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Arbeitsprotokoll: Van der Vaart : Kein Heilsbringer, aber ein Hoffnungsschimmer

Hamburger Dirigent: Rückkehrer van der Vaart gab dem HSV-Spiel viele Impulse Bild: Wonge Bergmann

Rafael van der Vaart wurde begrüßt wie der Heilsbringer beim HSV. In Frankfurt hat er nun erstmals für seinen alten und neuen Klub gespielt. FAZ.NET hat 90 Minuten lang genau hingeschaut.

          Seinen bemerkenswertesten Auftritt hatte Rafael van der Vaart schon vor dem Anpfiff der Partie seines HSV bei Eintracht Frankfurt. Obgleich er sich vor einigen Tagen ein Schweigegelübde auferlegt hatte bis zum Abpfiff seines ersten Spiels für den alten und neuen Klub, äußerte er sich am Spieltag in der Bild am Sonntag. „Ich hoffe, dass wir jetzt ein gutes Jahr spielen, uns für Europa qualifizieren, dann für die Champions League oder Titel holen“, sagte der 29 Jahre alte Niederländer.

          Auf dem Feld begann seine Titeljagd aktiv nach 2:21 Minuten. Da berührte van der Vaart bei seinem Comeback in der Bundesliga erstmals den Ball, sechs Sekunden später schoss er erstmals aufs Tor. Da zeigte ein teurer Star des Fußballs, dass er gewillt ist, die Führungsrolle beim Hamburger SV zu übernehmen und nicht nur abseits des Platzes im Doppelpass mit seiner Frau Sylvie zu brillieren.

          Meist auf sich allein gestellt

          Doch nach dem 2:3 des HSV in Frankfurt ist die Frage, ob ein van der Vaart genügt, um den „Dino“ auf Kurs zu bringen. Zu unkoordiniert wirkten die verschiedenen Mannschaftsteile nahezu unabhängig voneinander am Hamburger Gesamtauftritt. Entsprechend war der nach vier Wanderjahren über Madrid und London an die Alster zurückgekehrte Star des Teams meist auf sich allein gestellt. Bei Standards liegt das in der Natur der Sache: Die Bandbreite an ruhenden Bällen schöpfte van der Vaart schon in den ersten 20 Minuten nahezu voll aus. Einen Freistoß schlenzte er so gefährlich aufs Frankfurter Tor, dass sich Eintracht-Schlussmann Kevin Trapp mächtig strecken musste. Zwei Eckbälle gerieten ihm erst einmal zu lang.

          Und zwei weitere Standardübungen hätte er sich lieber erspart. Denn van der Vaart ist auch derjenige beim HSV, der nach Gegentoren den Ball beim Anstoß wieder ins Spiel bringt. In Frankfurt durfte er diesen ruhenden Ball erstmals nach 13 Minuten üben, nachdem Takashi Inui nach einem feinen Alleingang das 1:0 erzielt hatte. Olivier Occean gab van der Vaart dann in Minute 18 bereits die zweite Gelegenheit zur perfekten Ausführung des Anstoßes.

          Erst danach durfte er seine Künste auch aus dem Spiel heraus zeigen. Dafür ließ er sich immer öfter aus der klassischen Position des Spielmachers auf die Position des „Sechsers“ zurückfallen. Er zog damit die Konsequenz daraus, dass und seine Mitspieler ihn zuvor zwar immer wieder als Anspielstation hinter der Spitze gesucht, mangels individueller Qualität aber nie gefunden hatten. . Der niederländische Nationalspieler im – von Bondscoach Louis van Gaal verordneten – zumindest einstweiligen Ruhestand fand somit besser ins Spiel.

          Und auch der HSV profitierte, weil immerhin Marcell Jansen in der Lage war, auf van der Vaarts Impulse einzugehen. In der 28. Minute führte das Zusammenspiel der beiden Linksfüßer zu einer hundertprozentigen Chance. Jansen schickte van der Vaart auf den Flügel, der flinke Spielmacher passte mutergültig zu Mittelstürmer Artjoms Rudnevs, der aus zwölf Metern jedoch kläglich an Trapp scheiterte. In der 45. Minute fügte sich Rudnevs besser ins spielerische Vorhaben seines neuen Teamkollegen ein. Nach einem Van-der-Vaart-Eckball an den langen Pfosten legte der Lette per Kopf für Heiko Westermann auf, der aus vier Metern einschob.

          Vorarbeiter: Van der Vaart versucht im Spiel Verantwortung zu übernehmen, nach vorne ... Bilderstrecke

          In Halbzeit zwei war van der Vaart erst einmal wenig zu sehen. Das lag vor allem daran, dass sich Petr Jiracek, einer der zur Absicherung des Strategen eingeteilten Adjutanten, unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff eine Rote Karte eingehandelt hatte. Van der Vaart musste folglich selbst Defensivaufgaben übernehmen. Das tat der Niederländer freilich nicht so eifrig, als dass er den dritten Eintracht-Treffer hätte verhindern können. Die Hessen spielten sich in der 52. Minute doch allzu locker durch das Frankfurter Zentrum, in dem van der Vaart offenbar als defensive Schwachstelle ausgemacht worden war.

          Dass defensive Zweikämpfe freilich nicht die schlechteste Voraussetzung für eine eigene Offensivaktion sein müssen, er in der 63. Minute. Da eroberte der Genius höchstselbst den Ball von Eintracht-Innenverteidiger Carlos Zambrano, um dann die Vorlage zu Hyeung-Min Sons Anschlusstreffer zu geben. Der krönende Abschluss blieb ihm verwehrt: Drei Minuten vor Ende lag der Ball fast in einer Traumposition zum Freistoß bereit. Doch der Niederländer scheiterte aus zwanzig Metern und halbrechter Position an der Mauer. Dennoch war van der Vaart Hambursg Bester. Das belegen drei Bestmarken: Er hatte 74 Ballkontakte, lieferte sechs Torschussvorlagen und schoss dreimal selbst aufs Tor. Er vermochte nur eben doch nicht der von den HSV-Fans ersehnte Heilsbringer zu sein. Ein Hoffnungsschimmer für den „Dino“ der Liga ist er aber allemal.

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