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Bayer Leverkusen : Tapferes Verfolgerlein

  • -Aktualisiert am

Sie mögen sich wirklich: Der große Zusammenhalt ist eine der Leverkusener Stärken Bild: dpa

Bayer Leverkusen kann am Samstag (18.30 Uhr) den FC Bayern ärgern, aber nicht zur Gefahr werden. Bei allem Talent fehlt es an Konstanz. Der Blick geht im Zweifel eher nach hinten.

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          Der Auftrag schallte am Mittwochabend tausendfach von den Tribünen der BayArena: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“, riefen die Fans von Bayer Leverkusen nach dem 2:1 im Gruppenspiel der Champions League gegen Real San Sebastián.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Und in den Chor würde wohl die ganze Bundesliga einstimmen, denn langsam beginnt die Dominanz des Triple-Siegers zu nerven. Fast ein Jahr ist es her, dass die Münchner in der höchsten deutschen Spielklasse ein Spiel verloren, es war der 28. Oktober 2012, als - ja, Bayer Leverkusen - in der Allianz Arena ein 2:1 gelang.

          Nein, nicht gelang, sondern glückte. Der Siegtreffer kam drei Minuten vor dem Abpfiff auf kuriose Weise zustande. Ein missglückter Kopfball von Sidney Sam klatschte Bayern-Verteidiger Jerome Boateng ins Gesicht, und von dort trudelte der Ball ins Tor. Die Statistik hielt 25:5 Torschüsse zugunsten der Münchner fest und 68:32 Prozent Ballbesitz.

          An diesem Samstag (18.30 Uhr / Live im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) versucht sich Leverkusen wieder an dem Unternehmen Goliath-Sturz. Und die Chancen scheinen auf den ersten Blick besser als vor einem Jahr.

          Bayer geht nicht nur mit dem Rückenwind des Königsklassen-Erfolgs ins Bundesliga-Spitzenspiel, Bayer gelang der beste Saisonstart in seiner Geschichte. Sechs Siege und eine Niederlage stehen zu Buche, und die Bilanz bringt die Werkself in Schlagdistanz zu den Branchenführern Dortmund und München, die jeweils sechs Siege und ein Remis aufweisen.

          Zu viel Wohlfühloase, zu wenig Reizklima?

          Aber Zahlen drücken im Fußball nicht alles aus. Trotz der vielen Punkte wirkt Bayer nicht wie ein hoffnungsvoller Bayern-Herausforderer. Es fehlt einfach an der absoluten Klasse. Das zeigte sich gegen San Sebastián.

          Nach dem Ausgleichstreffer der Spanier zerfiel jegliche Ordnung im Spiel, hätten die Spanier nur jede zweite ihrer großen Torgelegenheiten genutzt, hätten sie innerhalb von 20 Minuten zwei Treffer erzielt. Leverkusen lebt auch in dieser Saison von jugendlicher Frische, Lust am Spiel, einer guten Athletik und Leistungswillen.

          Stiller Antreiber: Trainer Sami Hyypiä hat die finnische Gelassenheit

          Aber die Schwäche, die in den vergangenen (erfolgreichen) Jahren immer wieder aufblitzte, hat sich nicht grundlegend geändert: Leverkusens gesunde Basis ist bröckelig, es gibt immer wieder Spiele, in denen nichts zusammenläuft, in denen die Mannschaft mutlos und zerfahren wirkt. In dieser Saison war das beim 0:2 auf Schalke zu beobachten, beim 2:4 in der Champions League bei Manchester United und in der schon angesprochenen Phase gegen San Sebastián.

          Früher kamen Experten auf die Idee, Bayer Leverkusen böte seinen Profis ein zu angenehmes Leben, zu viel Wohlfühloase, zu wenig Reizklima, um die Frage zu beantworten, warum die Mannschaft so häufig einknickt, wenn es wirklich hart auf hart geht.

          Der größte Coup war wohl Bernd Leno

          Heutzutage muss man ganz nüchtern festhalten, dass in Zeiten, in denen Borussia Dortmund, aber vor allem die Bayern ihre Möglichkeiten voll ausschöpfen, dem Kader von Bayer die Substanz fehlt. Spieler absoluter internationaler Klasse verließen den Klub in den vergangenen Spielzeiten - aus welchen Gründen auch immer: René Adler, Renato Augusto, Arturo Vidal, Sami Hyypiä, Michael Ballack, zuletzt Andre Schürrle und Daniel Carvajal.

          Wie gewohnt, bediente sich Leverkusen auf dem Markt vor allem an hoffnungsvollen Nachwuchsspielern, die schon ihre Möglichkeiten angedeutet, aber noch nicht voll entwickelt hatten. Der größte Coup war wohl Bernd Leno. Der 21 Jahre alte Torwart hat René Adler in Rekordzeit vergessen gemacht.

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