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Zweitliga-Erster Bielefeld : Die Arminia bastelt an ihrem kleinen Wunder

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Starkes Arminen-Duo: Andreas Vogelsammer (rechts) bejubelt ein Tor mit Sturmkollege Fabian Klos (Mitte) Bild: dpa

Der HSV und der VfB Stuttgart haben derzeit das Nachsehen in der zweiten Bundesliga. Von ganz oben grüßt ein fast vergessener Klub aus Ostwestfalen. Arminia Bielefeld kann sich vor allem auf das Sturmduo Klos/Voglsammer verlassen.

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          5:1 beim Absteiger 1. FC Nürnberg gewonnen und mit einer Demonstration der eigenen Stärke auf Platz eins der Zweiten Fußball-Bundesliga geklettert: Da gibt’s nichts zu meckern, oder? Uwe Neuhaus, der Trainer des DSC Arminia Bielefeld, fand trotzdem noch ein, zwei Dinge, an denen er mit väterlicher Autorität herumkrittelte: „Wir waren am Anfang nicht sicher, nicht so souverän“, sagte er nach dem Triumph seiner Mannschaft im Max-Morlock-Stadion. Und: „So gut es auch sein mag, ein bisschen Luft nach oben im Bereich Souveränität und Klarheit im Spiel sehe ich schon noch bei uns.“ Wohl dem, der so reden kann und seit Sonntag die Tabelle vor den Aufstiegsfavoriten Hamburger SV und VfB Stuttgart anführt.

          Seit der Perfektionist Neuhaus die Arminia am 10. Dezember 2018 von seinem lange erfolgreichen, am Ende aber glücklosen Vorgänger Jeff Saibene übernommen hat, schreiben der 59 Jahre alte Fußballlehrer und seine Spieler eine Erfolgsgeschichte, die durch eine Fülle von Siegen und konstant starken Leistungen geprägt ist. Dass die Ostwestfalen zehn Jahre nach dem letzten ihrer sieben Bundesliga-Abstiege auf dem Weg zurück dorthin sind, wo sie 17 Jahre lang heimisch waren, ist das Ergebnis eines sorgsamen sportlichen Wiederaufbaus, ins Werk gesetzt vom Sportgeschäftsführer Samir Arabi, und einer wirtschaftlichen Regeneration, für die der kaufmännische Geschäftsführer Markus Rejek steht.

          Er hat den jahrelang hochverschuldeten Klub mit Hilfe des von ihm geschmiedeten Bündnisses Ostwestfalen, eines Zusammenschlusses führender Unternehmen aus der Region, saniert und damit auf ein wirtschaftlich neues Niveau gehoben. Den letzten Anstoß gab dann Neuhaus, der aus den Bielefeldern eine spielstarke Mannschaft formte, die von dem Bewusstsein geleitet wird, Großes erreichen zu können und sich dabei die Sinne nicht vernebeln zu lassen.

          18 von 29 Saisontoren durch „Klosammer“

          Beispielhaft für die jüngste Erfolgsgeschichte ragen die beiden treffsichersten Stürmer der zweiten Liga heraus: Der 31 Jahre alte Fabian Klos, der die Torschützenliste mit zehn Treffern und zwei Assists anführt, und der vier Jahre jüngere Andreas Voglsammer, der es bisher auf acht Tore und vier Torvorlagen brachte. Der mit einem untrüglichen Torinstinkt gesegnete niedersächsische Frontmann Klos, seit 2011 in diesem Verein heimisch, ist längst zu einer Ikone des größten ostwestfälischen Klubs aufgestiegen, weil er nie, selbst in den Jahren, da der Deutsche Sport-Club in die dritte Liga abgerutscht war, mit einem Wechsel kokettiert hat.

          Seit Jahren abschlussstark: Fabian Klos blieb Bielefeld erhalten.

          Der Oberbayer Voglsammer, seit Anfang 2016 in Bielefeld, ist wie sein 1,94 Meter langer Kollege Klos „gelernter“ Mittelstürmer und fühlt sich mit seinem athletischen Durchsetzungsvermögen inzwischen auf der Linksaußenposition genauso wohl. Die beiden wuchtigen Angreifer verbindet ein synchrones Verständnis für die Momente, in denen es ernst wird im Spiel. Schon nach 15 Minuten führte die Arminia in Nürnberg 3:0, und Klos, der später noch einen Treffer schoss, wie Voglsammer gehörten wieder einmal zu den Torschützen.

          Die beiden zusammen haben 18 der 29 bisherigen Arminen-Tore erzielt. Längst sind die zwei begierig darauf, demnächst auch in der Bundesliga ihren Fußabdruck zu hinterlassen. Freunde sind sie nicht, dafür aber allerbeste Partner am Arbeitsplatz Trainingsgelände und Stadion. Klos nennt den im Training wie im Fitnessstudio gestählten Voglsammer voller Bewunderung eine „Maschine“, und der Maschinenmensch macht dem Kapitän und unumstrittenen Anführer der Arminia aus fester Überzeugung das Kompliment, dass „Fabi“ wahrscheinlich einer der besten Zweitligastürmer sei, die es je gegeben habe.

          Seit kurzem werden die beiden Topscorer in Bielefeld namentlich schon zu „Klosammer“ verschmolzen. Angst vor ihren Gegenspielern kennen sie nicht, und ein Höhenkoller ob des Tabellenrangs mit besten Aussichten auf die nahe Bundesliga ist bei ihnen schon gar nicht zu erwarten. Das sind gute Aussichten für die Arminia.

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