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Völler-Kritik an Pokal-Reform : „Das ist furchtbar, das darf nie passieren“

  • Aktualisiert am

„Das ist das Todesurteil des Fußballs, wenn du dich nicht mehr qualifizieren musst für europäische Wettbewerbe“: Rudi Völler Bild: dpa

Rudi Völler ist für klare und bisweilen emotionale Worte bekannt. Nun übt der Geschäftsführer von Bayer Leverkusen deutliche Kritik an den Plänen für eine Europapokal-Reform. Er ist nicht der einzige.

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          Rudi Völler hält mit seiner klaren Meinung mal wieder nicht hinter dem Berg und wagt auch einen Konflikt mit Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge. „Furchtbar“ und „tödlich“ findet er die Idee der viel diskutierten Champions-League-Reform. Bayer Leverkusens Geschäftsführer reihte sich damit kurz vor Beginn des Sondergipfels der European Club Association (ECA) auf Malta in eine ungewöhnliche Front gegen die geplante Neuordnung der Königsklasse ein, zu der neuerdings auch Fifa-Präsident Gianni Infantino und sogar der französische Staatschef Emmanuel Macron gehören.

          Weil der Druck stetig wächst, versucht Juve-Chef und ECA-Boss Andrea Agnelli auf der abgelegenen Mittelmeerinsel bei einem außerordentlichen Zwei-Tage-Kongress derzeit seine Idee einer ganz auf die großen Eliteklubs zugeschnittenen Champions League zu verteidigen. Quer durch Fußball-Europa offenbart sich mittlerweile ein Riss, der auch die Bundesliga betrifft. „Das ist das Todesurteil des Fußballs, wenn du dich nicht mehr qualifizieren musst für europäische Wettbewerbe“, sagte Völler, der mit Leverkusen gerade als Bundesliga-Vierter auf sportlichem Weg den Sprung in den Top-Wettbewerb geschafft hat.

          „Das kann keiner wollen“, sagte Völler, dessen Klub sich in der abgelaufenen Saison für die Champions League qualifiziert hat. „Wer das möchte, der muss schwachsinnig sein. Dass einige Klubs fest gesetzt werden, das ist furchtbar. Das darf niemals passieren“, forderte er. „Ich hoffe, dass alle zur Besinnung kommen“, sagte Völler weiter und widersprach mit seinem krassem Vokabular Münchens Vorstandschef Rummenigge und Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Die Führungskräfte der Bundesliga-Topklubs sind aus ökonomischer Sorge zuletzt auf den Agnelli-Kurs eingeschwenkt und verteidigen die Idee einer Königsklassen-Reform von 2024 an, die die Position der nationalen Ligen schwächen würde.

          „Diese Reform der Champions League oder Super League kommt so oder so. Wir müssen nun versuchen, da möglichst viel von unseren deutschen Interessen reinzupacken, was den deutschen Gefühlen entspricht“, positionierte sich Watzke sogar noch stärker als Rummenigge, der sich zuletzt in Jojo-Taktik mal für und mal gegen die Reform äußerte. Die Bundesliga ist mit ihrem internen Interessenkonflikt nicht alleine. Auch in Spanien hat sich der Rest der Liga unter Führung von Atlético Madrid vom Spitzenduo Real Madrid und FC Barcelona distanziert und sogar einen Protestbrief gegen die Reform verfasst. Nur aus England kommt vorerst kollektive Ablehnung gegen eine Europacup-Reform aus der Premier League.

          Die ECA unter der Führung von Agnelli ist der Motor der Reformidee, auch wenn bei weitem nicht alle der mehr als 200 Mitglieder dafür sind. Auch Leverkusen und Atlético Madrid sind ECA-Mitglied und haben auf Malta die Chance, sich gegen die Reform zu wehren. Nach den Agnelli-Plänen sollen von 2024 an nur noch vier der 32 Startplätze über die Plazierung in den nationalen Ligen vergeben werden. 24 Teams wären allein durch ihre Teilnahme im Vorjahr wieder startberechtigt. Nur vier Teams würden aus der Europa League aufsteigen. Eine Einteilung mit acht Teams in vier Gruppen würde für deutlich mehr Spiele sorgen. Vom Tisch ist immerhin schon die Idee, die Europa-Duelle an Wochenenden in Konkurrenz zu den nationalen Ligen auszutragen.

          „Ein paar Jährchen mache ich noch“

          Ein Fußball-Politikum ist die Reform schon jetzt. Fifa-Boss Infantino äußerte sich gleich nach seiner Wiederwahl kritisch – allerdings auch aus durchschaubarem Eigeninteresse. Eine europäische Superliga würde seinem neuen Top-Produkt einer aufgeblähten Klub-WM mit 24 Teams sportlich wie ökonomisch Konkurrenz machen. Wie politisch brisant die Situation ist, offenbarte die Reaktion von Uefa-Präsident Aleksander Ceferin auf Äußerungen von Frankreichs Staatschef Macron. „Die Rede des Präsidenten ist eine klare Einmischung der Politik in den Sport, die uns sehr überrascht“, sagte der Slowene in Paris. Macron hatte vorher seine Fußball-Sorge geäußert und die Königsklassen-Debatte auf eine neue Ebene gehoben. Es sei „keine gute Idee, die Lebensfähigkeit unseres Modells zum Vorteil von einigen auf europäischem Niveau zu opfern“.

          Für Ceferin geht es mittlerweile um die Deutungsfrage, wer überhaupt über die Grundausrichtung der Champions League bestimmt. Er als Uefa-Boss? Oder Agnelli als Chef der Klub-Vereinigung? Zuletzt war ihm das Heft des Handelns entglitten. Für den 11. September hat er nun zu einem Sondergipfel aller Streitparteien eingeladen. Rudi Völler würde – sofern eingeladen – eine klare Meinung vertreten. Völler will derweil weiter bei Bayer Leverkusen arbeiten, denkt aber auch an den Ruhestand. „Irgendwann wird es lang“, sagte er in Berlin und versprach: „Ein paar Jährchen mache ich noch.“ Der ehemalige Profi und Teamchef der deutschen Nationalmannschaft arbeitet seit 2005 wieder bei Bayer. Im Juli 2018 übernahm der jetzt 59-Jährige die neu geschaffene Position des Geschäftsführers Sport. Die Belastungen spüre er, aber „amtsmüde ist der falsche Ausdruck“. 

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