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Bayer Leverkusen : Getragen von der Kraft des Erfolgs

  • -Aktualisiert am

Bayer Leverkusen gewinnt auch „auf“ Schalke und ist nun Zweiter. Bild: EPA

„Es läuft“: Bayer Leverkusen funktioniert als Kollektiv und wächst hinein in die Rolle des ersten Bayern-Verfolgers. Der Klub reitet seit Wochen auf einer Welle des Fußballglücks. Das war so nicht zu erwarten.

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          Beim Blick auf viele Phasen des Duells zwischen dem FC Schalke und Bayer Leverkusen fielen die Gegensätze gar nicht so sehr ins Auge. Der seit mittlerweile 26 Bundesligapartien sieglose Tabellenletzte aus dem Revier war mehr gelaufen, die armen Schalker rackerten, rannten, grätschten und kämpften. „Es war nicht so einfach, wie das Ergebnis aussieht“, sagte der Leverkusener Trainer Peter Bosz nach dem 3:0-Sieg, den er am Ende bejubeln konnte. Allerdings war die Werkself in einer Kategorie, die sich nicht mit Computern und Scoutingfeeds ermitteln lässt, haushoch überlegen: Sie wird in diesen grauen Herbsttagen getragen von der Kraft des Erfolgs. Treu steht ihr das Glück zur Seite, während beim FC Schalke schiefläuft, was nur schieflaufen kann.

          Bundesliga

          Wieder einmal haderten die Gelsenkirchener mit dem Videoschiedsrichter, der bei einem grenzwertigen Zweikampf vor Malick Thiaws Eigentor zum 0:1 (10. Minute) nicht einmal einen Blick auf den Bildschirm am Spielfeldrand empfahl. „Die Szene war nicht strittig, sondern klar“, zürnte Jochen Schneider. Vier Verantwortliche aus anderen Vereinen hätten ihm geschrieben, „dass es eine Frechheit ist, das Tor zu geben“, berichtete der Sportvorstand. Die stark beanspruchten Leverkusener wurden hingegen durch das frühe Eigentor beflügelt. Auch von einem verschossenen Elfmeter profitierten sie, Steven Skrzybski scheiterte an Torhüter Lukas Hradecky (72.).

          Der Tabellenzweite reitet seit Wochen auf einer Welle des Fußballglücks. Die ersten drei Partien des Klubs in dieser Saison endeten noch unentschieden, nachdem die Mannschaft aufgrund der Teilnahme am Finalturnier der Europa League ohne echte Vorbereitung ins neue Spieljahr gestartet war. Anschließend hat sie sechs von sieben Spielen in der Bundesliga gewonnen und abermals die K.-o.-Phase in der Europa League erreicht. Nur noch einen Punkt beträgt der Rückstand auf den FC Bayern, der zum Jahresabschluss kurz vor Weihnachten in Leverkusen zu Gast sein wird. „Es läuft und läuft. Das waren mit Abstand die besten zehn Bundesligaspiele, seit ich hier bin“, sagte Julian Baumgartlinger.

          Das war so nicht zu erwarten, denn im Sommer wurde mit Kai Havertz der beste Spieler an den FC Chelsea verkauft. Ein gleichwertiger Ersatz wurde nicht gefunden, Leute wie Nadiem Amiri oder Kerem Demirbay, der teuerste Spieler, den der Werksklub je unter Vertrag genommen hat, sollten den Verlust kompensieren. Demirbay erfüllt die Erwartungen bislang nicht, und etliche wichtige Spieler fielen zuletzt verletzt aus: Abwehrchef Sven Bender, Kapitän Charles Aránguiz oder der beste Torschütze Lucas Alario zum Beispiel.

          Aber Bayer Leverkusen funktioniert als Kollektiv. Amiri kommt immer besser in Fahrt, der 17 Jahre alte Florian Wirtz spielt Woche für Woche brillant, und die Stürmer Alario sowie Patrik Schick sind immer dann fit, wenn sich der andere gerade mit irgendeiner Blessur herumplagt. Moussa Diaby wird reifer, Leon Bailey, Jonathan Tah oder Karim Bellarabi sind zwar keine Weltklassespieler, aber eben doch sehr starke Bundesligafußballer. Und immer wieder entfalten Spieler, die nicht automatisch zur Stammelf gehören, unerwartete Potentiale wie Aleksandar Dragovic oder Baumgartlinger, der auf Schalke sagte: „Wir sind sehr stabil, konstant und effizient.“

          Der Österreicher erlebt gerade seine stärkste Phase in Leverkusen. Als Stabilisator, als Impulsgeber für das ebenso riskante wie anspruchsvolle Offensivpressing – und sogar als Torschütze. Beim 4:3-Spektakel gegen Mönchengladbach traf er, unter der Woche in Nizza auch, und nun köpfte er auf Schalke das vorentscheidende 0:2 (67.). Wieder nach einer Standardsituation, Ecken und Freistöße sind zu einer wichtigen Waffe für die Werkself geworden.

          Im Sommer nahm der Klub den ehemaligen Bundesligaspieler Rob Maas als Assistenztrainer unter Vertrag, das zahlt sich nun aus. „Der Rob ist neu gekommen, ich habe ihm den Auftrag gegeben, sich mit Standards zu befassen“, sagte Bosz. „Und man muss ganz ehrlich sagen: Das macht er gut.“ Auf Schalke fielen die ersten beiden Treffer nach Ecken, „das ist ein Riesenfaktor für uns“, sagte Baumgartlinger. „Wenn man sieht, wie viele Spiele wir dadurch entschieden haben, das ist eine Qualität, die kann man nicht hoch genug einschätzen.“

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