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Bayer empfängt Bayern : Labbadia hebt Leverkusen auf Augenhöhe

  • -Aktualisiert am

„Da da ist noch viel Feuer drin”: Bruno Labbadia Bild: REUTERS

Vor dem Verfolgerduell an diesem Samstag sind Bayer Leverkusen und Bayern München punktgleich. Doch in der Wahrnehmung ist die Bundesliga-Saison des Werksklubs erfolgreicher verlaufen.

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          Manchmal kommt es nicht so sehr darauf an, was ein Trainer sagt, sondern wo er es sagt. Das ein oder andere, das Jürgen Klinsmann vor oder unmittelbar nach seinem Amtsantritt bei den Bayern von sich gegeben hat, ist ihm um die Ohren gehauen worden, als die Münchner schleppend in die Saison gestartet waren. Jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser machen – haha, das hat ja prima geklappt, vor allem in der Abwehr.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Und wie wäre es mit diesem Satz: „Zum Erfolg kann man keinen Lift nehmen, man muss die Treppe benutzen.“ Klingt nach Felix Magath, könnte auch von Klinsmann sein, aber gesagt hat ihn Bruno Labbadia. Und weil der in Leverkusen Trainer ist und nicht in München, hat man die Geschichte mit dem Aufzug und der Treppe wieder vergessen.

          Bayer hat sportlich die besseren Schlagzeilen gehabt

          An diesem Samstag (15.30 Uhr im FAZ.NET-Liveticker) treffen sie aufeinander, Labbadia und Klinsmann, Bayer und Bayern. Die einen spielen attraktiv, die andern hatten es versprochen und nur selten eingelöst, in der Tabelle stehen sie auf Augenhöhe. Leverkusen hat genauso 28 Punkte wie die Bayern und trotzdem sportlich die besseren Schlagzeilen gehabt.

          Labbadia ist mit Riesenschritten im Profifußball voran gekommen
          Labbadia ist mit Riesenschritten im Profifußball voran gekommen : Bild: REUTERS

          Was in München als die große Wohlfühloase für die Spieler mit Lümmelsofas, Computern, Kochkursen, Bibliothek und Kabinen für Simultandolmetscher als die Weisheit schlechthin und als wichtiger Bestandteil der Philosophie von Klinsmann verkauft wurde, hat Labbadia in Leverkusen ähnlich umgesetzt. Im Stillen, und weil Bayer gerade das halbe Stadion zwecks späterer Erweiterung abreißen lässt, findet die Hälfte davon im Zelt statt. Nur für Übersetzer gab es keine Verwendung in Leverkusen. „Sprachen sind neben Geld das Mittel, unabhängig zu sein“, hatte Klinsmann im Sommer in München gesagt. So ähnlich sah das Labbadia ein paar hundert Kilometer nördlich auch. Nur müssen seine Spieler Deutsch lernen, das sei eine Frage des Respekts gegenüber den Mitspielern.

          Mit Riesenschritten im Profifußball voran gekommen

          Die Bayern ahnten, auf was sie sich einlassen würden mit der Verpflichtung von Klinsmann, Leverkusen wusste schon, woran sie mit Labbadia waren. Man habe ihn beobachten lassen, seit er seine Trainerkarriere einst in Darmstadt begonnen habe, verriet Sportdirektor Rudi Völler. Mit Riesenschritten ist Labbadia seitdem im Profifußball voran gekommen. Er brauchte nur zwei Stationen, von Darmstadt (2005 bis 2007) ging es zur Spielvereinigung Greuther Fürth, wo ihn Leverkusen nach nur einem Jahr aus dem Vertrag herauskaufte.

          Aus gutem Grund, denn Labbadia eilte nicht nur der Ruf voraus, dass seine Mannschaften immer attraktiven, offensiv ausgerichteten Fußball spielen. Vor allem für seine akribische Arbeit mit Talenten wurde er gerühmt. Und wo ist das zwingender nötig als in Leverkusen? Als unter seinem Vorgänger Michael Skibbe nach einer über weite Strecken begeisternden Saison in der Schlussphase der Einbruch kam und der Uefa-Pokal verpasst wurde, hieß es, diese Bayer-Truppe sei eben zu jung. Die Spätdreißiger Barbarez und Ramelow beendeten danach ihre Karriere, der 29 Jahre alte Freier und der 28 Jahre alte Bulykin verließen den Verein. Mit den Zugängen Kadlec (23), Helmes (24), Augusto (20) und Henrique (22) wurde Bayer noch einmal verjüngt.

          Die Stars heißen Adler oder Rolfes

          Die Spieler jeden Tag ein bisschen besser machen – diesen Satz würde auch Labbadia als Credo dick unterstreichen. In Leverkusen ist das einfacher umzusetzen, weil alles unbemerkter und unaufgeregter geschieht und niemand darauf wartet, dass man so etwas sagt. Den Zehnstundentag für die Spieler konnte der ehemalige Bayern-Stürmer auch deshalb so geräuschlos einführen, weil seine junge Mannschaft noch keinerlei Allüren hat oder glaubt, alte Rechte verteidigen zu müssen. „Das ist ja auch ein Vorteil, wenn man mit jungen Leuten arbeitet, da ist noch viel Feuer drin“, sagt Labbadia.

          Leverkusen musste zu diesem Glück gezwungen werden, der Verein hatte notwendigerweise seine Personalkosten senken müssen. Die Stars, wenn man sie so nennen will, heißen Adler oder Rolfes, und die beiden deutschen Nationalspieler, reden viel davon, wie gerne sie mit Bayer etwas erreichen möchten. „Und der Trainer hat uns gezeigt, wie viele Facetten zu diesem Beruf gehören“, sagt Adler.

          Völler: „Hier kann er viele Ideen umsetzen“

          Er war ja mal einer von ihnen, was ihm als Trainer den Weg nach oben erleichtert hat. Aber Labbadia hinterlässt nie den Eindruck, als würde er am liebsten noch mitspielen, auch der feine Anzug, den er an Spieltagen trägt, vermittelt diese Distanz. Er legt Wert darauf, dass ihn die Spieler siezen, erlaubt ihnen dafür nicht nur, krachend zu feiern, sondern ermuntert sie sogar dazu. „Fußball hat nicht nur mit Arbeit, auch mit Genuss zu tun“, sagt er dann.

          Bislang war er ein Glücksfall für den Verein, und der Verein für ihn. „Er hat sich auch uns ausgesucht, nicht nur wir ihn. Hier kann er viele Ideen umsetzen“, so Völler. Tauscht man die Namen aus, könnte der Satz auch aus München kommen und würde doch ganz anders klingen.

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