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3:1 gegen Leverkusen : Wolfsburger Wucht

  • -Aktualisiert am

Jubelnde Wölfe: Traumstart für die Niedersachsen – zwei Spiele, zwei Siege. Bild: EPA

Die planlose Elf von Bayer hat gegen die Dynamik des Teams von Trainer Labbadia keine Chance und unterliegt 1:3. Für den VfL ist damit der Traumstart perfekt, in Leverkusen rumort es nach zwei Startniederlagen.

          Spiele gegen den Klub, den er während der Saison 2008/09 trainiert hat, waren für Bruno Labbadia seitdem wenig vergnüglich. Ob als Fußballlehrer des Hamburger SV, des VfB Stuttgart oder des VfL Wolfsburg: Es reichte bei zwölf Versuchen zu keinem einzigen Sieg gegen Bayer Leverkusen. Am Samstag aber schlug es Dreizehn, so dass Labbadia in der Leverkusener Arena erstmals als gegnerischer Trainer jubeln konnte. Seine Wolfsburger Mannschaft, in der vergangenen Saison dem Abstieg erst nach zwei Relegationsspielen entronnen, trumpfte mit viel Selbstbewusstsein und einer erkennbaren Spielidee gegen die planlose Werkself auf und gewann durch die Treffer von Gerhardt (36. Minute), Weghorst (55.) und Steffen (60.) bei einem Gegentor durch Bailey (24.) verdientermaßen 3:1. Bayer fand kein Mittel gegen die Wolfsburger Wucht und Dynamik in allen Mannschaftsteilen. Kurzfristig übernahm der VfL damit sogar die Tabellenspitze, während Bayer nach dem 0:2 vor einer Woche in Mönchengladbacher auf Rang 18 zurückfiel.

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          Dabei war mit einer positiven Reaktion der Leverkusener auf die 0: 2-Niederlage in Mönchengladbach am ersten Bundesliga-Spieltag gerechnet worden. Beflügelnd sollte sich auch die erstmalige Berufung des erst 19 Jahre alten Kai Havertz in den Kreis der Nationalmannschaft für die Europa-League-Premiere des in Russland gedemütigten Weltmeisters von gestern bemerkbar machen. „Kai hat alle Fähigkeiten für einen Spitzenfußballer“, lobte Trainer Heiko Herrlich seinen Mittelfeldspieler mit dem feinen Füßchen. Dem rheinischen Optimismus begegnete Labbadia mit einem Appell an die vor einer Woche zurückeroberte Wolfsburger Lust auf Bundesliga-Fußball entgegen: „Mir ist es total wichtig, dass wir die Freude aus dem 2:1-Sieg im Schalke-Spiel mitnehmen.“ Das taten die Niedersachsen dann auch, nachdem sie eine stürmische Anfangsphase der Leverkusener überstanden hatten. Dass Bayer dann dennoch durch ein Solo von Bailey in Führung ging, steckte der VfL rasch weg. Der Jamaikaner erzielte mit einem Schlenzer aus 17 Metern den Führungstreffer für Bayer 04. Er trug nichts zur Beruhigung der Gemüter in seinem Team bei, das vergeblich nach der passenden Balance im eigenen Spiel suchte. Und so schaffte der VfL den zu diesem Zeitpunkt allemal verdienten Ausgleich, nachdem sich Brekalo auf der linken Seite wieder einmal freie Bahn verschafft hatte und den auf die Grundlinie durchstartenden Gerhardt in Ballbesitz brachte. Der folgte einer verrückt anmutenden Eingebung, hielt aus extrem spitzem Winkel drauf und überraschte damit Torhüter Özcan, der den Ball mit der rechten Hand ins eigene Tor beförderte.

          Da jubelten sie noch: Leverkusens Bailey (rechts oben) hatte Bayer in Führung geschossen. Dem vorausgegangen war eine Passstaffette über die rechte Seite und ein Robben-Tanz des Jamaikaners. Bilderstrecke

          Ein Treffer, der viel über die mangelhafte Aufmerksamkeit des Europa-League-Teilnehmers in diesem Spiel verriet. Wäre der Wolfsburger Rechtsaußen Steffen vor dem Bayer-Tor kaltblütig genug gewesen, sein Kopfball kurz vor dem Pausenpfiff hätte das Leverkusener Tor nicht knapp verfehlt. So aber ging es mit einem 1:1 in die Kabinen, wo vor allem Herrlich seine Mannschaft zur Ordnung rufen musste.

          Schließlich war in der Leverkusener Arena in diesem flotten Duell hüben wie drüben noch alles drin. Dass danach Wolfsburg durch einen kerzengraden Kopfball seines neuen Mittelstürmers Weghorst – ein Typ wie früher Bas Dost – nach Roussillons feiner Flanke in Führung ging, belohnte die bessere, weil klarer strukturierte Mannschaft. Die Werkself dagegen stand vor einem Fehlstart in diese Saison, von der sich Bayer so viel verspricht. Umso mehr nach einer Stunde, als Steffen die freie Bahn nutzte, die ihm die Leverkusener ließen Der Treffer des Schweizers zum 3:1 schockte den Favoriten, der nicht mehr die Kraft besaß, dagegen zu halten. Und so fiel den Wolfsburgern ihr zweiter Saisonsieg im zweiten Spiel gegen eine Spitzenmannschaft nicht einmal allzu schwer.

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