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Bundesliga-Kommentar : Kulturlos gegen Leipzig

Unter den vielen Plakaten gegen Leipzig waren auch viele geschmacklose. Bild: EPA

Dortmund gegen Leipzig – das ist nun mal nicht Kult versus Kommerz, auch wenn das viele gern so sehen möchten. Und die rohen Attacken wie die geschmacklosen Plakate unterschritten jedes akzeptable Niveau.

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          Die erste Entscheidung der Saison ist schon gefallen. Nicht, dass man diesen 19. Spieltag dafür noch hätte abwarten müssen – aber das direkte Aufeinandertreffen zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig lieferte noch einmal reichlich Anschauungsmaterial dafür, dass der Bundesliga hier in Rekordzeit eine neue Lieblingsfeindschaft erwachsen ist. Leider allerdings waren darunter auch reichlich verstörende Bilder.

          Während der Woche hatte man noch leise hoffen dürfen, dass der angekündigte Dortmunder Großprotest gegen das aus tiefstem Herzen abgelehnte Leipziger Modell zumindest eine kreative, vielleicht sogar eine spielerische Note annehmen würde. Denn ist nicht gerade der Dortmunder Reichtum an Tradition, Erfolgen und Strahlkraft auch eine Basis für gesundes Selbstbewusstsein und eine gewisse Nonchalance gegenüber einem neureichen Emporkömmling?

          Die Realität zeigte jedoch eine Auseinandersetzung, die jedes akzeptable Niveau unter- und zugleich Grenzen deutlich überschritt. Das betraf nicht nur die rohen und rücksichtslosen Attacken vor dem Stadion, über deren Aggressionslevel sich sogar die Polizei erschrocken zeigte. Das galt auch für manches der auf der Südtribüne zur Schau gestellten Transparente. Was hier zu lesen war, ließ sich nicht als Geschmacklosigkeit abtun, das war Gewalt mit Worten.

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          Die Dortmunder Verantwortlichen ließen sich am Sonntag reichlich Zeit, ehe sie sich auch davon explizit distanzierten. Dabei war es dringend geboten – sonst wäre der Eindruck geblieben, dass Herabwürdigungen und Verletzungen jeder Art, nicht zuletzt jene gegenüber dem Leipziger Sportchef Rangnick („Burnout Ralle: Häng dich auf!“), beim BVB noch als Randausläufer einer urtümlichen Fußballkultur toleriert werden, als deren Gralshüter sich die Dortmunder gern sehen.

          Man kann sich mit manchem, was da aus der Dose kommt, kritisch auseinandersetzen: dem nur notdürftig kaschierten Leipziger Großmannsgestus, der fragwürdigen Grenzgänger-Ideologie, mit der Red Bull einer ganzen Jugendgeneration den Kick geben möchte, bis hin zum klebrigen Gefühl, das der Konsum mitunter hinterlässt. Aber Dortmund gegen Leipzig – das ist nun mal nicht Kult versus Kommerz, auch wenn das viele gern so sehen möchten. Und sich dabei offenbar nicht mehr daran erinnern (wollen), dass es der BVB war, der als erster deutscher Klub den einträglichen Weg an die Börse suchte.

          Zwischen all diese ideologischen Fronten war irgendwie auch Thomas Tuchel geraten. Zweifellos war es nicht die feine Art, dass Oliver Mintzlaff, der RB-Fußballboss, in einem Interview sagte, er sei froh, dass Tuchel nicht Trainer in Leipzig geworden sei. Tuchel wiederum arbeitete sich mit der ihm eigenen Kleinteiligkeit an den Umständen ab, die den Leipziger Erfolg in dieser Saison seiner Meinung nach begünstigten.

          Dass die Freude am Samstag so ekstatisch (und auch gestenreich) aus ihm herausbrach, hatte aber wohl vor allem hausgemachte Gründe. Tuchel war in der Druckkammer Dortmund selbst ins Pressing geraten – und machte nun seinen Gefühlen Luft. Mancher Tuchel-Kritiker war versucht, selbst dahinter ein gewisses Kalkül zu vermuten. So wirkte es nicht. Als gesichert durfte etwas anderes gelten: Dass Tuchels Strategie (in der Mario Götze nicht die geringste Rolle spielte) zwar nicht jedem opportun schien – aber die goldrichtige war.

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