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Ballack-Löw-Debatte : Nach dem Streit ist vor dem Streit

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Hat der Kapitän Recht oder nicht?

Eine wichtige Frage bleibt in der Diskussion nämlich offen, die auch nach der Einigung zwischen Ballack und Löw nicht geklärt werden konnte: Hat der Kapitän mit seiner inhaltlichen Kritik eigentlich Recht oder nicht? Ballack hatte dem Bundestrainer vorgeworfen, seit vielen Jahren bei seinen Personalentscheidungen unehrlich und respektlos zu handeln. Er sah die Gefahr, dass durch den Verzicht auf Torsten Frings die Hierarchie der Mannschaft aus den Fugen gerate, weil jüngere Spieler womöglich die Erwartungen nicht erfüllen und am Druck scheitern könnten.

Zudem mahnte er das Leistungsprinzip bei der Auswahl der Nationalspieler an, welches aus seiner Sicht wohl nicht immer als Kriterium herangezogen würde. Nach Ballacks Interview war allerdings nur die Form seiner Meinungsäußerung kritisiert worden, etwas, was nur intern besprochen werden dürfe. Die Art und Weise, wie der deutsche Nationalmannschaftskapitän mit seiner Meinung auf den öffentlichen Markt getreten war, beschäftigte auch einige seiner Mitspieler in der Nationalelf wie Philipp Lahm, Arne Friedrich, Miroslav Klose oder Robert Enke, die das nicht guthießen.

Ballack bleibt bei seiner Kritik

Interessant deshalb, dass sich Ballack in der gemeinsamen offiziellen Erklärung nach dem Versöhnungsgespräch nur für den öffentlichen Weg und nicht die inhaltliche Kritik „entschuldigt“. Nachdem sich am Freitag die Formulierung des Papiers - anders als angekündigt - über viele Stunden hingezogen hatte, kann vermutet werden, dass nicht nur eine Parallelveranstaltung der Deutschen Fußball Liga durch die zu erwartende mediale Schlagkraft der Nachricht geschützt werden sollte, sondern die beratende Seite von Löw noch versucht haben könnte, dem Kapitän eine Rücknahme seiner Fundamentalkritik abzuringen.

Doch dessen Meinung zur Arbeit von Löw steht weiterhin. „Es ist in Ordnung, wenn Michael Ballack seine eigene Sichtweise hat“, sagt Zwanziger und nicht der Bundestrainer. „Aus dem, was ich weiß und was mir berichtet wird, sage ich aber, dass diese Kritikpunkte objektiv nicht berechtigt sind. Der Bundestrainer hat ihm diese Position in allen Fragen unmissverständlich deutlich gemacht.“

Löw kann sich nicht erlauben, die Mannschaft zu schwächen

Löw trägt die Verantwortung. Er kann sich nicht erlauben, seine Mannschaft personell zu schwächen. Sein Votum pro Ballack stärkt daher nicht nur den zwischenzeitlich von einigen Seiten abgeschriebenen Kapitän, sondern auch seine eigene Position. Ob schwacher oder neuer starker Löw, wie zuletzt diskutiert wurde - der Bundestrainer hat nicht vergessen, was er an Ballack hat - eine rationale Erkenntnis.

Der kräftige Disput ändert daran erst mal nichts. „Anders wäre es mir lieber gewesen. Aber ich bin nicht so naiv zu glauben, dass bei der Nationalmannschaft nur eine heile Welt anzutreffen ist. Es wird auch in Zukunft Spannungspotential geben. Wichtig ist, dass die Spannung in positive Energie umgewandelt wird. Und in diesem Fall gehe ich davon aus“, sagt der DFB-Präsident.

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