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Aus für Gerardo Seoane : Xabi Alonso neuer Trainer bei Bayer Leverkusen

  • -Aktualisiert am

Xabi Alonso wird erstmal Trainer in der Bundesliga. Bild: picture alliance / SvenSimon

Bayer Leverkusen trennt sich von Trainer Gerardo Seoane auf nicht ganz würdige Art und Weise. Sein Nachfolger ist ein großer Name im Fußball. Xabi Alonso ist der neue Mann auf der Bank.

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          Am Tag des Vollzugs war die Entlassung des Leverkusener Fußballtrainers Gerardo Seoane dann doch zu einem unwürdigen Schauspiel geworden, wie schon so viele Trennungen im Fußball zuvor. Den ganzen Mittwoch über kursierten Gerüchte, gefolgt von unbestätigten Eilmeldungen und begleitet von einem großen Schweigen der Verantwortlichen. Der Werksklub vom Rhein hatte am Abend zuvor in der Champions League 2:0 beim FC Porto verloren, und nachdem Klubchef Fernando Carro gerade angesichts einer andauernden sportlichen Krise erst „sehr, sehr, sehr kurzfristig“ Erfolge eingefordert hatte, war klar, dass nun ein schneller Trainerwechsel wahrscheinlich ist.

          Champions League

          Doch nach der Begegnung mochte sich kein Verantwortlicher äußern, jenseits der vom Reglement vorgeschriebenen Fernseh-Interviews und der Pressekonferenz mit den Trainern wollte niemand etwas sagen. Bis am Mittwochabend die offizielle Bestätigung kam: „Bayer 04 Leverkusen hat sich von Cheftrainer Gerardo Seoane getrennt“, teilte der Klub um 18.45 Uhr mit. Nachfolger des Schweizers wird der Spanier Xabi Alonso.

          Alonso ist ein interessantes neues Gesicht in der Trainerlandschaft, ein Mann, „der als Spieler über viele Jahre hinweg ein absoluter Weltklasse-Profi war, ein intelligenter Stratege und extrem erfolgreich in gleich drei der anspruchsvollsten europäischen Ligen“, sagte Simon Rolfes, der Geschäftsführer Sport. Max Eberl hatte sich schon 2021 in seiner Funktion als Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach mit diesem Kandidaten beschäftigt, entschied sich seinerzeit aber für Adi Hütter und gegen eine Verpflichtung des ehemaligen Weltklassespielers, dessen Trainerkarriere bislang eher glanzlos war.

          „Im jetzigen Kader sehe ich viel Qualität“

          Alonso, 40, arbeitete in der Saison 2018/2019 ein knappes Jahr in der Nachwuchsakademie bei Real Madrid, anschließend trainierte er für drei Jahre die Reserve von Real Sociedad San Sebastian in der dritten spanischen Liga. Dass bislang noch kein spanischer Erstligaverein den Welt- und zweifachen Europameister unter Vertrag genommen hat, spricht nicht unbedingt für seine Eignung als Spitzentrainer. Ein großer Name und eine Spielerkarriere auf dem höchsten Niveau ist bekanntlich kein sicheres Qualitätsmerkmal für einen Trainer, wie die Erfahrung zeigt.

          Dass die Liaison mit Seoane nun dieses Ende nimmt, schmerzt die Leverkusener, bis zuletzt hofften sie, endlich wieder einmal einen Trainer gefunden zu haben, der eine kleine Ära prägen kann. Jenseits der Ergebnisse gab es wenig auszusetzen an dem Schweizer, mit dem die Klubführung gut zusammenarbeiten konnte, dessen fußballfachliche Fähigkeiten niemand in Zweifel zog und der auch mit der Mannschaft klarkam: „Wir sind überzeugt von ihm, der Trainer hat eine super Connection zur Mannschaft und wir wollen gemeinsam aus der Situation rauskommen“, sagte der Verteidiger Jonathan Tah noch in der Nacht von Porto.

          Aber es ist dem 43 Jahre alten Schweizer nicht gelungen, die von den vielen Misserfolgen geschwächte und immer energieloser wirkende Mannschaft aufzurütteln. Nach der achten Niederlage im zwölften Pflichtspiel des teuersten Kaders der Leverkusener Klubgeschichte war der Glaube an Seoane endgültig geschwunden. Eine Schwäche des Schweizers liegt wohl darin, dass er weniger mit den Emotionen seiner Spieler arbeitet als mit Informationen zu Strategien, Taktiken und Systemen. Was die Leverkusener jetzt brauchen, ist aber Hingabe und Widerstandskraft.

          Ob Alonso, der unter anderen bei Real Madrid, Bayern München und dem FC Liverpool spielte, der richtige Mann für solche Bedürfnisse ist, wird sich noch zeigen. „Ich kenne Leverkusen aus meiner Zeit in Deutschland als einen hervorragenden Verein. Bayer 04 hatte immer tolle Spieler, auch im jetzigen Kader sehe ich viel Qualität“, sagt der neue Mann auf der Leverkusener Bank. Damit ist die Bundesliga ist erstmal um einen großen Namen reicher und die Partie der Werkself gegen Schalke am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky)steht plötzlich im Zentrum des Interesses, nicht nur in Deutschland.

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