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1:1 gegen Hannover : Große Aufregung um Videobeweis in Mainz

Der tiefe Fall von Jean-Philippe Mateta: Klare Schwalbe im Strafraum. Bild: EPA

Wiederauferstehung der Konzessionsentscheidung im Zeitalter des Videobeweises. Beim 1:1 zwischen Mainz und Hannover sorgen der Schiedsrichter und der Kölner Keller für Wirbel.

          Der Videobeweis wirft in der Fußball-Bundesliga immer neue Fragen auf: Was passiert mit einer Gelben Karte für einen Torjubel, in dessen Zuge der vermeintliche Siegtorschütze sein Trikot auszieht, wenn das Tor anschließend aberkannt wird? Müsste die Verwarnung für den Mainzer Stürmer Anthony Ujah nach dessen vermeintlichem Siegtreffer beim tatsächlich mit 1:1 endenden Spiel seines FSV Mainz 05 gegen Hannover 96 dann nicht auch zurückgenommen werden?

          Die Frage ist natürlich polemischer Natur: Von der Regel her ist die Verwarnung gedeckt, da ein Spieler in keiner Situation mit blankem Oberkörper auf dem Platz geduldet wird. Aber Ujahs Mannschaftskamerad Daniel Brosinski hätte dann doch noch eine Forderung: „Man hätte dann eben den Videoschiedsrichter vorher dreimal vom Platz stellen müssen“, sagte er im Scherz.

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          Ohne den Videoassistenten wäre auch Ujah schließlich ohne Gelbe Karte davon gekommen und Mainz 05 hätte ein Spiel in der achten Minute der Nachspielzeit für sich entschieden. Freilich zu Unrecht: Denn Ujah befand sich tatsächlich wenige Zentimeter im Abseits. Einmal lag der Videoassistent also richtig an diesem Tag. Der tosende Jubel im Mainzer Stadion verwandelte sich deshalb gut eine Minute nach dem vermeintlichen Siegtreffer in fassungsloses Entsetzen und endgültige Verzweiflung ob der Sinnhaftigkeit des Videobeweises. „Es mag in dieser Situation zu mehr Gerechtigkeit geführt haben. Aber ob das alles unserem Sport gut tut, weiß ich nicht“, sagte Stefan Bell. Der Mainzer Kapitän ist seit Einführung des Videoassistenten der klaren Ansicht, dass man früher mit Fehlentscheidungen besser leben konnte als heute mit den Entscheidungen aus Köln.

          Tatsächlich lieferte die Begegnung, die zudem kurz nach Wiederanpfiff wegen im 96-Fanblock gezündeter Rauchfackeln für sechs Minuten unterbrochen werden musste, ein weiteres dieser verwirrenden Kapitel in der merkwürdigen Missverständnis-Geschichte zwischen der Bundesliga und der eigentlich im Dienste der sportlichen Gerechtigkeit agierenden Institution im Kölner Keller.

          Es ging um zwei Entscheidungen: In Halbzeit eins bekamen die Mainzer trotz Konsultation des Videoassistenten von Schiedsrichter Robert Hartmann keinen Handelfmeter zugesprochen, obgleich das Vergehen von Kevin Wimmer recht offensichtlich war: Er lenkte den Ball nach einem Schuss des Mainzers Brosinski per Kopf an die eigene Hand, wodurch große Torgefahr verhindert wurde. In der 87. Minute aber gab es Elfmeter, obgleich der Sturz von Jean-Philippe Mateta nach Ansicht der Fernsehbilder wie eine klare Schwalbe erschien, auch wenn der Mainzer Stürmer selbst dieser Ansicht widersprach und auf einen Rempler seines Gegenspielers Matthias Ostrzolek im vollen Lauf verwies. Dieses Mal aber hatte niemand aus Köln interveniert.

          Pech gehabt, Ujah: Die Gelbe Karte fürs Trikot ausziehen zählt, auch wenn das Tor nicht gegeben wurde.

          Erlebten die nur 23.305 Besucher im Mainzer Stadion sowie natürlich etwas besser informiert die Fernsehzuschauer die Wiederauferstehung der Konzessionsentscheidung im Geiste des Videobeweises? Jene gute alte Gepflogenheit im Fußball, gemäß der ein Schiedsrichter eine ihm im Nachhinein zu Bewusstsein gekommene Fehlentscheidung durch einen späteren Elfmeter zu korrigieren versuchte, schien ja eigentlich ausgeschlossen durch die letzte Instanz des Videoassistenten.

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