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Eintracht-Trainer unter Druck : Armin Veh kämpft – auch für sich

Wo geht die Reise hin? Armin Veh steht bei der Eintracht gehörig unter Druck Bild: Picture-Alliance

In unruhigen Zeiten versucht es Trainer Armin Veh bei der Frankfurter Eintracht mit demonstrativer Gelassenheit. Doch selbst ein Sieg über den HSV würde die Sorgen nur unwesentlich schmälern.

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          Die Episode mit Christoph Daum hat der Eintracht kein Glück gebracht. Die Idee, mit Hilfe des einstigen Meistertrainers den Absturz aufhalten zu können, entpuppte sich als trügerische Hoffnung. Daum, den sie im März 2011 in ihrer Verzweiflung verpflichtet hatten, als der Führung des Klubs nach Wochen des Zögerns spät klar wurde, dass Michael Skibbe die Kontrolle über das Team entglitten war, hat dem Verein nicht weiterhelfen können.

          Doch immerhin hinterließ er etwas von bleibendem Wert, von dem sie heute in Frankfurt profitieren möchten: Seine erste Amtshandlung war die Anordnung, dass ein Sportplatz hinter der WM-Arena mit einer blickdichten Plane verhängt werden musste, damit die Profis ungestört von den Blicken der Öffentlichkeit ihre Übungen absolvieren können. Gebracht hat es seinerzeit nichts, die Frankfurter verloren trotzdem den Kampf um den Verbleib in der Bundesliga. Armin Veh, unter dessen Regie die Rückkehr in die Erstklassigkeit glückte, sieht sich nun mit der unangenehmen Aufgabe konfrontiert, den drohenden fünften Abstieg in der Historie der Hessen verhindern zu müssen.

          „Wir müssen etwas verändern“

          Nachdem zuletzt Niederlagen gegen Stuttgart (2:4) und Köln (1:3) für ein Abrutschen auf den 15. Platz sorgten, schottete auch er seine Spieler im Übungsalltag komplett ab und zog sich mit ihnen hinter den hohen Zaun zurück: „Wir müssen etwas verändern“, begründete er die für ihn ungewohnte Einigelungstaktik, „und da macht es wenig Sinn, unsere Pläne vorher offenzulegen.“

          Die Schwierigkeiten der Mannschaft sind augenfällig: Sie hat bei mittlerweile zehn Misserfolgen in 21 Liga-Partien keine tragfähige Basis erkennen lassen, auf der sich - je nach Bedarf und Gegner - aufbauen oder variieren ließe; es fehlt an einer defensiven Ordnung, und im Angriff ist Alexander Meier (zwölf Treffer) zu oft auf sich allein gestellt. Sportdirektor Bruno Hübner brachte es so auf den Punkt: „Wir sind in eine Abwärtsspirale geraten.“ Für den verbesserungswürdigen Zustand der Eintracht müssen er und Veh sich maßgeblich mitverantworten: Das Duo ließ sich blenden, was das Leistungsvermögen seiner Leute angeht.

          Zunächst im Sommer, als sie dachten, mit Stefan Reinartz eine passende Besetzung für die vakante Position des Mittelfeld-Strategen und in Luc Castaignos eine Sturm-Alternative gefunden zu haben; beide deuteten ihr Potential allenfalls an, zu allem Überfluss sind sie seit geraumer Zeit verletzt. Die Gelegenheit, im Winter personell gegenzusteuern und auf die erkennbaren Defizite zu reagieren, nahmen Manager und Coach halbherzig wahr. Sie verpflichteten zwar fünf weitere Profis, doch erhöhten sie damit vor allem die Quantität des Kaders, nicht aber in jedem Fall seine Qualität. Nach wie vor fehlt es der Eintracht, wenn sie unter Druck gerät, an Geschwindigkeit, um in der Rückwärtsbewegung den Strafraum zu sichern.

          „Wir kriegen die Mitte nicht dicht“, nannte es Veh. Aus diesem Defizit resultieren einundsechzig Verwarnungen, sieben Gelb-Sperren und drei Ampelkarten-Platzverweise - die einzigen Spitzenwerte, die die Frankfurter vorweisen können. An diesem Freitag gegen Hamburg besteht die nächste Gelegenheit zur Trendwende. Veh hält sich nach wie vor für den richtigen Mann für die schwierige Mission. Selbstzweifel, sofern sie vorhanden sind, überdeckt er mühelos. Vielmehr zog er, der eigentlich einen lässigen Führungsstil bevorzugt, die Zügel spürbar an. Rauswerfen ließ sich der Fußballlehrer noch nie gerne. Wenn, dann beendete er die Verträge eher von selbst.

          Zum Verstecken:  Eintrachts Abraham möchte nach der Pleite in Köln ganz schnell verschwinden.

          So auch 2014 in Stuttgart. Bei der Eintracht soll es unter keinen Umständen so weit kommen - auch wenn er große Teile der Fans inzwischen gegen sich weiß. „Insgesamt ist es ziemlich unruhig“, bestätigt er. Doch das scheint seinen Kampfgeist eher zu wecken als zu schmälern. Anders als bei seinem ersten Engagement in Frankfurt zieht es Veh kaum noch an seinen Hauptwohnsitz in der Nähe von Augsburg, er geht heute Fotografen aus dem Weg, die ihn sonst gerne beim Lieblingsitaliener bei Pasta und Rotwein ablichteten. Stattdessen tüftelt er bis abends mit seinen vier Assistenten an Lösungen für die laut Vorstandschef Heribert Bruchhagen „prekäre“ Lage. „Wir dürfen nicht den Fehler machen, zu ungeduldig zu sein“, sagte Veh.

          Er möchte mit demonstrativer Gelassenheit den verunsicherten Spielern ein Vorbild sein und räumt doch in einem Nebensatz ein, „dass nur Ergebnisse helfen. Denn wenn du nicht gewinnst, wird es nicht besser“. Ihm ist „aufgrund meiner 26-jährigen Erfahrung in dem Job“ klar, dass Chancen und Risiken in der jetzigen Situation ungleich verteilt sind: Selbst ein Sieg über den HSV würde die Sorgen nur unwesentlich schmälern, doch eine weitere Niederlage die Not unweigerlich steigern. Am Donnerstag sagte er, „wir wissen, um was es geht“: Vordergründig vor allem um die Eintracht - doch eben längst auch um die eigene Person und ihre Zukunftsperspektiven in Frankfurt.

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