicht verloren, aber bisher doch überwiegend enttäuschend verlaufen. Was kann Bayer in der Rückrunde noch retten?

          Wir wollen es - wie gefühlt zwei Drittel der Liga - erst mal besser machen als in der Hinrunde. Wohin das führt? Mal sehen. Unsere Ziele vor einer Saison sind seit vielen Jahren relativ klar. Wunschziel ist die Champions League, Mindestziel die Europa League. Im Moment sollten wir eher auf die Europa League schauen.

          Wie schlimm wäre es, weder Champions League noch Europa League zu erreichen?

          Allzu oft darf das natürlich nicht sein. Doch wir haben gut gewirtschaftet und durch die fünf Champions-League-Teilnahmen in den vergangenen sechs Jahren viel eingenommen. Wir sind nicht gezwungen, jedes Jahr oder alle zwei Jahre einen Topspieler zu verkaufen. Wie alle Klubs, außer den Bayern, werden wir bei Wahnsinnsangeboten natürlich nachdenken, aber nicht bei marktüblichen Preisen. Wir haben schon oft nein gesagt. Mein Lieblingsbeispiel ist jedoch Heung Min Son. Wir haben ihn nach England verkauft und dafür Kampl und Chicharito kaufen können und sind damit besser geworden.

          Kaum ein Kontrakt bei Bayer läuft vor 2019 aus. Fürchten Sie dennoch, dass es zu Absatzbewegungen wie in Wolfsburg kommen könnte, wenn die Champions League verpasst wird?

          Eigentlich nicht. Champions League ist ein Bonus und erleichtert Verhandlungen. Aber wir haben uns das grundsätzliche Vertrauen, zu uns zu kommen oder bei uns zu bleiben, lange erarbeitet. Aber wir sind ja auch noch im Spiel. Es ist nichts vorbei. Durch den Sieg gegen die Hertha haben wir nur zwei Punkte weniger als nach der Vorrunde der vorigen Saison.

          Ist es ein Hoffnungsschimmer für Sie, dass Mannschaften vor Leverkusen stehen, die weniger Substanz haben? Dass diese Teams, wenn es normal läuft, noch in Reichweite sind?

          Was heißt normal im Fußball?

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