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Armin Veh : Tempomacher vom Main

Mut zur Offensive: Armin Veh und die Eintracht sind noch ungeschlagen Bild: Wonge Bergmann

Aufstiegstrainer Armin Veh hat der Frankfurter Eintracht den Mut zur Offensive verordnet. Vor dem Spiel in Gladbach (15.30 Uhr) stürmt er in Regionen der Tabelle vor, die an bessere Zeiten am Main erinnern.

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          Armin Veh geht in Deckung. „Dieser ganze Hype, das ist doch Wahnsinn!“ Der Mann, der im Normalfall auskunftsfreudig ist, hat in diesen Tagen weder Lust noch Zeit für große Worte. „Das ist mir alles viel zu viel“, sagt der Trainer der Frankfurter Eintracht. Seitdem der Aufsteiger die Bundesliga aufmischt, nach sechs Spieltagen und sechzehn gewonnenen Punkten noch immer ungeschlagen auf Platz zwei steht, geht es rund bei der Eintracht. „In der zweiten Liga hat sich niemand für uns interessiert. Doch wenn jetzt neun Kameras alleine schon beim Training stehen, muss ich bremsen.“

          „Schwachsinn!“

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Natürlich ist die selbst auferlegte Pause Kalkül. Der 51 Jahre alte Fußballlehrer will sich, vor allem aber seine Mannschaft vor allzu viel Trubel und Hektik schützen. „Wir müssen vorsichtig sein“, sagt er. Der Trainer, seit 22 Jahren fester Bestandteil des Fußball-Geschäfts, will die Konzentration auf das Wesentliche hochhalten. „Wenn du oben bist, wollen alle etwas von dir wissen.“ Zum Beispiel dieses: Wie macht er das mit der Eintracht? Wie kann es sein, dass der Aufsteiger flotten Fußball zeigt und fünf von sechs Spielen gewonnen hat? Kann die von Veh angeleitete Eintracht womöglich eine ähnliche Rolle wie im Vorjahr der Tabellenvierte Borussia Mönchengladbach spielen? Jener Verein, für den Veh einst als Spieler am Ball gewesen ist und mit dessen Mannschaft er sich an diesem Sonntag misst.

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          Kühnen Prognosen, die Eintracht wandele möglicherweise auf Pfaden wie einst der Aufsteiger und spätere Meister 1. FC Kaiserslautern, erteilt Armin Veh eine deutliche Absage. „Schwachsinn!“ Der Frankfurter Trainer ist Realist. „Man kann uns hier und jetzt vielleicht mit Gladbach aus dem Vorjahr vergleichen. Aber eben nur bis zum sechsten Spieltag.“ Vehs Frankfurter haben schon jetzt Erstaunliches erreicht. Nach dem „Abstieg der Schande“, der nicht nur Vereinspräsident Peter Fischer im tiefsten Inneren getroffen hatte, ist die Eintracht in diesem Sommer nach der sofortigen Rückkehr in die Bundesliga mächtig durchgestartet.

          Kaum Einbrüche, kaum Verletzungen

          Im Verbund mit Sportdirektor Bruno Hübner hat Veh Fingerspitzengefühl und den richtigen Blick für die richtigen Leute bewiesen. Sie holten auf dem Transfermarkt das Maximum heraus - mit den bescheidenen Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen. Lediglich knapp acht Millionen Euro haben die Hessen für langjährige zweitklassige Kräfte ausgegeben, die sich nun erstklassig in erstklassiger Umgebung schlagen.

          Der Hype ist „Wahnsinn“, die Vergleiche sind „Schwachsinn“
          Der Hype ist „Wahnsinn“, die Vergleiche sind „Schwachsinn“ : Bild: Wpnge Bergmann

          “Schnell spielen, hoch stehen, offensiv agieren“ - Vehs Plan, mit frischem Angriffsfußball für Überraschungen zu sorgen, ist aufgegangen. Flinke Außenspieler wie der Japaner Takashi Inui (vormals VfL Bochum) und der Münchner Löwe Stefan Aigner knacken seit dem Saisonstart Woche um Woche die gegnerischen Abwehrblöcke. Fast schon trocken sagt Veh: „Es ist schön, dass wir die sechzehn Punkte haben. Wir können ja auch was. Doch das ändert nichts an unserem Ziel Klassenerhalt.“

          Veh vor allem kann was. Er hat sich einen Stab von engagierten Mitarbeitern aufgebaut, die all das umsetzen, was der Chef vorgibt. „Früher haben wir in der Sommervorbereitung vier Wochen lang Krafttraining gemacht. Und dann war Ende. Doch die Trainingsmethodik hat sich weiterentwickelt“, sagt Veh. Die Folge: Konditionstrainer Christian Kolodziej, der schon mit Veh im Stuttgarter Meisterjahr 2007 gemeinsame Sache gemacht hat, hält die junge Eintracht-Truppe ständig auf Trab. Konditionelle Einbrüche? Fehlanzeige. Muskuläre Verletzungen? Gibt es kaum. Mangelnde Sprintfähigkeit? Nicht bei der Eintracht.

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