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Arbeitsprotokoll Sebastian Rode : Adler in dienender Funktion

Gefühlter Sieger: Sebastian Rode und die Frankfurter Eintracht Bild: REUTERS

Sebastian Rode begeistert derzeit die Fans von Eintracht Frankfurt. Das Talent war auch beim 3:3 gegen Dortmund entscheidender Akteur des Überraschungsteams der bisherigen Saison. Dieses Mal war er mehr Arbeiter als Antreiber.

          Die Wertschätzung für Sebastian Rode ist bei der Frankfurter Eintracht derzeit nahezu unermesslich hoch. Zumindest gemäß den offiziellen Verlautbarungen. Sportdirektor Bruno Hübner versuchte schon vor dem 3:3 gegen Borussia Dortmund eventuellen Abwanderungsabsichten des Spielers einen möglichst dicken Riegel vorzuschieben. „Wir sind uns im Klub einig: Rode hat noch einen Zweijahresvertrag, und in diesen beiden Jahren werden wir ihn nicht abgeben. Da sind wir nicht kompromissbereit“.

          Solche Abwehrbemühungen gegen Abwerbeversuche werden indes meist bei einem bestimmten Millionenbetrag eingestellt und sind deshalb erfahrungsgemäß weit weniger wert als die Defensivarbeit Rodes im Duell seines Überraschungsteams mit dem deutschen Meister. Im spektakulären Dienstagsspiel untermauert der zentrale Mittelfeldspieler seinen Ruf als eine der derzeit positivsten Erscheinungen der Bundesliga.

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          Schon in den Anfangsminuten präsentiert der Eintracht-Profi seine Vielfalt. Dank seiner Laufstärke attackiert er in der sechsten Minute alleine die beiden Dortmunder Aufbauspieler Sebastian Kehl und Moritz Leitner derart, dass sich Leitner zum Befreiungsschlag genötigt sieht. So etwas sieht man im Dortmunder Spiel höchst selten.

          Stärke im „One-Touch“

          In der 16. Minute zeigt sich Rode von einer ganz anderen Seite. Dank seiner Antrittsschnelligkeit stößt er derart aggressiv in den Strafraum des BVB ein, dass er auf der rechten Seite perfekt anspielbar ist. Er zwingt den Dortmunder Innenverteidiger Neven Subotic zum riskanten Tackling, bei dem Rode zu Fall kommt. Statt theatralisch einen Elfmeter zu fordern, springt Rode auf und kämpft weiter um den Ball. Eine faire Geste in einem hitzigen Duell.

          Gestalter: Rode ist von BVB-Verteidiger Lukasz Piszczek (l.)nicht vom Flanken abzuhalten

          Seine größte spielerische Stärke nutzt er beispielhaft in der 37. Minute, als die Dortmunder durch Piszczek und Reus bereits mit 2:0 in Führung liegen. Im Mittelkreis fordert er den Ball, spielt drei kurze Doppelpässe im „One-Touch-Stil“mit wechselnden Partnern, ehe er den Raum entdeckt, in den er mit einem 15-Meter-Sprint stoßen kann. Urplötzlich hat sich das gesamte Spiel verlagert, Rodes öffnender Pass auf Takashi Inui bringt zwar keinen direkten Ertrag, deutet aber das überragende Vermögen des Spielers an, ein Spiel aus einer engen Situation zu öffnen.

          Hinzu kommt, dass er hinterher sprintet und deshalb wenige Sekunden später auf der linken Außenbahn so anspielbar ist, dass er sich den Ball komfortabel zur Flanke zurechtlegen kann. Der Abnehmer Alex Meier vergibt aber die Einschusschance.

          Rode zeigt so viel Selbstbewusstsein, dass er auch danach immer wieder die Bälle selbst im engen Dickicht des Dortmunder Mittelfeld-Pressings fordert. Er kann sich diese Rolle freilich nur leisten, weil Pirmin Schwegler, sein Partner in der defensiven Mittelfeldzentrale,  ihn perfekt absichert.

