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Bayer Leverkusen : Ein Fall für zwei

  • -Aktualisiert am
Mischung aus Kompetenz und Auftreten: Sami Hyypiä (l.) und Sascha Lewandowski (2.v.l.) arbeiten in Leverkusen im Duo
          4 Min.

          Sascha Lewandowski hatte einer Zeitschrift namens „Reviersport“ versprochen, bei einer Aktion mitzumachen, die Männer aus dem Berufsfußball an ihre Wurzeln zurückführt. Also besuchte der Cheftrainer des Bundesligaklubs Bayer Leverkusen seinen ersten Verein Eintracht Dortmund. Dort traf er nach langer Zeit den Hausmeister des Klubs wieder, den er seit seinem fünften Lebensjahr kennt. Die Wiedersehensfreude war groß.

          Und sie wurde noch größer, als der Hausmeister die Frage stellte, die ein Klassiker ist unter Menschen, die sich von früher kennen und dann aus den Augen verloren haben: „Und was machst du so?“ Lewandowski hat diesen Augenblick genussvoll inhaliert. „Hoffentlich bleibt das noch ein bisschen so“, sagt er. Lewandowski ist noch nicht lange im Profi-Fußball.

          Personenkult ist ihm fremd. Trainer, die wie er keine Karriere als Profispieler hinter sich haben, sind die große Ausnahme in der Bundesliga. Oft heißt es, ihnen fehle der Stallgeruch, die Aura, die kickende Millionäre beeindruckt. Dieses Handicap kennt auch Lewandowski, der sich im Nachwuchs einen Namen gemacht hatte, die Profis aber nur vom Sehen kannte.

          Mischung aus Kompetenz aund Auftreten

          Weil die Bayer-Verantwortlichen vor acht Monaten, als Robin Dutt entlassen war, in heikler Lage auf Lewandowskis Kompetenz bauen wollten, aber auch eine Autoritätslücke sahen, machten sie das Training des zuweilen überzüchtet wirkenden Ensembles zu einem „Fall für zwei“. Der Cheftrainer Lewandowski bekam den Teamchef Sami Hyypiä zur Seite gestellt, einen weltoffenen finnischen Abwehrstrategen, der nach vielen Jahren beim FC Liverpool seine Karriere unter dem Bayer-Kreuz auf hohem Niveau hatte ausklingen lassen.

          Der Mann, der vor Spielen spricht: Hyypiä in der Pressekonferenz
          Der Mann, der vor Spielen spricht: Hyypiä in der Pressekonferenz : Bild: dpa

          Die Kompetenz des Trainer-Überfliegers, den keiner kannte, und das Auftreten des Profis von internationaler Reputation führten zum einzigen Trainergespann, das in der Bundesliga gleichberechtigt zusammenarbeitet - zunächst für sechs Wochen. Die Arbeitsprobe mit vier Siegen und zwei Unentschieden reichte den beiden, um sich den Vertrauensvorschuss eines Dreijahresvertrages zu erarbeiten. So stehen sie auch am Sonntag in Hoffenheim (17.30 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker) an der Seitenlinie.

          Dieser Fall für zwei war nicht von langer Hand geplant, sondern entstand aus der Not, aus einem Experiment, dem viele ein Scheitern vorhergesagt hatten. Der Markt habe keine vielversprechende Alternative geboten, sagt Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. „Deshalb haben wir eine Doppelspitze eingeführt, eine innovative Lösung. Von Anfang an habe er Lewandowski als „exzellenten Fachmann“ für die Profi-Mannschaft im Kopf gehabt, aber ihn allein zu installieren „wäre ein bisschen gefährlich gewesen“.

          Nicht gesucht und doch gefunden

          Die alte Frage, wer wann als Primus inter Pares das Sagen hat, ruft in Leverkusen allmählich Verdruss hervor. Das Management lässt sie offen. „Man kann immer streiten, wer wann das Sagen hat“, findet Holzhäuser. Projektdenken sei gefordert. „Wer das Sagen hat, ergibt sich aus der Situation.“ Als ehemaliger Weltklassespieler habe Hyypiä einen Vorsprung. Lewandowski werde sich „diese Anerkennung erarbeiten müssen“. Die altbackene Annahme, einer gibt die Lizenz, der andere den Namen, mag vordergründig passen, wird dem Zusammenwirken der beiden aber nicht gerecht.

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