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Zukunft beim FC Bayern? : Der Künstler Havertz und die vielen Optionen

  • -Aktualisiert am

Ein Genie mit Perspektiven: Kai Havertz ist begehrt bei Topklubs. Bild: dpa

Beim FC Bayern gibt es einen Trainer, der den hochbegabten Kai Havertz besonders schätzt. Aber die Vereinsführung äußert sich zurückhaltend. Und bei Leverkusens Duell mit den Münchnern fehlt Havertz kurzfristig.

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          Um frische persönliche Eindrücke von den außergewöhnlichen Fähigkeiten des Fußballers Kai Havertz zu bekommen, müsste Hansi Flick eigentlich eher nicht noch einmal nach Leverkusen reisen. Vom Trainer des FC Bayern ist bekannt, dass er einen festen Platz im Kreis der Bewunderer des vielleicht talentiertesten 20 Jahre alten Fußballers der Welt einnimmt. Er kenne ihn schon seit dessen Zeit in der U-17-Nationalmannschaft, hat Flick gerade erst gesagt.

          Bundesliga

          An diesem Samstagnachmittag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) wird Havertz nicht mit einem brillanten Spiel und ein paar entscheidenden Aktionen zu einem Sieg von Bayer Leverkusen über den Tabellenführer aus München beitragen können, um mittelfristig zur Erfüllung von Flicks Wunsch nach einer Zusammenarbeit mit dem Angreifer beizutragen. Wegen muskulärer Probleme fehlt Havertz kurzfristig im Aufgebot für das Spiel, wie Leverkusen rund eine Stunde vor der Partie mitteilte.

          Bayern äußern sich zurückhaltend

          Noch zögern die Münchner mit ihren Planungen zu Havertz, der das Potential besitzt, zum besten deutschen Spieler der kommenden zehn Jahre zu werden. Nach einer Hinserie voller Formschwankungen war er in den vergangenen 13 Pflichtspielen an 16 Treffern beteiligt, hat fünf der neun Leverkusener Tore nach der Corona-Pause geschossen und seine Vielseitigkeit bewiesen. Weil Kevin Volland fast vier Monate ausfiel (bevor er am vergangenen Spieltag erstmals wieder auf der Bank saß) und Lucas Alario nicht in Form war, spielte Havertz in der Sturmspitze. Nicht immer brillant, aber unglaublich effizient. „Sportlich würden wir Kai Havertz sicher gerne haben“, hat Uli Hoeneß, die graue Eminenz der Bayern, gerade in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk gesagt. „Aber Stand heute, kann ich es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen.“

          Ähnlich äußerte sich Vorstand Oliver Kahn: „Da wäre ich ganz vorsichtig, jetzt über irgendwelche Transfers nachzudenken im größeren Millionenbereich, weil im Moment sind erst mal ganz andere Dinge zu bewältigen, bevor dieser Markt – wenn überhaupt – wieder anspringen wird. Im Moment bin ich da eher skeptisch.“ Für den Rekordmeister hat die Personalie Leroy Sané oberste Priorität. Seit mehr als einem Jahr tüfteln die Verantwortlichen an einem Transfer des Nationalspielers von Manchester City in die Bundesliga.

          Tolles Tor: Kai Havertz trifft per Kopfball.

          Oder sind die Worte von Hoeneß und Kahn nur Verhandlungstaktik? Wollen die Bayern den Preis drücken? Spekulieren sie eventuell auf ein Modell mit einer Sofortzahlung deutlich unter 100 Millionen Euro an Bayer Leverkusen, die dann über Prämien und Nachzahlungen in den Folgejahren auf die von den Leverkusenern gewünschte Höhe steigt?

          Der Transfermarkt wird in diesem Sommer aufgrund der pandemiebedingten Einbußen ein anderes Wesen haben. Preise sinken, Profis werden auf Arbeitssuche sein, Klubs werden versuchen, Spieler loszuwerden, um Kosten zu senken. Die Dramaturgie des Havertz-Kapitels könnte dennoch den alten Mechanismen folgen. Der Transfermarkt sei „vielleicht teilweise ein bisschen eingebrochen“, sagte der Leverkusener Sportgeschäftsführer Rudi Völler in einem Interview mit Sky. Das gelte „aber nicht für Künstler wie Kai Havertz“.

          Spanien und England reizvoll

          Und so brodelt es auf dem bunten Markt der internationalen Fußballgerüchte. Angeblich haben die Leverkusener schon ein Angebot von Real Madrid abgelehnt: Die Spanier sollen 80 Millionen Euro geboten haben, verbunden mit der Vereinbarung, dass der 20 Jahre alte Profi noch ein weiteres Jahr in Leverkusen bleibt. Solche Berichte mag aber niemand bestätigen. Havertz selbst war als Kind Fan des FC Barcelona, Jürgen Klopps FC Liverpool soll Interesse haben, Manchester City, der FC Chelsea, das große Rätsel aber bleibt: Was will der Spieler selbst? Wahrscheinlich ist, dass er gerne schnell Klarheit möchte, weil die ganzen Spekulationen und Nachfragen in der Hinrunde eine große Belastung waren und auch jetzt nerven. Zu möglichen Zielen sagt er nur, dass er sich „bereit“ fühle für einen „nächsten Schritt“. Und dass ein Wechsel in ein anderes Land eine „Herausforderung“ wäre.

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          Zu hören ist außerdem, dass der gebürtige Aachener die großen Ligen mit viel Wettbewerb reizvoll findet, Spanien oder England. „Seine Zukunft ist noch überhaupt nicht entschieden“, wurde der Leverkusener Sportdirektor Simon Rolfes in dieser Woche in spanischen Medien zitiert. „Kai hat einen Vertrag bis 2022. Wir sprechen ständig mit ihm, seiner Familie und seinen Vertretern. Wir werden sehen.“ Denkbar ist damit auch ein Verbleib in Leverkusen und ein Verkauf im kommenden Sommer.

          Denn dort wollen sie unbedingt an dem Plan festhalten, mindestens 100 Millionen Euro durch den Verkauf ihres Juwels einzunehmen. Nicht zuletzt, weil Rolfes in den vergangenen zwölf Monaten ungefähr diesen Betrag in neue Spieler investiert hat. Verluste müsste der Mutterkonzern, die von den Glyphosat-Prozessen in den Vereinigten Staaten gebeutelte Bayer AG, übernehmen. Rolfes sagt: „Wir müssen abwarten, viele Faktoren beeinflussen, was passieren wird.“ Noch hoffen sie. Es ist nämlich nicht nur die Lähmung des Transfermarktes, die für ein weiteres Jahr in Leverkusen spricht. In der gewohnten Umgebung könnte es Havertz leichter fallen, sich zu einer Führungskraft im Nationalteam zu entwickeln – nächstes Jahr soll die EM nachgeholt werden. Zudem ist bei Bayer 04 mit den Transfers der vergangenen zwölf Monate und der Vertragsverlängerung des Chefstrategen Charles Aránguiz ein Team entstanden, das nicht nur im laufenden Jahr Chancen auf den DFB-Pokalsieg und den Titel in der Europa League hat. Auch in der nächsten Saison sind Bayer Leverkusen große Erfolge zuzutrauen.

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