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Arbeitsprotokoll Theofanis Gekas : Wenn schlechte Werte sehr zufrieden machen

  • -Aktualisiert am

Sechster Ballkontakt, erstes Tor: Gekas hat seine aufgabe in der 17. Minute erfüllt Bild: Wonge Bergmann

Schlechte Werte, zufriedener Stürmer: Theofanis Gekas hat gegen Nürnberg ganze 17 Ballkontakte, verliert die meisten Zweikämpfe, steht häufiger im Abseits, als er aufs Tor schießt. Trotzdem sind bei Eintracht Frankfurt alle glücklich mit dem Griechen - wegen seiner beeindruckenden Trefferquote.

          Theofanis Gekas wirkt unscheinbar. Theofanis Gekas wirkt fast gelangweilt auf dem Platz . Theofanis Gekas ist zufrieden. Beim 2:0 der Frankfurter Eintracht gegen den 1. FC Nürnberg hat der Grieche ein Tor erzielt und damit seine Aufgabe erfüllt. Es war der vierte Saisontreffer im sechsten Spiel. Dabei hat der Stürmer, gemessen an den meisten anderen Statistiken, ein schwaches Spiel gezeigt. Ein Torschuss, zwei Abseitsstellungen, 17 Ballkontakte sprechen nicht unbedingt für den Angreifer.

          Betrachtet man andere Top-Stürmer der Bundesliga, wird deutlich, wie schwach diese Werte eigentlich sind. Dass Raúl von Schalke 04 im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach 40 Ballkontakte sammelt, ist sicher keine Überraschung. Immerhin gilt der ehemalige Profi von Real Madrid als spielender Stürmer. Aber selbst Ruud van Nistelrooy vom Hamburger SV - das perfekte Beispiel für den so oft beschriebenen Strafraumstürmer wie es auch Gekas ist - kommt im Nord-Derby gegen Werder Bremen auf 35 Ballkontakte.

          Und doch sind Gekas' Mitspieler, sein Trainer Michael Skibbe und die Frankfurter Fans mit dem 30 Jahre alten Mittelstürmer zufrieden. Eine gute Aktion im gesamten Spiel reicht, um möglichen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

          Keine Stärke: Gegen Maroh (l.) wie gegen andere Nürnberger gelingt es Gekas nicht, Bälle zu behaupten

          In der 17. Minute fliegt der Ball nach einer Ecke von Gekas' griechischem Landsmann Georgios Tzavellas von der rechten Seite in den Strafraum. Der Stürmer setzt sich von seinem Gegenspieler Javier Pinola durch zwei schnelle Schritte ab und lässt den Ball ohne große Anstrengung über seinen Kopf ins lange Eck rutschen. Der Nürnberger Juri Judt versucht auf der Linie zwar noch zu klären, ist für den plazierten Ball ins linke obere Eck aber einfach zu klein. Gekas dreht ab zum Jubeln. Er weiß, dass er mit seinem sechsten Ballkontakt seine Aufgabe erfüllt hat.

          Schon am vergangenen Mittwoch hatte der Grieche bei der 1:2-Niederlage in Leverkusen mit dem Kopf getroffen. Dabei misst Gekas gerade einmal 1,79 Meter und zählt unter den Mittelstürmern der Liga zur kleinen Riege. Das unscheinbare Auftreten ist die große Stärke des Stürmers mit der Nummer 21 auf dem Rücken. Die Gegenspieler haben den Eindruck, sie hätten den Angreifer im Griff und sind in der entscheidenden Situation doch den einen Schritt zu spät. „Der schleicht sich regelrecht frei“, erklärt Mitspieler Maik Franz, selbst mit 53 Ballkontakten der am häufigsten angespielte Frankfurter, und bezeichnet Gekas als „Schlitzohr mit Riecher“.

          Nach dem Tor fällt Gekas nicht mehr auf

          Die Eintracht weiß, was sie an ihrem unscheinbaren Griechen hat und legte vor der Saison eine Ablöse von einer Millionen Euro bei Bayer Leverkusen auf den Tisch. Nach seinem Tor und den Glückwünschen seiner Mitspieler ist in der ersten Halbzeit nur noch wenig von Gekas zu sehen. Von seinen Mitspielern als einzige Spitze oft alleingelassen, kann der Grieche keine Bälle behaupten.

          In der zweiten Halbzeit drückt Nürnberg auf den Ausgleich, Gekas beobachtet das Geschehen nur noch aus der Ferne. Er müht sich vergeblich, die meist unkontrollierten Frankfurter Befreiungsschläge zu erreichen und wird nach 84 Minuten für seinen griechischen Landsmann Ioannis Amanatidis ausgewechselt. Der Arbeitstag ist beendet.

          Denn auch beim späteren Jubeln über den ersten Heimsieg seit fünfeinhalb Monaten wirkt Gekas unscheinbar, fast gelangweilt. Während seine Mitspieler am eigenen Strafraum einen Kreis bilden, klatscht sich der Angreifer mit den Nürnberger Gegenspielern am Mittelkreis ab und verschwindet kurz darauf stillschweigend in die Kabine.

          Vorbei an allen Pressevertretern - er kann nach mehr als vier Jahren in der Bundesliga noch kein Deutsch sprechen - geht er in die Kabine. Unscheinbar, fast gelangweilt, aber doch zufrieden: Theofanis Gekas hat seine Aufgabe wieder einmal erfüllt.

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