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Leverkusens Jungstar Havertz : Großmeister der Gelassenheit

  • -Aktualisiert am

Ruhe am Ball: Kai Havertz überzeugt bei Bayer Leverkusen mit Übersicht. Bild: dpa

Wenn Kai Havertz den Ball hat, ist alle Hektik verflogen – das macht den Teenager bei den größten Klubs begehrt. An diesem Freitag steht er mit Bayer Leverkusen bei der TSG Hoffenheim im Fokus.

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          Wenn es um einen dieser talentierten Teenager geht, die derzeit überall zum Sinnbild einer goldenen Zukunft verklärt werden, reichen winzige Signale, um mittelschwere Nachrichtenstürme auszulösen. In dieser Woche markiert der 19 Jahre alte Fußballprofi Kai Havertz eine Fotomontage mit einem Herz auf Instagram, die Lucas Hernández im Trikot seines künftigen Klubs Bayern München zeigt, und die Spekulationen kochen hoch: War das eine geheime Botschaft? Plant Havertz ebenfalls einen Wechsel zum Rekordmeister im Sommer? Freut er sich auf einen künftigen Mitspieler?

          Dazu passt ein in dieser Woche veröffentlichter Medienbericht voller aberwitziger Summen: Es werde sondiert, der FC Bayern biete 75 Millionen Euro, Bayer Leverkusen verlange aber mindestens 100 Millionen Euro für Havertz, Klubpräsident Uli Hoeneß habe schließlich gerade erst „das größte Investitionsprogramm, das Bayern München je hatte“, angekündigt. Nach den 80 Millionen Euro für Hernández könnte nun also eine weitere Rekordsumme nach Leverkusen fließen.

          Mischung an Fähigkeiten

          Allerdings sind sämtliche Giganten des internationalen Klubfußballs ebenfalls an dem in Mariadorf bei Aachen aufgewachsenen Talent interessiert, und natürlich kann sich Bundestrainer Joachim Löw ebenfalls gut vorstellen, dass der Mittelfeldspieler demnächst „eine Schlüsselrolle“ im Nationalteam übernehmen wird. Es ist eine Menge Unruhe, die der Teenager in den Tagen vor dem Bundesligaspiel seines Klubs bei 1899 Hoffenheim an diesem Freitagabend (20:30 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und Eurosport2) verarbeiten muss. Wobei er vollkommen immun zu sein scheint gegen all den Wirbel. „Es ist natürlich eine Form der Anerkennung, wenn man vom Interesse großer Vereine hört. Aber ich kann das alles sehr gut ausblenden. Ich konzentriere mich nur auf Leverkusen“, behauptet er.

          Ob das stimmt, wird sich zeigen, wenn die Wechselpläne konkret werden, unbestreitbar bleibt aber, dass Havertz eine Art Großmeister der Gelassenheit ist. Schrille Schlagzeilen begleiten seine Karriere seit vielen Monaten. Der Alltag des Hochbegabten ist umtost von Superlativen, von mitunter absurden Erwartungen. Der Leverkusener Geschäftsführer Rudi Völler vergleicht Havertz mit Michael Ballack, der ehemalige Trainer Heiko Herrlich bezeichnet ihn als „größtes Talent“, das er „seit Toni Kroos“ gesehen habe, TV-Experte Reiner Calmund sieht Ähnlichkeiten mit Franz Beckenbauer, und Havertz selbst bezeichnet Mesut Özil als sein Vorbild. Irgendwie treffen all diese Beschreibungen ein bisschen zu, das Besondere an Havertz ist aber die Mischung seiner Fähigkeiten.

          Teil der Nationalmannschaftsreform: Kai Havertz mit Serge Gnabry.

          Tatsächlich lässt er sich wie Özil sehr gerne in den hart umkämpften Räumen rund um den Strafraum anspielen, in denen die meisten Spieler sich gar nicht erst anbieten. Der Mönchengladbacher Christoph Kramer sagte kürzlich in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dass er in diesem Mut eine „viel krassere mentale Eigenschaft“ sehe als in der Fähigkeit eines vermeintlichen Anführers, der „im Mittelfeld einen Gegner umgrätscht“. Das ist auch deshalb interessant, weil Havertz seit Jahren von Trainern und Mitspielern vorgehalten wird, er trete nicht aggressiv genug auf. Deshalb mischt er nun ganz bewusst mit, wenn es auf dem Platz Rudelbildungen und andere Scharmützel gibt.

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