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Ärger um Augsburg-Trainer : „Ich war naiv, dumm oder doof“

  • Aktualisiert am

„Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe“: Augsburgs Trainer Heiko Herrlich brach die Corona-Regeln des deutschen Fußballs. Bild: dpa

Heiko Herrlich verstieß vor dem Neustart der Bundesliga gegen das Hygienekonzept – und sprach darüber noch freimütig. Dafür musste Augsburgs Trainer harsche Kritik einstecken. Nun reagiert er darauf.

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          Heiko Herrlich stand im grauen Trainingsanzug mit einem Lächeln auf dem Platz. Die peinliche Zahnpasta-Affäre? Abgehakt! „Ich war naiv, dumm oder doof, wie auch immer Sie das bezeichnen möchten“, sagte der Coach des FC Augsburg am Dienstag der „Bild“-Zeitung: „Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe. Es war gleich doppelt dumm von mir. Dass ich während der Quarantäne einkaufen war – und es in der Pressekonferenz frei heraus erzählt habe“, sagte der 48-Jährige.

          Bundesliga

          Augsburgs Manager Stefan Reuter hatte vor Herrlichs ersehnter Rückkehr trotzig betont, dass nun der „Blick nach vorne gerichtet“ sei. Über Tage hatte der neue FCA-Trainer durch seinen gedankenlosen Verstoß gegen die Quarantäne-Regeln die Schlagzeilen bestimmt. Herrlich legt Wert darauf, dass er „zu keiner Zeit gegen behördliche Hygienemaßnahmen verstoßen“ habe. Die harsche öffentliche Reaktion könne er dennoch nachvollziehen: „Es gab zu Recht Kritik. Auch den Hohn und Spott kann ich ertragen. Ich selbst hätte wahrscheinlich ebenfalls über mich geschmunzelt.“

          In der „Augsburger Allgemeinen“ äußerte er sich ähnlich: „Du kannst dich nach Fehlern ewig selbstbemitleiden. Ich habe aber eine hohe Frustrationstoleranz. Wichtig ist, nach Negativerlebnissen schnell umzuschalten, daraus zu lernen, ihn nicht noch einmal zu machen und sich zu fokussieren.“

          Der Trainer hatte in der Vorbereitung auf die Partie gegen den VfL Wolfsburg (1:2) gegen die Hygienevorgaben der Deutschen Fußball Liga (DFL) verstoßen, als er zum Kauf von Hautcreme und Zahnpasta das Hotel verließ. Von seinem Vorgehen hatte er selbst auf der Pressekonferenz vor dem Spiel berichtet. Infolgedessen verzichtete der Coach freiwillig auf sein Debüt. „Ich wollte von der Skurrilität der Szene erzählen, weil ich so im Tunnel der Spielvorbereitung war. Mir wurde aber dann klar, dass ich gegen die Quarantäne-Maßnahmen der DFL verstoßen habe“, erklärte Herrlich.

          Jetzt soll beim angeschlagenen Fußball-Bundesligaverein aber endlich wieder Normalität einkehren. Nach zwei negativen Corona-Tests leitet Herrlich seit Montag wieder die Übungseinheiten der Schwaben – und er hat genug zu tun. Nach dem jüngsten 1:2 gegen Wolfsburg, das Herrlich von der Tribüne aus verfolgte, beträgt der Vorsprung der Augsburger auf den Relegationsplatz nur noch vier Punkte. Der Druck nach acht Niederlagen aus den vergangenen zehn Spielen wächst vor den Spielen am Sonntag (13.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) bei Schalke 04 und drei Tage später gegen Schlusslicht SC Paderborn.

          Herrlich, der im März den Trainerjob in Augsburg kurz vor der Corona-Pause von Martin Schmidt übernommen hatte, sollte nach seinem unrühmlichen Einstand liefern, um nicht frühzeitig noch mehr Kredit zu verspielen. Dass Herrlichs Ansehen in der Mannschaft durch seinen Quarantäne-Fauxpas schon jetzt gelitten haben könnte, glaubt Reuter nicht: „Heiko genießt hohe Akzeptanz.“ Dies unterstrich auch Profi Philipp Max: „Wir hatten eine richtig gute Zeit bis jetzt. Wir sind alle froh, wenn er wieder auf der Bank sitzt.“

          Die Hoffnungen sind groß, dass Herrlich, der in der Vorbereitung auf die Partie gegen Wolfsburg das Hotel wegen des Einkaufs von Hautcreme und Zahnpasta verlassen hatte, die Trendwende einleitet. Noch geben sich die Augsburger trotz der prekären Lage gelassen. Er mache sich „gar keine Gedanken, das hat nicht viel zu sagen“, sagte Torwart Andreas Luthe nach der Wolfsburg-Pleite.

          Dennoch: Die Ursachenforschung ist in vollem Gange. Man müsse „die einfachen Fehler vermeiden“, betonte FCA-Profi Eduard Löwen. Auch Reuter bemängelte nicht zum ersten Mal in dieser Saison „Nachlässigkeiten“. Dass der FCA diese abstellt, ist nun Herrlichs Auftrag. Und der gab sich kämpferisch: „Wenn Sie wissen wollen, ob ich noch am Boden liege, mir Blut aus der Nase läuft wie einem angeschlagenen Boxer: Nein! Ich bin in guter Verfassung“, versicherte Herrlich.

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