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Bayer Leverkusen : Beflügelt von der Freude am Spiel

  • -Aktualisiert am

Das macht Spaß: Torschütze Florian Wirtz Bild: AFP

Vor dem Abschlussduell mit dem FC Bayern präsentiert sich Bayer Leverkusen als Tabellenführer der Fußball-Bundesliga in prächtiger Verfassung und als „wirklich verschworene Einheit“.

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          In den ersten Wochen des pandemischen Fußballalltags, als die Erinnerungen an volle Stadien noch frisch waren, kam es immer wieder vor, dass Mannschaften sich vor ihren Fanblöcken versammelten, Tänze aufführten, sangen und feierten. Die Neigung zu den vertrauten Ritualen der vergangenen Jahrzehnte war noch stark, bevor sie zuletzt immer mehr einer neuen Realität der Leere gewichen sind.

          Bundesliga

          Die Szenen, die sich am Mittwochabend nach dem 4:0-Sieg von Bayer Leverkusen in Köln vor dem Gästeblock abspielten, wirkten daher etwas fremd, auch weil dieser Sieg weder knapp noch eine unerwartete Sensation gewesen ist: Der Tabellenführer besiegte einen Abstiegskandidaten. Und doch war die Begeisterung, die die Leverkusener Spieler in ihrem fröhlichen Festakt zum Ausdruck brachten, nachvollziehbar. Bayer Leverkusen hatte phasenweise in einer Perfektion Fußball gespielt, wie es sie nur selten zu sehen gibt in der Bundesliga.

          Der Kölner Trainer Markus Gisdol mochte sich nicht einmal mehr ärgern über diese krachende Niederlage, ihm war klar: Sein Team war an diesem Abend chancenlos. „Ich habe mich zurückerinnert gefühlt an das Spiel gegen Bayern München, als wir top drauf waren“, berichtete Gisdol, damals im Februar hatten die Kölner wie jetzt auch eine ganz gute Phase. Aber sie gingen 1:4 unter. „So ähnlich hat heute Leverkusen gegen uns gespielt“, sagte Gisdol. „Mit einem unglaublichen Speed, mit einer unglaublichen Spielfreude. Darauf hatten wir keine Antwort.“

          Gerade rechtzeitig zum großen Jahresabschlussduell mit dem FC Bayern am kommenden Samstagabend (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) haben die Leverkusener ihr Spiel auf ein Niveau gehoben, mit dem sie auch in der Champions League kaum einen Gegner fürchten müssten. „Da war sehr viel Energie in der Mannschaft“, sagte Trainer Peter Bosz, der „sehr zufrieden“ war mit der Darbietung seines Teams, das vier sehr schöne Tore geschossen hatte. Nach diesem Spieltag ist der rheinische Werksklub nicht nur Spitzenreiter, sondern auch das einzige ungeschlagene Team der Liga. Die Fans durften sich nebenbei über den höchsten Auswärtssieg in der Geschichte der rheinischen Bundesligaderbys freuen, vielleicht am beeindruckendsten waren allerdings die kleinen Details dieser Demonstration der Stärke.

          Der Jubel nach Mitchell Weisers 0:1 nach vier Minuten zum Beispiel, als fast alle Spieler sich voller mitfühlender Freude auf den Kollegen stürzten, weil sie ihm dieses Erfolgserlebnis einfach gönnten. Weiser kommt im laufenden Spieljahr kaum zum Einsatz, ist für die Europa League nicht einmal gemeldet und spielte nur, weil Lars Bender sich beim Aufwärmen verletzt hatte. Er ist vielleicht der Spieler, der am meisten zu leiden hat während dieser süßen Wochen, nun fühlten alle mit ihm in diesem persönlichen Erfolgsmoment. Ein anderes Beispiel für den Geist dieser Mannschaft war die Balleroberung von Nadiem Amiri gegen Kölns Sava Cestic beim Stand vom 4:0, die der Leverkusener mit geballten Fäusten feierte wie einen spielentscheidenden Zweikampf im eigenen Strafraum. Die Leverkusener spüren derzeit ihre ganze Kraft und kosten dieses Gefühl in vollen Zügen aus.

          Der Tabellenführer ist beflügelt von der Freude am Spiel, vom Erfolg und von dem im Fußball seltenen Glück, das von einem Teamgeist erzeugt wird, der deutlich über eine professionelle Zusammenarbeit hinausgeht. Als „wirklich verschworene Einheit“ bezeichnete Sportdirektor Simon Rolfes die Werkself, und die Eindrücke vom Rasen bestätigten diesen Befund in großer Deutlichkeit. Der Rekordmeister aus München kommt damit tatsächlich im exakt richtigen Augenblick. „Natürlich ist Bayern schlagbar“, sagte Amiri, er wisse nur noch nicht genau wie. Aber es wäre erstaunlich, wenn diesen Leverkusenern kein guter Plan einfallen würde, um auch Manuel Neuer, Robert Lewandowski und all die anderen Münchner vor eine echte Herausforderung zu stellen.

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