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Leverkusens Lucas Alario : Wie ein Ferrari in der Garage

  • -Aktualisiert am

Ein Segen für Bayer Leverkusen: Stürmer Alario Bild: dpa

Die Bayern haben Lewandowski, der BVB die Naturgewalt Haaland und Gladbach das Franzosen-Duo Pléa/Thuram. Bayer Leverkusen hat Lucas Alario, den besten 1b-Stürmer der Liga. Was plant Leverkusens Trainer Peter Bosz mit ihm?

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          Der deutsche und europäische Klassenbeste FC Bayern München setzt auf den unnachahmlichen Robert Lewandowski, der seit Jahren an der Spitze aller Torjäger der Fußball-Bundesliga trifft und trifft und trifft. Im Schatten des Polen stehen Eric Maxim Choupo-Moting und Joshua Zirkzee, sie werden vor allem dann gebraucht, wenn Lewandowski eine Pause benötigt.

          Borussia Dortmund, seit Jahren festgelegt auf die Rolle des ersten nationalen Verfolgers, hat den unwiderstehlichen Erling Haaland in seinen Reihen. Der 20 Jahre alte und 1,94 Meter große Norweger ist so etwas wie der jugendliche Rockstar der Liga. Ihn flankieren Spielernaturen aus der Abteilung „falsche Neun“ wie Marco Reus, Julian Brandt oder Thorgan Hazard, die das Angriffsspiel des BVB filigraner, aber nicht mit derart durchschlagendem Erfolg wie der skandinavische Draufgänger interpretieren.

          RB Leipzig, die dritte Kraft im Lande, sucht nach dem Weggang von Timo Werner zum FC Chelsea noch nach der idealen Besetzung im Angriffszentrum. Derzeit ist der seit 2013 für die Sachsen attackierende Däne Yussuf Poulsen erste Wahl, während hinter ihm der zum Saisonbeginn gekommene Nationalmannschaftskompagnon Haalands, Alexander Sörloth, noch nach seiner Rolle in der Mannschaft sucht.

          Bundesliga

          Borussia Mönchengladbach, die vierte deutsche Kraft in der Champions League, setzt auf ein Kombinat erstklassiger Stürmer mit den beiden Franzosen Marcus Thuram und Alassane Plea, dem ersten Anwärter auf den Platz im Sturmzentrum, sowie dem Schweizer Breel Embolo und dem auch als hängende Spitze wertvolle Dienste leistenden Kapitän Lars Stindl.

          Und Bayer 04 Leverkusen? Die Mannschaft von Trainer Peter Bosz, die an diesem Sonntag (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) auf Mönchengladbach trifft, hat gleich zwei gute Mittelstürmer im Kader: den für 26,5 Millionen Euro von der AS Rom verpflichteten Tschechen Patrik Schick sowie den Argentinier Lucas Alario. Im Sommer 2017 kam er gegen eine Transfersumme von 24 Millionen Euro von River Plate Buenos Aires nach Leverkusen und erlebte dort zunächst eine schwierige Zeit zwischen erster Besetzung und zweiter Wahl. Die Heiß-kalt-Wechselwirkung zwischen Haupt- und Nebenrolle hat der Südamerikaner aus Tostado in der Provinz Santa Fe bisher erstaunlich gut gemeistert. Schließlich hat der dunkelhaarige Athlet dann, wenn er zeigen konnte, was er drin- und draufhat, geliefert.

          Der Stand-by-Mittelstürmer

          Derzeit sogar mit einer Schlagzahl, die ihm seit langem mal wieder Schlagzeilen beschert. Da Schick seit dem dritten Spieltag wegen eines Muskelfaserrisses fehlt, hat Alario als Stand-by-Mittelstürmer seine Chance mit nahezu hundertprozentiger Effektivität genutzt. Von den acht Treffern der vergangenen drei Siege (1:0 in Mainz, 3:1 gegen Augsburg, 4:2 in Freiburg) gehörten ihm fünf. Selbst Bosz, der Alario seit seinem Arbeitsbeginn in Leverkusen im Januar 2019 eher sporadisch als regelmäßig eingesetzt hat, ist derzeit voll des Lobes.

          Selbstironisch, wie der Niederländer gelegentlich ist, sagte er neulich: „Lucas hat jetzt einen Trainer, der ihn in der Startelf aufstellt. Momentan ist er gut drauf und wichtig für die Mannschaft.“ Schön zu hören für den besten 1b-Mittelstürmer der Liga, der in der Vergangenheit schon mal drauf und dran schien, Leverkusen verlassen zu wollen. Sein Berater Pedro Aldave bot seinen Klienten zumindest verbal mehr oder weniger dezent auf dem Fußballtransfermarkt an. Aldave verwies darauf, dass Alario Eigenschaften habe, „die andere nicht haben“, und meinte, dass es „nicht gut“ sei, „einen Ferrari nur in der Garage stehen zu haben“.

          Abschlussstark: Lucas Alario ist ein kompletter Mittelstürmer.
          Abschlussstark: Lucas Alario ist ein kompletter Mittelstürmer. : Bild: Reuters

          Schön gesagt, vor dem Kickstart des energetischen Argentiniers in diesem Herbst. Seitdem donnert der Südamerikaner als einer der effektivsten Torschützen (zurzeit trifft er alle 78 Minuten) durch die Bundesliga und fällt dabei auch durch seine Klasse auf, verheißungsvolle Situationen früh zu erkennen und vor seinen Gegenspielern zu nutzen. Zum Beispiel vor dem Leverkusener Ausgleichstreffer beim Sport-Club vor einer Woche, als er einen fatalen Rückpass des Freiburgers Nicolas Höfler als Erster erlief und anschließend auf dem Weg zum Tor den SC-Schlussmann Florian Müller „tunnelte“.

          Zweikampf mit Schick

          Ob mit dem Fuß oder dem Kopf, Lucas Alario beherrscht die Palette der besten Mittelstürmertugenden – auch wenn er gelegentlich mit der Witterung des Torjägers scheinbar unbeteiligt wie sein fabelhafter Landsmann Lionel Messi auf den Moment wartet, zuschlagen zu können. Der 28 Jahre alte Argentinier kämpft in diesen Wochen aber vor allem unermüdlich wie nie um seine späte Chance, doch noch zur Nummer eins in der Leverkusener Mittelstürmerhierarchie aufzusteigen.

          Das war er nie in den Jahren, da ihm der zur AS Monaco abgewanderte Kevin Volland ebenso voraus war wie der nun für den FC Chelsea spielende und von Bosz gern als Hybrid zwischen Spielmacher und Sturmspitze eingesetzte Jungstar Kai Havertz. Alario verbindet mit seinem Formaufstieg auch die Hoffnung, in der argentinischen Nationalmannschaft eine größere Rolle zu spielen. Bisher kam er dort achtmal zum Einsatz und erzielte drei Treffer.

          Der bevorstehende Zweikampf mit dem auch von Alario geschätzten Kollegen Schick um die Pole-Position im Bayer-Sturm mutet an wie ein Fahrerduell in einem erstklassig besetzten Formel-1-Team. Es liegt an Bosz, die Leverkusener Luxuswahl für beide richtig zu treffen, um die PS seines Bundesliga-Spitzenteams bestmöglich auszuschöpfen. Bosz sagt zum Stand der Dinge nur: „Lucas ist jetzt gerade unser Mittelstürmer und sehr wichtig für uns. Was ich mache, wenn Patrik wieder da ist, werde ich zuerst mit den Spielern besprechen.“

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