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Bayer Leverkusen : Auf ein Neues für Peter Bosz

Der neue Mann bei der Werkself: Peter Bosz ist zurück in der Bundesliga. Bild: dpa

Der erste Job bei Borussia Dortmund endete nach weniger als einem Halbjahr: Im zweiten Anlauf soll Peter Bosz nun das Potential von Bayer Leverkusen zur Entfaltung bringen.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Es hat an Peter Bosz genagt, dass die meisten Freunde der Bundesliga ihn vor allen Dingen als Verantwortlichen für ziemlich düstere Wochen mit Borussia Dortmund in Erinnerung behalten haben: das schmerzliche 4:4 gegen Schalke 04, in dem eine 4:0-Führung verspielt wurde; die sagenhaft schlechte Gruppenphase in der Champions League mit nur zwei Punkten aus sechs Spielen; mit den beiden 1:1 gegen Apoel Nikosia, und einen frappierenden fußballerischen Zerfall im Herbst 2017. „Die Menschen hier haben noch nicht den richtigen Peter Bosz gesehen“, sagte der 55 Jahre alte Holländer nun am Freitag bei seiner Vorstellung als neuer Trainer von Bayer 04 Leverkusen, „ich wollte zurück in die Bundesliga, ich war noch nicht fertig hier.“

          Als Nachfolger des kurz vor Weihnachten beurlaubten Heiko Herrlich soll Bosz in den kommenden Monaten die brach liegenden Potenziale des als hochbegabt geltenden Kaders um die Nationalspieler Jonathan Tah, Julian Brandt und Kai Havertz zur Entfaltung bringen. „Peter steht für offensiven und attraktiven Fußball“, sagte Sportdirektor Simon Rolfes, der Werksklub habe viele Spieler, die prädestiniert seien für genau diesen Stil. Die Verantwortlichen hoffen, nach der tristen Bundesliga-Vorrunde nicht nur erfolgreicher, sondern auch wieder schön und unterhaltsam zu spielen.

          Schon vor eineinhalb Jahren war Bosz einmal Wunschtrainer der Leverkusener, damals hatte es Sondierungsgespräche gegeben, doch der achtmalige niederländische Nationalspieler entschied sich für das Angebot von Borussia Dortmund. Seit diesem ersten Kontakt habe er die Leverkusener durchgehend „mehr als normal“ beobachtet und sich viele Spiele angesehen, erzählte der Fußball-Lehrer. Mit der Mannschaft ist er also offenbar bestens vertraut. „Ich bin froh, künftig bei so einem Verein zu spielen und mit Spielern zu arbeiten, die sehr interessant sind“, sagte Bosz.

          Sturheit als Schwäche?

          Der Leverkusener Kader hat in der Tat Ähnlichkeiten mit dem jungen Team von Ajax Amsterdam aus dem Jahr 2017, das Bosz seinerzeit ins Finale der Europa League führte. Vor allem den Viertelfinalpartien gegen den FC Schalke hatten die Holländer damals einen mitreißenden Pressingfußball gespielt – eine Spielweise, die in Dortmund nicht mehr so gut funktionierte. Als er am Freitag darum gebeten wurde, Fehler zu nennen, die er beim BVB gemacht habe, antwortete er: „Das kann ich, das will ich aber nicht machen.“ Nach einem furiosen Saisonbeginn hatten viele Experten ihm vorgeworfen, an seiner riskanten Spielweise festzuhalten, obwohl dieser Ansatz immer schlechter funktionierte und Spieler wie der Abwehrchef Sokratis sich immer heftiger weigerten, dem Trainer und seinen Ideen zu folgen.

          Drei Männer mit Schal: Sportdirektor Simon Rolfes (l.), der neue Trainer Peter Bosz und Sportgeschäftsführer Rudi Völler (r.)

          Diese Sturheit könnte eine Schwäche sein, wobei die BVB-Episode in Boszs Karriere nur sehr schwer zu bewerten ist. In jenen Monaten litten viele Spieler noch an den Folgen des Sprengstoffanschlages auf den Mannschaftsbus. Zudem hatte Ousmane Dembélé sich gerade aus seinem Vertrag gestreikt, Pierre-Emerick Aubameyeang wollte auch unbedingt weg, der Kader war durchfurcht von Konfliktlinien. Die Verantwortung des Trainers lässt sich in diesem Kontext kaum isoliert betrachten.

          Klar ist aber, dass viele Leverkusener das von Bosz präferierte bedingungslose Nach-Vorne-Verteidigen aus der Zeit mit Roger Schmidt kennen. Die Vorstellungen von Bosz und Schmidt seien zwar „nicht deckungsgleich aber ähnlich und auf diesen Fußball wollen wir wieder bauen“, sagte der Leverkusener Sportvorstand Rudi Völler.

          Parallelen gibt es in der Tat beim Offensivpressing, die ganze Mannschaft schiebt in entsprechenden Situationen weit nach vorne, was die Chance bietet, durch frühe Balleroberungen zu eigenen Gelegenheiten zu kommen. Der Nachteil: Geschickte Konter-Teams finden immer wieder große Räume für Gegenangriffe. In der Herangehensweise im eigenen Spielaufbau unterscheiden die beiden Trainer sich hingegen deutlich. Während Schmidt gerne lange Bälle schlagen ließ, um Profit aus dem anschließenden Balleroberungs-Chaos zu schlagen, lässt Bosz seine Teams schnellen Kombinationsfußball spielen.

          Sein großer Mentor war die mittlerweile verstorbene holländische Fußballikone Johann Cruyff, mit dem er in dessen letzten Lebenswochen intensive Fachgespräche führte. Aber solche Geschichten erzählt er nur ungern, der öffentliche Peter Bosz wirkt immer irgendwie glatt, ungreifbar. Größere Interviews hat er in Deutschland bisher nicht gegeben, man ahnt: Da muss es noch mehr geben. Aber was? In den Versuchen, sich diesem Mann zu nähern wird gerne das Filmchen zitiert, in dem er sich 2016 von seiner Nichte, der erfolgreichen Youtuberin BeautyNezz, interviewen ließ. Da wirkt Bosz wie ein sanfter Familienmensch, der von seiner Vorliebe für Vanille-Eis berichtet. Ansonsten formuliert er viele Sätze mit wenig Aussagekraft: „Guter Fußball ist, wenn die Fans sich amüsieren“, oder: „Ich weiß, wo ich hin will, aber das geht nur Schritt für Schritt.“ Die großen Geschichten will er auf dem Platz erzählen.

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