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Armin Veh und Mirko Slomka : Zwei Hoffnungszeichen für den deutschen Fußball

Strahlemann Armin Veh greift mit dem VfB nach den Sternen Bild: dpa

Egal, wer am Samstag den Meistertitel holt: Die Trainer Armin Veh und Mirko Slomka gehören zu den Gewinnern dieser Bundesliga-Saison. In Stuttgart und auf Schalke setzt man mit ihnen auf klare Konzepte statt auf große Namen. Bundestrainer Löw lobt die beiden Aufsteiger - und profitiert von ihnen.

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          Die Planungen bei Schalke 04 für die kommende Saison lassen nicht lange auf sich warten. Schon am Montag, zwei Tage nach dem Finale dieser Spielzeit, werden sich Trainer Mirko Slomka und Manager Andreas Müller zusammensetzen, um gemeinsam sportlich Bilanz zu ziehen und die Strategie festzulegen, um dann vielleicht in der kommenden Saison - fünfzig Jahre nach dem letzten Titelgewinn - die Schale endlich wieder nach Schalke zu holen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Den großen Traum dagegen, die meisterlose Zeit womöglich schon am Samstag im Fernduell gegen den VfB Stuttgart zu beenden, hat Slomka eigentlich aufgegeben. Er sagt zwar, dass sich seine Jungs gegen Arminia Bielefeld noch mal „zerreißen“ würden, aber mehr als eine „kleine Restchance“ sieht er angesichts von zwei Punkten Rückstand nicht mehr. „Wir machen uns doch langsam lächerlich, wenn wir schon wieder auf ein Wunder hoffen“, sagt er.

          „Ich hoffe, dass ihre Erfolge ein Zeichen sind“

          Auch wenn für Schalke am Samstag wieder mal wie zu erwarten nur der Trostpreis übrigbleiben sollte: Mirko Slomka wird trotzdem einer der großen Gewinner dieser Saison sein - genau dasselbe gilt für seinen Kollegen Armin Veh: auch dann, wenn der VfB im Heimspiel gegen Energie Cottbus an sich selbst scheitern sollte. „Auch wenn das ein langweiliger Spruch ist: Abgerechnet wird am Schluss. Der Titel gehört uns noch nicht“, sagt Veh.

          Unerwartetes Erfolgsduo: Veh und Manager Horst Heldt

          „Ich hoffe, dass die Erfolge von Slomka und Veh ein Zeichen sind“, sagt Bundestrainer Joachim Löw über die Arbeit der beiden Trainer, die zu Saisonbeginn als Wackelkandidaten gehandelt wurden - und Meisterkandidaten formten. „Sie hatten nicht den großen Namen, aber sie haben eine Philosophie und eine klare Strategie, die sie umsetzen“, sagt der Bundestrainer. „Sie arbeiten innovativ, ihre Mannschaften spielen offensiv und attraktiv, und beide Trainer haben gute Kommunikationsfähigkeiten.“

          „Darauf haben wir besonders den Fokus gerichtet“

          Die Parallelen zur Nationalmannschaft und Löws eigener Entwicklung sind dabei nicht zu übersehen. Der Bundestrainer hatte wie Slomka erst als Assistent gearbeitet - und wie Veh entwickelte er über die Jahre seine präzisen Vorstellungen vom Offensivfußball bei Klubs weiter, die nicht zu den allerersten Adressen gehören.

          In seinen Gesprächen mit Veh und Slomka, mit denen Löw ein „gutes Verhältnis“ verbindet, ist es für den Bundestrainer immer wieder eine Freude, wenn er von ihren „klaren Vorstellungen, wie sie trainieren und spielen lassen wollen“, hört - „und man spürt, dass sie ein offenes Verhältnis zu ihren Spielern pflegen“. Als wichtigen Indikator für die erfolgreiche Arbeit eines Trainers betrachtet Löw, wie sich die einzelnen Spieler einer Mannschaft entwickeln. In Stuttgart und Schalke sei das geradezu vorbildlich gelungen. „Darauf haben wir besonders den Fokus gerichtet - und es ist sehr erfreulich, wie sich die Spieler entwickelt haben“, sagt er.