          In der 43. Minute wird Rode beinahe auch noch zum Vollstrecker. Nach einer Flanke von Oczipka verpasst er aber knapp. Die einzige offensichtlich Schwäche leistet er sich direkt danach. Nach einem Eckball von Blaszczykowski lässt er Perisic unbedrängt zum Kopfball kommen. In der Luft hat er Verbesserungspotenzial.

          Defensiverer Auftrag nach dem Wechsel

          In Halbzeit zwei steht Rode nicht mehr ganz so im Mittelpunkt des offensiven Eintracht-Spiels. Trainer Armin Veh hat seinen bis dahin besten Mann etwas defensiver positioniert, in Symmetrie zu Schwegler in einer nun echten Doppel-Sechs. Vermutlich war dies die Konsequenz aus der Entstehung der beiden Dortmunder Tore. Der BVB nutzte die Asymmetrie in der Eintracht-Zentrale, beide Treffer entstanden nach einem Pass aus der Zentrale auf den rechten Außenspieler Piszczek. Genau diese Schneise ließ die Eintracht zunächst offen, da Rode als linker „Sechser“ weiter vorgezogen attackierte.

          Im Zweikampf: Rode ist gegen Dortmunds Leitner in seinem Metier

          In seiner neuen Rolle wird Rode nun zu einem Eintracht-Adler in dienender Funktion. Seine defensivere Rolle gestattet stattdessen Inui, von der linken Seite her in die Rolle des Spielmachers zu schlüpfen. Das 1:2 (49.) bereitet der Japaner genau aus dieser Rolle heraus mit einem Pass auf Stefan Aigner vor, beim Ausgleich (51.) hält er nach Aigner-Flanke gar selbst den Kopf hin. Bei diesem Treffer ist Rode immerhin der Ausgangspunkt, als er ganz tief in der Abwehrkette stehend das Spiel mit einem scharfen Ball von der linken Seite auf den rechten Außenverteidiger Jung verlagert.

          Welche Gefahren ein Spiel gegen den deutschen Meister mit sich bringt, erfährt Rode in der 54. Minute mit beinahe bitterer Konsequenz. Etwas lässig lupft er einen Ball nahe der Eckfahne in Richtung Strafraum und zündet damit umgehend den Dortmunder Turbo. Mit perfektem Umschaltspiel erreicht der BVB via Piszczek und Blaszczykowski in sieben Sekunden den gegnerischen 16er, wo Perisic allerdings keine Gefahr erzeugt.

          Trikot eines Nationalspielers als Beute

          Die Aktion scheint für Rode eine Warnung zur rechten Zeit: Im restlichen Spielverlauf konzentriert er sich auf harte Zweikampfführung und die Absicherung seiner Offensivabteilung. Er bringt eine unauffällige, aber gute Leistung. Deshalb darf er nach Schlusspfiff zu Recht die Faust ballen. „Das Spiel war so kurzweilig, dass es sich anfühlte, als ob wir nur 30 Minuten gespielt hätten“, sagt Rode. Für den Jungstar der Eintracht wirkt das Unentschieden gegen den Meister wie ein Sieg nach.

          Schon im Meister-Trikot: Gerüchte besagen, dass Rode von Dortmund begehrt wird

          Er sichert sich noch das Trikot von Ilkay Gündogan. Der spielt schon in der deutschen Nationalmannschaft. Rode könnte ihm bald dorthin folgen – zumindest hoffen das die Eintracht-Fans. Für sie muss der gebürtige Hesse Rode der gefühlt erste Nationalspieler des Klubs seit Möller und Bein werden. (Um Leserkommentaren vorzubeugen: Es folgte noch Andreas Köpke - der aber war 1996 tatsächlich der letzte Eintracht-Nationalspieler).

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