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Bayer Leverkusen : Alles auf Angriff

  • -Aktualisiert am

Der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte: Für Hakan Calhanoglu (rechts) musste Leverkusen 14 Millionen Euro nach Hamburg überweisen Bild: REUTERS

Rund dreißig Millionen Euro hat Leverkusen für neue Spieler ausgegeben. In der Liga will Bayer angreifen, in der Champions League wartet Kopenhagen als Gegner.

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          Bayer 04 Leverkusen greift an, sportlich und wirtschaftlich. Die Fußballtochter des Chemiekonzerns hat rund dreißig Millionen Euro in neues Personal investiert – für Bundesliga-Verhältnisse viel Geld, für Leverkusener Verhältnisse erst recht. Der Bayer-Konzern hat sein Gesamt-Engagement zwar nicht erhöht, dem Management der „Werkself“ aber die Möglichkeit eingeräumt, flexibler mit den 75 Millionen Euro umzugehen, die für die nächsten drei Jahre zur Verfügung stehen. So kann Sportdirektor Rudi Völler in diesem Sommer mehr Geld abrufen, als normalerweise für eine Saison vorgesehen ist.

          Also der Verein auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Völler verpflichtete die Offensivspieler Hakan Calhanoglu (Hamburger SV), Josip Drmic (Nürnberg), dazu den brasilianischen Außenverteidiger Wendell (Gremio) und jüngst – als Leihspieler – Kyriakos Papadopoulos vom FC Schalke 04. Lauter Profis Anfang zwanzig, die schon zu Beginn ihrer Karriere Starpotential besitzen. Bayer-Geschäftsführer Michael Schade zeigt sich mit dem Ergebnis der Einkaufstour zufrieden – und auch ein wenig stolz. „Wir haben Wort gehalten und uns gut verstärkt. Und wir haben dafür Summen gezahlt, die alles in den Schatten stellen, was Bayer bisher je gemacht hat“, sagt er.

          Leverkusen wagt sich vor

          Leverkusen wagt sich weiter vor als zu Zeiten eines Reiner Calmund, dem als Manager nachgesagt wurde, bei Spielerverpflichtungen auf alles Mögliche geachtet zu haben, nur nicht aufs Geld. Calhanoglu ist mit einer Ablösesumme von mehr als vierzehn Millionen Euro der teuerste Zugang der Vereinsgeschichte. Völler erläutert, warum der begabte Mittelfeldspieler dem Bundesliga-Vierten so viel wert ist. „Er gibt uns den zusätzlichen Schub, um noch besser zu spielen, um erfolgreicher zu sein.

          Dank seiner Spielmacherqualitäten und Torgefahr ist Hakan für unsere Mannschaft eine Bereicherung.“ Für eine Mannschaft, die in der Offensive variabler werden soll und muss, um in der Bundesliga mindestens Vierter zu werden und sich so abermals für die Champions League zu empfehlen. In den Play-offs für die diesjährige Saison in der Königsklasse trifft Leverkusen auf den FC Kopenhagen. Das ergab die Auslosung am Freitag. Das Hinspiel in der dänischen Hauptstadt wird am 19. August ausgetragen, das Rückspiel in Leverkusen am 27. August. Dort geht es um Millionen, denn die werden erst in der Gruppenphase verdient.

          Im Angriff lastete in Leverkusen lange zu viel auf Stefan Kießling, Bayers einzigem verlässlichem Torjäger der vergangenen Saison. Also hat der Klub reagiert und der Konkurrenz einen Wink gegeben, nicht nur mit dem Scheckheft. Der neue Trainer arbeitet auch daran, das System zu verändern. Roger Schmidt schwebt eine Formation vor, die aus vier Verteidigern, zwei defensiven und zwei offensiven Mittelfeldspielern sowie zwei Stürmern besteht. „Mit dem Wechsel des Trainers haben wir in diesem Jahr auch einen Wechsel des Spielsystems“, sagt Routinier Simon Rolfes. „Bei unserem neuen System müssen wir sehr geschlossen agieren.“ Der Mannschaftskapitän steht dem Systemwechsel wohlwollend gegenüber, muss aber wieder einmal um seinen Platz in der Stammelf bangen.

          Neben etablierten Kräften wie Lars Bender, Gonzalo Castro und Stefan Reinartz bewirbt sich das Talent Levin Öztunali, der Enkel des HSV-Idols Uwe Seeler, um einen Platz im Zentrum. Rolfes ist es gewohnt, sich durchzusetzen. Bisher hat er es immer geschafft, sogar als vor einigen Jahren Michael Ballack nach Leverkusen zurückkehrte. In der vergangenen Saison bestritt Rolfes 31 Bundesligaspiele, 22 davon über die volle Distanz von neunzig Minuten. Mit dem neuen Trainer versteht er sich offenbar gut. „Wir tauschen uns laufend aus. Er fragt mich nach meiner Meinung und versucht, mir seine Ideen zu vermitteln, damit wir als Mannschaft schnell begreifen, wie wir den Gegner bekämpfen wollen“, sagt Rolfes.

          Aber die Mitbewerber werden jünger. Neben Julian Brandt gehört Öztunali zu den Talenten, die in die Mannschaft streben, neuerdings mit dem Titel U 19-Europameister. „Um die beiden beneidet man uns in Europa“, sagt Nachwuchs-Cheftrainer Sascha Lewandowski. Der Mann weiß, wovon er spricht. In der Endphase der zurückliegenden Saison hat Lewandowski mit Talenten wie Brandt und Öztunali gearbeitet – nicht als Nachwuchstrainer, sondern als Fußball-Lehrer, der bei den Profis für den entlassenen Sami Hyypiä eingesprungen ist und Leverkusen in die Champions-League-Qualifikation geführt hat. Brandt ist schon im vergangenen halben Jahr bei den Profis aufgefallen, mit spielerischer Klasse und großem Selbstbewusstsein.

          Auch Öztunali hat große Ambitionen. Lewandowski sieht in ihm „ein ähnliches Juwel“ wie in Brandt, „einen Burschen, den nichts aufhalten wird“. Vielleicht findet er vorläufig als Außenverteidiger seinen Platz. so offensiv die Werkself aufgestellt ist – hinten fehlt es noch an Stabilität. Das zeigt auch die Verpflichtung von Papadopoulos. Der Verteidiger vom FC Schalke 04 war lange verletzt und will jetzt die Spielpraxis erhalten, die er „auf“ Schalke offenbar nicht zu erwarten hatte. Bayer indes scheint ihn zu brauchen. Aber ob der Mannschaft ein Profi hilft, der in den vergangenen anderthalb Jahren kaum spielen konnte, darauf darf das Publikum gespannt sein.

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