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Arbeitsprotokoll Shawn Parker : Lehrling mit Torbeteiligung

Guter Auftakt: Für Shawn Parker (im Bildnach seinem Tor in Frankfurt am Dienstag) läuft es bei seinem Start in die Bundesligalaufbahn Bild: dapd

Shawn Parker durfte nach seinem Startelf- und Tordebüt am Dienstag nun schon zum zweiten Mal von Beginn an in der Bundesliga auflaufen. Wir haben beim 2:1-Sieg seiner Mainzer gegen Hannover genau hingeschaut – taktikbedingt nur 52 Minuten lang.

          Bundesligaroutine stellt sich in manchen Dingen recht schnell ein. Nachdem Shawn Parker vor seinem Startelfdebüt beim 3:1-Sieg seines FSV Mainz 05 am vergangenen Dienstag bei Eintracht Frankfurt noch beinahe die übliche Kreisbildung zur Verbesserung des Teamgeistes verpasst hatte, ist er am Samstag beim 2:1-Sieg über Hannover 96 auch vor dem Anpfiff schon stets auf der Höhe der fürs Mannschaftsspiel erforderlichen Aufmerksamkeit.

          Nach dem Anstoß durch die Hannoveraner Offensivkräfte Schlaudraff und Diouf setzt sich das nahtlos fort. Das 19 Jahre alte Offensivtalent sprintet sofort im Dienste des Mainzer Pressings in die gegnerische Hälfte auf der Suche nach möglicher Zerstörungsarbeit. Seine wahren Qualitäten zeigt der Juniorennationalspieler, der in bislang 44 Einsätzen für sämtliche möglichen DFB-Auswahlteams von der U 15 bis aktuell zur U 20 24 Tore erzielt und stets eine wichtige Rolle gespielt hat, natürlich am Ball. Nach kaum drei Minuten schießt er das erste Mal auf den Kasten des gegnerischen Schlussmanns Ron-Robert Zieler. Noch stimmt das Feintuning nicht.

          Doch Parker beherrscht nicht nur den Abschluss. Elegant nimmt er in der achten Minute den Ball nach einem Einwurf mit, überläuft seinen Gegenspieler Steven Cherundolo, dringt in den Strafraum ein, findet allerdings keinen Abnehmer für seine Flanke.

          Der nächste Scorerpunkt

          Nach zehn Minuten passt es für Parker, der im Mainzer 4-2-3-1-System nominell als „Zehner“ hinter der einzigen Spitze Adam Szalai fungiert, aber oftmals sowohl im Pressing wie im eigenen Spielaufbau eher als zweite Spitze auftritt, dann aber nahezu perfekt.

          Eine Kopfballabwehr aus der Hannoveraner Innenverteidigung nimmt er mit der Brust an, zieht dann direkt volley ab und stellt Zieler auf eine harte Probe: Der Schlussmann mit Nationalmannschaftserfahrung lenkt den Ball mit den Fingerspitzen zwar noch an den Pfosten, den Nachschuss schiebt Nicolai Müller allerdings problemlos zur Mainzer Führung ein. Nach einem Tor und einer Vorlage im Spiel in Frankfurt bessert Parker seine Scorer-Wertung also auch im zweiten Einsatz auf. Ein Lehrling also mit bemerkenswerter Torbeteiligung.

          Bilderstrecke

          Dass auch ein Edeltalent vor Fehlern nicht gefeit ist, beweist der Sohn eines amerikanischen Vaters und einer deutschen Mutter schon in der nächsten Szene: Ihm unterläuft unbedrängt ein Fehlpass im Mittelfeld, der gegen die konterstarke Mannschaft von Hannover 96 stets eine große Gefahr heraufbeschwören kann. Dieser Gegenstoß führt immerhin zu einem Freistoß aus gefährlicher Halbposition, von wo aus der Standardspezialist Christian Pander den Ball im Bogen in den Strafraum befördert.

          Bei Standards der Mauermann

          Bei Standards wie diesem steht Parker stets in der Mauer. Das ist seinen bei 1,79 Metern Körpergröße nur gering ausgebildeten Kopfballqualitäten und vermutlich auch der fehlenden Sicherheit bezüglich Defensivabläufen bei ruhenden Bällen geschuldet. Folglich ist Parker auch außen vor, wenn in der Videoanalyse der Schuldige für Hannovers Ausgleich nach 28 Minuten gesucht wird. Nach einem weiteren Standard entsteht im Mainzer Strafraum eine gewisse Konfusion, die Christian Schulz zum 1:1 nutzt.

          In der 36. Minute gerät Parker dann in eine Szene, die ihm sein Trainer Thomas Tuchel in der Videoanalyse im Nachgang der Partie sicher zeigen wird. Ohne Not manövriert er sich dribbelnd im Mittelkreis in eine Überzahl an Gegenspielern statt den Ball schnell zu einem Mitspieler auf die Außen weiterzuspielen. Die drei Hannoveraner lassen ihr leichtes Opfer nicht entkommen und leiten aus dem Zentrum heraus einen der gefürchteten Schnellangriffe ein.

          Immerhin erkennt Parker, dem die Rolle als „Zehner“ vor allem im defensiven Umschalten deutlich schwerer fällt als jene einfacher strukturierte als zweite Spitze beim Spiel in Frankfurt, umgehend die Zeichen der Zeit und sprintet im Höchsttempo an den eigenen Strafraum zurück. Dort klärt er die aufkommende Gefahr für das eigene Tor mit einem Befreiungsschlag.

          Folgeopfer der Roten Karte

          Nach der Pause hat Parker nicht mehr allzu viel Zeit, sein zweites Bundesligaspiel zu genießen. Als der Mainzer Torhüter Christian Wetklo in der 49. Minute regelwidrig außerhalb des Strafraums die Hände zu Hilfe nimmt, ahnt das Talent, dass sein Arbeitstag zu Ende geht. In der Not der Unterzahl opfern Trainer nun einmal aus taktischen Gründen vornehmlich Offensivspieler und in Abwehrschlachten unerfahrene Akteure.

          Auf Parker trifft beides zu, weswegen er zurecht bis zum Vollzug der Auswechslung für Ersatztorhüter Loris Karius in der 52. Minute gebannt zur Trainerbank blickt. „Das war eine klare Entscheidung, weil bei Unterzahl alle Umschaltabläufe passen müssen“, sagt Tuchel später. „Es ist ganz normal, das Shawn da noch Eingewöhnungszeit braucht. Aber mit seiner Leistung heute hat er für Nachhaltigkeit gesorgt an Akzeptanz in der Mannschaft.“

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