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2:2 in Augsburg : Aufholjagd der Eintracht

„Der Torwart kam nicht raus, da habe ich ihn reingemacht“: Kapitän Alex Meier rettet seiner Eintracht einen Punkt Bild: Heiko Rhode

Frankfurt sorgt wieder für Spektakel. Die Eintracht ist in Augsburg früh auf der Verliererstraße, ehe sie die Abzweigung zum Comeback findet. Einmal mehr krönt Alex Meier die Aufholjagd. Augsburg sorgt für ein Novum in dieser Saison.

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          Heribert Bruchhagen wusste kaum, wie ihm geschah. „Es ist nur schwer erklärlich, ein solches Spiel zu verfolgen, wenn man in der Verantwortung steht“, sagte der Vorstandschef der Frankfurter Eintracht am Ende eines kuriosen Fußballspiels, in der sich seine Mannschaft trotz einer desaströsen ersten Halbzeit über den Gewinn eines Punktes freuen konnte.

          „Kevin Trapp hat uns im Spiel gehalten“, sagte Bruchhagen am Sonntag nach dem 2:2 der Eintracht beim FC Augsburg. Trapp war in seinem 100. Bundesligaspiel der einzige Frankfurter, der sich von Anfang bis Ende in einer ordentlichen Verfassung präsentierte.

          An beiden Augsburger Gegentoren, erzielt durch Ragnar Klavan (7.) und Raul Bobadilla (37.), war der 24 Jahre alte Eintracht-Kapitän ebenso machtlos wie sein Augsburger Pendant Alexander Manninger, der sich in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit erstmals geschlagen geben musste. Nach einem Freistoß von Takashi Inui bot sich Stefan Aigner die unverhoffte Möglichkeit, aus kurzer Distanz den wichtigen Anschlusstreffer zu erzielen.

          „Dieses Tor hat uns Aufwind gegeben“, sagte Aigner später, als sich die Eintracht über ein Remis freuen durfte, das sich nach dem ersten Spielabschnitt zu keiner Phase angedeutet hatte. „Wie so etwas passieren konnte, kann ich auch nicht erklären“, sagte Aigner achselzuckend. „Vor vier Tagen erst hatten wir noch gegen Wolfsburg eine überragende Leistung abgeliefert.“

          Da schien die Messe gesungen: Augsburgs Raul Bobadilla (M) erzielt das 2:0 gegen Frankfurts Marco Russ und Torwart Kevin Trapp Bilderstrecke
          Da schien die Messe gesungen: Augsburgs Raul Bobadilla (M) erzielt das 2:0 gegen Frankfurts Marco Russ und Torwart Kevin Trapp :

          Die Eintracht in Augsburg - das sind bislang ernüchternde Angelegenheiten gewesen, denn stets gab es Niederlagen. Auch beim dritten Versuch, dem FCA ein Bein zu stellen, gab es zunächst keine Indizien für eine Besserung. Fast jeder zweite Angriff der Schwaben brachte die Hessen in höchste Gefahr. Schlimm dabei: Wieder waren es viele Fehler und Unzulänglichkeiten im Defensivverhalten, die dem Gegner Tür und Tor öffneten. „Das sind alles Dinge, die man abstellen kann“, versicherte Trapp später.

          Der Kapitän, der während der Woche noch mit seiner Vertragsverlängerung bis zum 30. Juni 2019 ein Zeichen pro Eintracht setzte, sah in der Analyse eine „Kettenreaktion von Fehlern“, die seine Mannschaft früh in Rückstand und damit in arge Bedrängnis brachte. „41 Gegentore, das ist schon ein Brett“, sagte Trapp. 41 Gegentore - das ist zugleich mit Werder Bremen die Negativmarke der Liga.

          Dass sich die 2000 nach Augsburg mitgereisten Eintracht-Fans nach peinlicher erster Halbzeit doch noch über ein versöhnliches Happy End freuen konnten, lag an der Kaltschnäuzigkeit von Alexander Meier. Der beste Bundesliga-Schütze, der nach der Pause spürbar besser und präsenter war, zeigte seine ganze Klasse nach einer Vorlage von Carlos Zambrano, die eigentlich als Befreiungsschlag gedacht war. Doch als der Ball plötzlich im Lauf von Meier auftauchte und dieser freie Bahn hatte, nahm er zielstrebig Kurs auf das Augsburger Tor und schob rechts unten zum 2:2 ein (70.).

          „Der Torwart kam nicht raus, da habe ich ihn reingemacht“, sagte Meier in der für ihn typischen Diktion. Natürlich überwog bei Eintracht-Trainer Thomas Schaaf die Erleichterung, dass es noch zu einem Remis reichte. „Aber über die ersten 45 Minuten habe ich mich schon mächtig geärgert. Wir waren viel zu harmlos in den Zweikämpfen und haben uns überhaupt nicht gewehrt.“ Was genau Schaaf dann in der Halbzeitpause seinen Spielern sagte, wollte der Coach später nicht verraten. Nur so viel: „Man kann viel sagen und es trotzdem kompakt vortragen.“

          Tatsache war nämlich: Viel früher als die Augsburger kehrten die Frankfurter nach ihrer kurzen Halbzeitansprache auf den Platz zurück und signalisierten dadurch ihre Bereitschaft, es diesmal mit einer besseren Ordnung und einer besseren Spielanlage besser zu machen. „Meine Mannschaft hat gezeigt, dass sie Qualität hat und diese auch in eine andere Richtung bringen kann“, lobte Schaaf das Wendemanöver. „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir heute schließlich gegen eine gute Mannschaft gespielt haben.“

          Gegen den „kleinen“ FC Augsburg, der sich gerne klein macht, seit Wochen schon in der Bundesliga groß rauskommt und nach zwanzig Spielen immer noch Vierter ist. Die Eintracht rangiert fünf Plätze dahinter. „Wir haben heute viel, viel falsch gemacht“, sagte Schaaf. Immerhin: Ein Unentschieden beim Angstgegner Augsburg hatte es zuvor noch nicht gegeben.

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