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Bastian Schweinsteiger : Älter, als der Pass verrät

Mitten im Shitstorm: Bastian Schweinsteiger Bild: dpa

Auf einmal ist Bastian Schweinsteiger Mittelpunkt einer Diskussion, die ihn als Mann von gestern dastehen lässt. Ist das ungerecht? Oder ist das Ende der Generation 2006 gekommen? Nun äußert sich auch Löw.

          5 Min.

          Jupp Heynckes hatte seine Ausführungen auf der Pressekonferenz eigentlich schon been- det, alles war gesagt über das 2:0 in Wolfsburg. Aber nach einer kurzen Pause ergriff der Bayern-Trainer wieder das Wort, er wolle noch etwas „nachtragen“: Die Sache mit Bastian Schweinsteiger lag ihm am Herzen. Heynckes schwärmte von seinem defensiven Mittelfeldmann als dem „überragenden Spieler auf dem Platz“, er nannte ihn das „Hirn der Mannschaft“ und zählte dann Schweinsteigers Vorzüge des Tages auf. Er habe das Spiel angekurbelt, sei in die Spitze gegangen, habe Diagonalbälle gespielt und sei so laufstark gewesen, zwölf bis zwölfeinhalb Kilometer seien zusammengekommen. Zudem hatte Schweinsteiger den entscheidenden Treffer zum 1:0 vorbereitet, mit über hundert Kontakten war er so oft am Ball wie kein anderer Spieler. Aber vor allem: „Er ist ein wahnsinnig intelligenter Spieler.“

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Das war am Freitagabend in Wolfsburg die letzte bayerische Reaktion auf eine Diskussion, die während der Woche wie ein Fußball-Shitstorm über München hinweggefegt war - und Schweinsteiger plötzlich wie ein Mann von gestern dastehen ließ. Einfach so.

          Wie ist das möglich? Passiert war eigentlich nichts. Schweinsteiger war auf dem Platz kein Patzer unterlaufen, er hatte sich nicht verletzt und auch nicht im Ton vergriffen. Es hatte genügt, dass sich zwei ehemalige Nationalspieler, Olaf Thon und Günther Netzer, über ihn geäußert hatten; an jenem Tag, als die Bayern 4:0 gegen Schalke gewannen, Schweinsteiger ein ordentliches Spiel machte und sein fünftes Saisontor erzielte. Aber die beiden Experten sehen seine Zeit ablaufen, sie lobten den Dortmunder Ilkay Gündogan als den kommenden Mann im DFB-Team, weil er das deutsche Spiel schneller mache. Und Schweinsteiger wurde plötzlich in einem Atemzug mit Michael Ballack genannt. Das machte ihn zum Auslaufmodell.

          Schweinsteiger versuchte in Wolfsburg die Diskussion über seine Rolle in der Nationalelf zu ignorieren. „Wir haben 18 Punkte Vorsprung. Ich habe auch meinen Anteil daran“, sagte der Anführer eines Teams, das die Liga beherrscht. „Man sollte nicht zu viel dazu sagen, die Leute sind es nicht wert.“ Die Frage jedoch, ob Schweinsteiger der richtige Mann für die WM 2014 ist, wird dennoch aus der deutschen Fußballwelt nicht mehr zu vertreiben sein. Der Bundestrainer hat es nun gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vermieden, so etwas wie eine Einsatzgarantie im defensiven Mittelfeld für einen Spieler abzugeben, auf den er noch bei der EM trotz erkennbarer Fitnessdefizite glaubte, keinesfalls verzichten zu können.

          Kontrast zwischen Heynckes und Löw

          „Bastian Schweinsteiger ist ein international sehr erfahrener Spieler mit großer Ausstrahlung und Präsenz auf dem Platz. Er hat überragende Fähigkeiten, kann ein Spiel lesen und den richtigen Takt vorgeben. Das zeigt er bei Bayern München, und das hat er oft genug in der Nationalmannschaft gezeigt. Ich gehe davon aus, dass er in den anstehenden wichtigen Qualifikationsspielen wieder zum Kreis der Nationalmannschaft gehören wird“, teilte Löw der F.A.S. mit. Aktuell gelte die volle Konzentration jedoch einzig und allein der WM-Qualifikation.

          „Aber wir haben ja stets betont, dass wir mit Blick auf ein großes Turnier daran arbeiten müssen, jede Position doppelt und möglichst gleichwertig stark zu besetzen. Ich denke, das wird uns im defensiven Mittelfeld mit Spielern wie Schweinsteiger, Khedira, Gündogan, aber auch mit Lars und Sven Bender gelingen. Grundsätzlich sehe ich den Konkurrenzkampf als sehr förderlich an, wenn man große Ziele verfolgt.“ Man kann eine gewisse Nüchternheit feststellen, mit der Löw die Dinge betrachtet. Der Kontrast zum Lob, das Heynckes schon vor dem Spiel in Wolfsburg an Schweinsteiger verteilte, könnte dabei kaum größer sein.

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