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Verpatztes Korkut-Debüt : Leverkusener Slapstick vom Elfmeterpunkt

  • Aktualisiert am

Wie zwei angeschlagene Boxer: Leverkusens Toprak (l.) und Leno holten sich Pfiffe von den Fans ab. Bild: EPA

Neuer Trainer, alte Probleme: Bayer kassiert schon wieder ein Gegentor nach einem Standard, und es kann auch immer noch keine Elfmeter schießen. Muss sich der Werksklub jetzt nach unten orientieren?

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          Bayer Leverkusen ist auch mit dem neuen Trainer Tayfun Korkut nicht zurück in die Erfolgsspur gekehrt. Ohne Selbstvertrauen, Konstanz und Kreativität taumelt das Team durch die schlechteste Saison seit 18 Jahren – und macht sich mit seiner Elfmeter-Seuche langsam aber sicher zur Lachnummer. „Wenn du so ein Geschenk bekommst und nicht triffst, ist das mit unserer Vorgeschichte einfach unfassbar“, sagte Sportchef Rudi Völler nach dem verschenkten Sieg beim 1:1 (1:0) gegen Werder Bremen.

          Das Debüt von Trainer Tayfun Korkut hätte unter den Augen von dessen Freund Joachim Löw ein demonstrativer Neuanfang werden sollen – stattdessen sah der Bundestrainer eine Demonstration von Bayers Unzulänglichkeiten. Gipfelnd im verschossenen Elfmeter von Ömer Toprak, der in der sechsten Minute der Nachspielzeit Bayers fünften Strafstoß in dieser Saison vergab. Leverkusens Abwehrchef und Kapitän konnte es selbst nicht fassen. „Ich war mir ziemlich sicher, dass ich den reinmache. Leider hat es nicht geklappt“, sagte der baldige Dortmunder nach seinem Last-Minute-Missgeschick mit leiser Stimme und gesenktem Kopf.

          Für die lauten Pfiffe der Fans nach dem direkt folgenden Abpfiff hatte Toprak dann auch Verständnis: „Klar, dass sie enttäuscht sind. Ich bin es ja auch.“ Damit setzte sich Bayer Elfmeter-Trauma auch bei Korkut, der sein erstes Spiel leidenschaftlich mitgelebt hatte, spektakulär fort – schon unter Vorgänger Roger Schmidt hatte Leverkusen vier von fünf Elfmetern größtenteils kläglich vergeben.

          Korkut voller Enthusiasmus

          Korkut tigerte während der gesamten Partie wild gestikulierend auf und ab, lobte und haderte, jubelte und schimpfte. Doch nach dem Abpfiff wirkte der Schmidt-Nachfolger schon sichtlich ernüchtert und behalf sich mit Durchhalteparolen. Solche Geschichten schreibe eben der Fußball, man müsse den Kopf hochhalten und nach vorne schauen, sagte er nach seinen ersten, turbulenten 96 Minuten an der Leverkusener Seitenlinie.

          Topraks Fehlschuss aber war nur die passende Pointe nach einer schwachen Leistung von Bayer. Und stand symbolisch für den bisherigen Saisonverlauf und das mangelnde Selbstvertrauen der hochveranlagten Mannschaft, der nicht mal das frühe Führungstor durch Kevin Volland (7.) Sicherheit verlieh.

          Die entscheidende Szene der Partie: Leverkusen bekommt ein Elfmetergeschenk von Werders Maximilian Eggestein in der sechsten Minute der Nachspielzeit serviert. Ömer Topraks Ausführung hat dann aber keinen Treffer verdient. Bayers Abwehrchef war mehr eine Rückgabe als ein Schuss – keine Probleme für Bremens Torhüter Felix Wiedwald. Bilderstrecke

          „Wir wollen aber nicht alles Schwarz sehen“, versicherte Korkut: „Es gab Auf und Abs in diesem Spiel.“ Der „Korkut-Effekt“ hat bisher nicht eingesetzt. Leverkusens Gegentreffer resultierte mal wieder aus einem gegnerischen Standard. Die Bayer-Mannschaft wird sich am Mittwoch bei Atlético Madrid (Hinspiel 2:4, 20.45 Uhr im Champions-League-Liveticker auf FAZ.NET und live im ZDF, Sky) wahrscheinlich aus der Champions League verabschieden – und das wohl für mehr als ein Jahr. Selbst ein Europa-League-Platz rückt in immer weitere Ferne – und ist mit Leistungen wie am Freitag sowieso unerreichbar.

          Die Probleme sitzen offenbar deutlich tiefer, als dass sie durch eine bloße Änderung auf der Trainer-Position gelöst werden könnten. „Elfmeter sind eben Nervensache. Und die Nerven haben wir im Moment nicht“, sagte Völler. Und Toprak ergänzte: „Dass wir heute das perfekte Spiel machen, konnte niemand erwarten.“ Und so wurde Korkut nach seinem ersten Spiel gar gefragt, ob er den Blick auch auf die Abstiegszone richte. „Damit beschäftige ich mich überhaupt nicht“, entgegnete er: „Wir schauen überhaupt nicht nach unten.“

          Werder hat einen Lauf

          Dafür nähert sich Werder dank zweier Helden seinem Ziel Klassenerhalt immer mehr. Neben Torhüter Felix Wiedwald, der den Strafstoß parierte, war dies Claudio Pizarro. Der 38-Jährige erzielte in seinem 200. Spiel für die Bremer mit dem Bauch das 1:1 (79.). „Er bringt eine Ausstrahlung auf den Platz, vor der jeder Gegner Angst hat“, lobte Wiedwald.

          Eine Ode auf den Torhüter stimmte derweil Abwehrspieler Robert Bauer an. „Wiedi ist im Moment unglaublich, Wahnsinn“, schwärmte er: „Vielleicht hat er so ein Spiel wie gegen Mainz gebraucht, in dem er zum Superhelden geworden ist. Seitdem rettet er uns einen Punkt nach dem anderen.“

          Am Freitag sorgte der lange kritisch beäugte Schlussmann auch für Erleichterung bei Maximilian Eggestein, der mit einem dummen Foul den Elfmeter verursachte. „Ich dachte nur: Scheiße, jetzt verlieren wir wegen mir“, erzählte der 20-Jährige nach dem Spiel – und konnte schon wieder lachen: „Wiedi sei Dank!“

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