          „Vor einem Jahr stand er noch sehr in der Kritik“

          Beim VfB ist Löw, der die Schwaben selbst einmal trainierte, vor allem von den Fortschritten von Mario Gomez, Thomas Hitzlsperger, Roberto Hilpert und Serdar Tasci angetan. „Gomez war vor einem Jahr eher unerfahren und in seiner Form schwankend. Er ist zu einem Torjäger mit Stabilität geworden. Hitzlsperger hat sich als Führungsspieler etabliert. Vor einem Jahr stand er noch sehr in der Kritik“, sagt der Bundestrainer.

          Bei Schalke macht Löw die positive Entwicklung und die erfolgreiche Arbeit von Slomka vor allem an zwei Namen fest: an Christian Pander und Kevin Kuranyi. „Christian Pander ist nach seiner langen Verletzung wieder integriert. Er hat enormes Potential. Kevin Kuranyi hat eine sehr gute Saison gespielt und entscheidende Tore erzielt. Er hat jetzt eine gute Ausstrahlung. Er zieht die Mannschaft mit und treibt sie an.“ Das sind genau jene Fähigkeiten, die Löw und Klinsmann vor der Weltmeisterschaft bei dem Schalker Stürmer vermissten - und ihn deshalb nicht nominierten.

          Slomka: „Dann wäre ich wohl nicht mehr hier“

          Slomka hat in Schalke unter besonders schwierigen Bedingungen sein Erstlingswerk begonnen. Er galt als Nachfolger von Rangnick ebenso als Übergangslösung wie Veh in Stuttgart, und als er den etablierten Torwart Frank Rost durch den gerade 20 Jahre alten Manuel Neuer ersetzte, war das seine wohl wichtigste, aber zunächst auch umstrittenste Entscheidung. Der Trainer traf damit nicht nur eine sportlich richtige Entscheidung. Er entschied damit auch den Machtkampf zwischen Rost und Kapitän Bordon. Er stärkte damit die Fraktion des Brasilianers - und damit auch sich selbst.

          Wenn Neuer die Erwartungen nicht erfüllt hätte, so Slomka, „dann wäre ich wohl nicht mehr hier“. Veh hatte dagegen nur einen schwachen Start in die Liga zu verkraften, aber das reichte, um ihn in den Wettbüros auf den ersten Platz bei den Kandidaten für eine Trainerentlassung zu setzen. „Es war vorbildlich, dass die Vereine an ihren Trainern festgehalten haben, dass sie auch in einer Phase, wo es nicht positiv gelaufen ist, auf Kontinuität gesetzt haben“, sagt Löw.

          „Die Dichte in der Bundesliga ist größer geworden“

          Diese Haltung der Klubs, nicht sofort bei ersten Widerständen einzuknicken, macht dem Bundestrainer auch Hoffnung auf die Zukunft. „Die Vereine, die jetzt vorne sind, stehen für eine gute Ausbildung und besitzen Konstanz, was ihre Trainer betrifft“, sagt Löw. Er bezieht dabei natürlich ausdrücklich die Bremer und Thomas Schaaf mit ein, die noch an Schalke vorbeiziehen können.

          Der Bundestrainer glaubt mit Blick auf die kommende Saison, dass durch die Entwicklung bei Stuttgart und Schalke „die Dichte in der Bundesliga größer geworden ist“, die Konkurrenz für die Bayern auch dauerhaft stärker. Für die Nationalmannschaft jedenfalls sei es ideal, „wenn im nächsten Jahr drei Teams mit jungen Spielern in der Champions League vertreten sind“, sagt Löw. Bei aller Spannung im Bundesligafinale - „der internationale Wettbewerb ist für die jungen Spieler nun mal besonders wichtig“.

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