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Arjen Robben im Gespräch : „Ich denke nicht zu viel über Fußball nach“

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Wie habe ich das gemacht? Arjen Robben ist eine Attraktion in der Bundesliga Bild: dpa

Arjen Robben ist einer der spektakulärsten Bundesliga-Spieler. Mit Bayern München will er an diesem Samstag (15.30 Uhr) in Köln die Tabellenspitze verteidigen. Im FAZ.NET-Interview spricht der Niederländer über Intuition, Spaß und seinen Freund - den Ball.

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          Arjen Robben ist einer der spektakulärsten Spieler der Fußball-Bundesliga. Im vergangenen August wechselte er von Real Madrid nach München. In seinen besten Tagen bildet der Niederländer mit Franck Ribéry eine kaum aufzuhaltende Flügelzange - wenn beide denn gesund sind.

          Mit dem FC Bayern will Robben an diesem Samstag (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) beim Spiel in Köln die Tabellenspitze verteidigen, die der Rekordmeister nach langen Wochen des Wartens am vergangenen Sonntag eroberte. Im FAZ.NET-Interview spricht der Niederländer über Intuition, Spaß und seinen Freund - den Ball.

          Auch wenn man kein Fan des FC Bayern ist, kann man Freude an Ihrem Spiel haben. Spüren Sie Ihre Wirkung auf das Publikum?

          Manchmal ist das schwer, vor allem auswärts, wenn die Fans gegen uns sind. Aber ich denke, wir spielen schönen Fußball. Und das ist schön für alle Zuschauer.

          „Weißt du noch, damals? Wir mussten dir nur den Ball geben, dann hatten wir gewonnen”

          Für Sie selbst auch?

          Ich habe immer Spaß am Fußball.

          Eine typische Robben-Szene sieht so aus: Sie fordern den Ball an der Außenseite, knapp hinter der Mittellinie. Und dann geht es los, sofort in die Vorwärtsbewegung, in die 1:1-Situation. War das schon immer in Ihrer DNA?

          Schon immer. Schon als Kind war ich so. Ich wollte den Ball bekommen und dann gleich zum Tor ziehen und das Tor machen. Damals war es noch ein bisschen einfacher, an vier oder fünf Leuten vorbeizukommen. Aber schon da habe ich alles gelernt.

          In Deutschland wäre dann vermutlich ein Jugendtrainer gekommen und hätte gesagt: Hör auf mit dem Fummeln, gib den Ball ab. In Holland nicht?

          Bei mir hat nie jemand etwas gesagt. Das ist auch gut so. Oft sehe ich, dass Eltern an der Linie stehen und die Kinder anschreien. Das ist sehr schlecht. Du musst die Kinder lassen, das schaffen die selbst. Die brauchen noch keine Taktik, keinen Erfolgsdruck. Die wollen nur Spaß haben.

          Von dem zwölfjährigen Maradona gibt es die schöne Geschichte, dass er in einem Jugendspiel zweieinhalb Minuten lang gedribbelt hat, ohne dass ein Gegner an den Ball kam - und natürlich ohne abzuspielen. Waren Sie auch so?

          Nein, aber meine alten Freunde in Holland, mit denen ich bei den Amateuren zusammenspielte, erzählen manchmal ähnliche Geschichten von mir. Wenn ich sie treffe, sagen sie: „Weißt du noch, damals? Wir mussten dir nur den Ball geben, dann hatten wir gewonnen.“ Wir wurden Meister und stiegen auf. Dann ging ich zu meinem ersten Profiklub nach Groningen, und ohne mich sind sie gleich wieder abgestiegen.

          Noch mal zurück zur typischen Robben-Szene: an der Seite, hinter der Mittellinie, Sie fordern den Ball. Nun kommt er auf Sie zu. Was geht in diesem Augenblick durch Ihren Kopf? Wissen Sie schon, was als Nächstes passiert?

          Nein. Das ist völlig intuitiv. Ich bin ein intuitiver Spieler. Ich weiß nie, wo es endet. Wenn ich ein Dribbling mache, bestimmt oft der Verteidiger, wo es hingeht. Wenn ich nach innen will, und der Verteidiger macht eine Bewegung nach innen, dann kann ich das ganz schnell ändern und gehe nach außen. Man muss immer eine gute Wahl treffen, das ist schwierig. Manchmal muss die Wahl auch sein, das Dribbling zu lassen. Nämlich dann, wenn man sieht, dass zu viele Gegenspieler da sind.

          Ihr Zusammenspiel auf der rechten Seite mit Philipp Lahm funktioniert immer besser. Häufig spurtet er außen an Ihnen vorbei, macht den „overlap“, so dass Sie den Ball hinter den Verteidigern durchspielen können. Sehen können Sie ihn dabei nicht. Hören Sie ihn?

          Acht- oder neunmal von zehn sehe ich ihn wirklich nicht, da ist er in meinem Rücken. Aber ich weiß, wo er ist. Manchmal sagt er auch etwas. Ich muss im richtigen Moment spielen, eine Sache des Gefühls. Wir trainieren das viel. Das geht sehr gut und macht viel Spaß.

          Welche Rolle spielen Ihre Gegenspieler? Befassen Sie sich mit ihnen?

          Wer gegen mich spielt, ist mir eigentlich egal. Aber vor dem Spiel bekommen wir immer ein paar Informationen. Es ist mein erstes Jahr in der Bundesliga, deshalb spiele ich gegen alle zum ersten Mal. Alle sind neu für mich. Aber ich versuche immer, mein eigenes Spiel zu spielen. Ich passe mich nie dem Gegenspieler an.

          Holland hatte immer sehr gute Flügelstürmer - solche, die bis zur Grundlinie vorstoßen und dann flanken. Aber Sie sind ein ganz anderer Typ.

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